The National Times - Breite Mehrheit für Olympiabewerbungen in Nordrhein-Westfalen und Kiel

Breite Mehrheit für Olympiabewerbungen in Nordrhein-Westfalen und Kiel


Breite Mehrheit für Olympiabewerbungen in Nordrhein-Westfalen und Kiel
Breite Mehrheit für Olympiabewerbungen in Nordrhein-Westfalen und Kiel / Foto: © AFP/Archiv

Die Bürgerentscheide über die geplante deutsche Olympiabewerbung haben in Nordrhein-Westfalen und im schleswig-holsteinischen Kiel am Sonntag deutliche Zustimmung für das Vorhaben ergeben. In Nordrhein-Westfalen sprachen sich die Menschen in 16 von 17 Städten für eine Bewerbung ihrer Region aus, wie die Kommunen nach der Auszählung der Stimmen mitteilten. Lediglich in Herten scheiterte der Bürgerentscheid an der nötigen Zustimmungsquote.

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Auch in Kiel fiel das Votum klar aus: Dort stimmten 63,5 Prozent der Teilnehmenden für eine Bewerbung, 36,5 Prozent dagegen. Die Wahlbeteiligung lag bei 29,1 Prozent, wie die schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt mitteilte.

Die höchste Zustimmung in Nordrhein-Westfalen zur Olympia-Bewerbung gab es mit 76,3 Prozent in Aachen, die niedrigste mit 57,4 Prozent in Köln. In Düsseldorf stimmten 67,2 Prozent mit Ja, in Essen waren es 64,3 Prozent.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) möchte die Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 nach Deutschland holen. Derzeit wird das Konzept erstellt. Es bewerben sich Berlin, München, Hamburg sowie die nordrhein-westfälischen Städte unter dem Titel "Köln.Rhein.Ruhr". Kiel ist bei allen vier Bewerbungen als Standort der Segelwettbewerbe an Bord.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) zeigte sich erfreut über die breite Zustimmung. Das Votum sei ein "klares Ja von den Menschen in Nordrhein-Westfalen", sagte er im Westdeutschen Rundfunk. Es habe sich "ausgezahlt, den Menschen zu vertrauen".

"Moderne, nachhaltige Spiele kann es nur mit der Zustimmung und nicht gegen den Willen der Menschen im Land geben", sagte Wüst vor Journalisten in Köln. Eine demokratische Zustimmung der Menschen sei "das Fundament einer erfolgreichen Bewerbung".

Die vorläufig Wahlbeteiligung lag laut Wüst bei geschätzt rund 32 Prozent. Mehr als 1,4 Millionen Menschen hätten ihre Stimme abgegeben. "Das ist eine herausragende Zahl", betonte Wüst. Das Bürgervotum sei "beispiellos in der olympischen Geschichte".

Abgestimmt wurde in Nordrhein-Westfalen per Briefwahl in insgesamt 17 Städten, darunter Köln, Düsseldorf und Essen. Ebenfalls zur Teilnahme aufgerufen waren die Bürger in Aachen, Bochum, Dortmund, Duisburg, Gelsenkirchen, Herten, Krefeld, Leverkusen, Mönchengladbach, Monheim am Rhein, Oberhausen, Pulheim, Recklinghausen und Wuppertal.

In Herten scheiterte der Bürgerentscheid trotz klarer Mehrheit. Zwar stimmten 73,8 Prozent dafür, doch die erforderliche Mindestzahl an Jastimmen wurde verfehlt. Damit fällt die Stadt aus der Bewerbung heraus. Herten war gemeinsam mit Recklinghausen als Austragungsort der Mountainbikewettbewerbe vorgesehen.

Der Kieler Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) zeigte sich am Sonntag erfreut über das Votum in seiner Stadt. "Dieses Ergebnis ist ein starkes Zeichen und gibt uns ganz viel Power und Rückenwind", erklärte er. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) sprach von einem "ganz starken Zeichen". "Kiel ist und bleibt eine begeisterte Sportstadt", erklärte er.

Im Herbst will der DOSB entscheiden, mit welcher Bewerbung Deutschland in den Vergabeprozess auf internationaler Ebene zieht. Die Olympischen Sommerspiele 2028 und 2032 sind bereits vergeben, in Frage kämen somit frühestens die Olympischen Spiele 2036. Die Regierungen in Bund und Ländern sowie Kommunalvertreter unterstützen eine Bewerbung, wollen in den meisten Fällen jedoch zunächst ein Stimmungsbild aus der Bevölkerung.

In München stimmten die Bürgerinnen und Bürger bereits im Oktober klar für eine Bewerbung. Termin für ein Referendum in Hamburg ist der 31. Mai. In Berlin ist keine Befragung geplant.

Pläne für eine deutsche Olympiabewerbung entstanden nach den vielfach als gelungen geltenden Sommerspielen in Paris 2024. Sie sind allerdings nicht unumstritten - unter anderem wegen der zu erwartenden Kosten und weit verbreiteter Kritik an kommerzialisierten Großveranstaltungen und internationalen Sportverbänden. Gerade Olympische Spiele im Jahr 2036 gelten zudem als politisch-symbolisch heikel: Exakt 100 Jahre zuvor richteten die Nationalsozialisten 1936 in Berlin die Spiele aus.

Deutschland richtete nochmals 1972 Olympische Sommerspiele in München aus. Weitere Bewerbungen wurden in der jüngeren Vergangenheit durch Widerstand der Bevölkerung gestoppt. In München und Bayern scheiterten 2013 Volksentscheide zur Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2022. In Hamburg sprach sich 2015 ebenfalls eine Mehrheit bei einem Bürgerentscheid gegen eine Bewerbung für die Sommerspiele 2024 aus.

R.Campbell--TNT

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