The National Times - Russische Truppen ziehen Belagerungsring um Mariupol immer enger

Russische Truppen ziehen Belagerungsring um Mariupol immer enger


Russische Truppen ziehen Belagerungsring um Mariupol immer enger
Russische Truppen ziehen Belagerungsring um Mariupol immer enger / Foto: © AFP

Russland zieht den Belagerungsring um die umkämpfte ukrainische Hafenstadt Mariupol immer enger. Das Verteidigungsministerium in Moskau erklärte am Dienstag, die russische Armee habe mit Luft- und Artillerieangriffen auf eine Fabrik im Norden der Stadt einen Versuch ukrainischer Soldaten vereitelt, den Belagerungsring um die Stadt zu durchbrechen. Großbritannien erklärte derweil, sie prüfe Berichte über einen angeblichen russischen Angriff mit Chemiewaffen in Mariupol.

Textgröße ändern:

Die verbliebenen ukrainischen Soldaten in Mariupol hatten schon am Montag erklärt, sie bereiteten sich auf die "letzte Schlacht" vor. Die Armeeführung gab sich jedoch weiter kämpferisch: "Die Verteidigung von Mariupol geht weiter." Die Verbindung zu den Truppen in der Stadt sei "stabil".

Mariupol wird seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine am 24. Februar von der russischen Armee belagert. Inzwischen ist die einst 400.000 Einwohner zählende Stadt weitgehend zerstört, die humanitäre Lage katastrophal. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von "zehntausenden" Toten durch die Belagerung Mariupols. In einer Videoansprache am Montagabend fordert er erneut mehr Waffen, um die "Blockade" Mariupols beenden zu können.

Nach dem Rückzug seiner Truppen aus der Region Kiew hatte Russland angekündigt, den militärischen Fokus verstärkt auf die Ostukraine zu richten. Ziel Moskaus ist nach Einschätzung von Experten die Errichtung einer direkten Landverbindung zwischen der 2014 annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim und den von pro-russischen Separatisten kontrollierten Gebieten in den östlichen Regionen Luhansk und Donezk. Das am Asowschen Meer gelegene Mariupol gilt dabei als strategisch entscheidend.

Die britische Außenministerin Liz Truss erklärte am Montagabend auf Twitter, die Regierung in London versuche Berichte über einen Chemiewaffenangriff in Mariupol zu verifizieren. Auch dem US-Verteidigungsministeriums liegen nach Angaben eines Sprechers unbestätigte Informationen über einen Chemiewaffenangriff in der strategisch wichtigen Stadt vor.

Eine Sprecherin des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell sagte in Brüssel, der Einsatz von Chemiewaffen wäre "ein Verstoß gegen die Chemiewaffenkonvention, die Russland unterzeichnet hat, sowie ein Kriegsverbrechen". Das ukrainische Asow-Regiment, das in Mariupol kämpft, hatte erklärt, eine russische Drohne habe eine "giftige Substanz" auf ukrainische Soldaten und Zivilisten abgeworfen.

Die stellvertretende ukrainische Verteidigungsministerin Hanna Maliar bestätigte den Einsatz von Chemiewaffen am Dienstag zunächst nicht. Möglicherweise habe es sich um Phosphormunition gehandelt, sagte sie. Ein Vertreter der pro-russischen Separatisten aus Donezk, Eduard Basurin, wies die Vorwürfe zurück. In Mariupol seien keine chemischen Waffen eingesetzt worden, sagte er.

Auch in anderen Städten im Osten des Landes dauerten die Kämpfe an. Bei einem Angriff in Charkiw, der zweitgrößten Stadt des Landes, wurden nach Angaben des Regionalgouverneurs Oleg Synegubow acht Menschen getötet. Das US-Verteidigungsministerium meldete einen russischen Konvoi, der sich auf die Stadt Isjum nördlich von Kramatorsk zubewegte.

Das ukrainische Verteidigungsministerium rechnet mit einer unmittelbar bevorstehenden russischen Großoffensive in der Ostukraine. "Wir wissen nicht genau wann, aber die Vorbereitungen sind fast abgeschlossen", sagte ein Sprecher.

Nach Einschätzung des ukrainischen Generalstabs werden die russischen Truppen versuchen, neben Mariupol auch die Kleinstadt Popasna im Gebiet Luhansk einzunehmen. Von dort aus solle dann ein Angriff auf Kurachowe gestartet werden, um bis an die Verwaltungsgrenzen des ostukrainischen Gebiets Donezk vorzudringen.

Wie das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) am Dienstag mitteilte, sind mittlerweile mehr als 4,6 Millionen Menschen vor dem Ukraine-Krieg geflohen - 90 Prozent von ihnen sind Frauen und Kinder. Nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks Unicef mussten mittlerweile fast zwei Drittel aller ukrainischen Kinder ihr Zuhause verlassen.Von den ukrainischen Kindern, die noch nicht auf der Flucht sind, sei fast die Hälfte von Hunger bedroht, sagte der Leiter der Nothilfeprogramme von Unicef, Manuel Fontaine, nach der Rückkehr von einem Besuch in der Ukraine.

N.Johns--TNT

Empfohlen

Oberstes US-Gericht: "Christliche Therapie" gegen sexuelle Orientierung erlaubt

In Deutschland sind sogenannte Konversionstherapien zur Änderung der sexuellen Orientierung unter anderem bei Homosexuellen verboten - das Oberste Gericht in den USA hat dagegen am Dienstag in einem Modellfall zugunsten einer evangelikalen Therapeutin entschieden, die durch ein ähnliches Verbot ihr Recht auf Meinungsfreiheit verletzt sah. Das Urteil gilt als Rückschlag für die Rechte sexueller Minderheiten.

Urteil: Bei verlorenem Gepäck auch Anspruch auf Teil der Reisekosten

Bei einer Pauschalreise mit dem Flugzeug verlorenes oder beschädigtes Gepäck ist einem Urteil zufolge ein so großer Mangel des Urlaubs, dass der Veranstalter neben dem Gepäck auch einen Teil der Reisekosten ersetzen muss. In einem am Dienstag vom Landgericht Frankenthal veröffentlichten und bereits rechtskräftigen Urteil bekam eine fünfköpfige Familie ein gutes Drittel des Reisepreises ersetzt. Der Reiseveranstalter musste insgesamt knapp 5000 Euro zahlen. (Az.: 7 O 321/25).

Bundeswehr bekommt autonome Kampfdrohnen aus australischer Produktion

Die Bundeswehr soll bis 2029 mit einem autonomen Kampfdrohnen-System aus australischer Produktion ausgestattet werden. Der Rüstungskonzern Rheinmetall und Boeing Australia schlossen dazu eine strategische Partnerschaft, wie Rheinmetall am Dienstag in Düsseldorf mitteilte. Die "MQ-28 Ghost Bat" genannte Drohne wurde von Boeing Australia zusammen mit der australischen Luftwaffe entwickelt und wird nach einem erfolgreichen Test im vergangenen Jahr derzeit in die australische Armee integriert.

Bundesverfassungsgericht darf Manuskript zu Fachgespräch geheim halten

Ein von dem Portal FragDenStaat unterstützter Kläger ist vor dem Verwaltungsgericht Karlsruhe mit dem Versuch gescheitert, ein Vortragsmanuskript eines Fachgesprächs des Bundesverfassungsgerichts zu bekommen. Nach dem Informationsfreiheitsgesetz bestehe der Anspruch auf Informationszugang nicht, wenn die notwendige Vertraulichkeit internationaler Verhandlungen beeinträchtigt würde, entschieden die Verwaltungsrichter in dem am Dienstag veröffentlichten Urteil. Dies sei bei diesem Fachgespräch der Fall gewesen. Außerdem sei das Manuskript des Vortrags urheberrechtlich geschützt.

Textgröße ändern: