The National Times - Regierung senkt Mehrwertsteuer auf gesamten Gasverbrauch auf sieben Prozent ab

Regierung senkt Mehrwertsteuer auf gesamten Gasverbrauch auf sieben Prozent ab


Regierung senkt Mehrwertsteuer auf gesamten Gasverbrauch auf sieben Prozent ab

Die Bundesregierung will die Mehrwertsteuer auf den gesamten Gasverbrauch absenken: Sie soll zeitlich befristet statt 19 Prozent nur sieben Prozent betragen, wie Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) am Donnerstag in Berlin ankündigte. Dadurch würden die Menschen stärker entlastet, als sie durch die Gasumlage belastet werden. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) und Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) bekundeten ihre Unterstützung für das Vorhaben. Scholz bekräftigte, es werde weitere Entlastungen geben.

Textgröße ändern:

Die Steuersenkung soll so lange gelten, wie die Gasumlage greift - nach jetzigem Stand also von Oktober 2022 bis Ende März 2024. Die Bundesregierung wollte die Gasumlage eigentlich vollständig von der Mehrwertsteuer befreien, das ließ die EU aber nicht zu. "Mit diesem Schritt entlasten wir die Gaskunden insgesamt deutlich stärker als die Mehrbelastung, die durch die Gasumlage entsteht", sagte Scholz nun. Er äußerte die Erwartung, dass die Unternehmen die Steuersenkung "eins zu eins an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergeben".

Habeck erklärte: "Wir wollen nicht, dass die Menschen noch zusätzlich durch die Mehrwertsteuer auf die Gas-Umlagen belastet werden." Die nun beschlossene Steuersenkung sei schnell umsetzbar und "kompensiert auch andere Kosten, die über höhere Umlagen anfallen", fügte Habeck hinzu. Finanzminister Lindner sprach in der "Rheinischen Post" (Freitagsausgabe) von einem "befristeten Rabatt für die Zeit der Krise". Dieser stelle sicher, dass der Staat nicht Profiteur der hohen Gaspreise werde. "Solche Inflationsgewinne wären unfair."

Nach Ansicht des Wirtschaftsforscher Sebastian Dullien dürfte die Senkung die Inflation über den Winter "spürbar" senken. "Wenn diese Senkung zum 1. Oktober in Kraft treten würde, rechnen wir damit, dass dadurch die Verbraucherpreisinflation in den letzten drei Monaten dieses Jahres etwa 0,7 Prozentpunkte niedriger ausfällt", erklärte der wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung. Für die einzelnen Haushalte gleiche die Absenkung etwa zwei Drittel der zusätzlichen Belastungen durch die Gasumlage aus.

Scholz bekräftigte, dass die Regierung weitere Entlastungen plane. "In den nächsten Wochen werden wir ein drittes Entlastungspaket schnüren, um den großen Druck, der auf vielen Bürgerinnen und Bürgern, aber auch Unternehmen lastet, abzumildern", sagte er. Die Details müssten aber noch in der Koalition besprochen werden - wo es dazu unterschiedliche Ansichten gibt. Auch Habeck betonte, es werde weitere Entlastungen geben, auch für Unternehmen. Lindner bekräftigte, wegen der hohen Belastungen "diskutieren wir auch einen Inflationsausgleich bei Lohn- und Einkommensteuer".

CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt sagte der Nachrichtenagentur AFP: "Es war höchste Zeit, dass der Bundeskanzler endlich Initiative ergreift und das konfuse Hütchenspiel von Habeck und Lindner beendet." Entlastungen bei den steigenden Energiekosten seien notwendig, damit diese für viele Familien nicht zur Armutsfalle würden.

Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, die Reduzierung der Mehrwertsteuer auf Gas sei richtig, aber letztlich "nicht mehr als ein Trostpflaster für die Gasumlage". Die Bürger seien einer Verdreifachung der Gaspreise ausgeliefert. "Deshalb sei "ein Gaspreisdeckel mit einem kostengünstigen Grundkontingent" erforderlich.

Der Energieexperte des RWI-Leibniz-Institutes, Manuel Frondel, bewertete das Regierungsvorhaben kritisch: "Die Mehrwertsteuer sollte in voller Höher erhoben werden, um die ökologische Lenkungswirkung der Gasumlage zu maximieren und uns unabhängiger von russischem Gas zu machen", sagte er der "Rheinischen Post". "Soziale Härten sollten durch die Steuermehreinnahmen abgefedert werden, indem damit einkommensschwache Haushalte gezielt unterstützt werden."

L.Johnson--TNT

Empfohlen

Syriens Übergangspräsident bekräftigt vor der UNO Anspruch auf den Golan

Syriens Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa hat vor der UNO in New York den Anspruch seines Landes auf die größtenteils von Israel besetzten Golanhöhen bekräftigt. "Jeder Versuch, der unsere Souveränität und das Völkerrecht verletzt, wird gestoppt", sagte al-Scharaa am Mittwoch bei der UN-Generaldebatte in New York. "Der Golan bleibt syrisches Territorium."

Erstmals wieder hochrangiges Treffen von Vertretern Polens und Belarus' bei UN-Vollversammlung

Nach zehn Jahren diplomatischer Eiszeit hat es während der UN-Vollversammlung in New York erstmals wieder eine hochrangige Begegnung von Vertretern Polens und Belarus' gegeben. Der polnische Außenminister Radoslaw Sikorski sagte dem polnischen Sender TVP am Mittwoch, das Treffen mit seinem Kollegen Maxim Ryschenkow habe auf dem "neutralen Territorium" der Vereinten Nationen stattgefunden. Er deutete eine mögliche Verbesserung in den Beziehungen der Nachbarländer an.

Linnemann will an privater Krankenversicherung festhalten

Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) will am dualen Krankenkassen-System in Deutschland festhalten. Dieses sorge "für Innovationsoffenheit und für Qualitätssicherung", sagte Linnemann am Mittwoch im Bundestag. Der Vorschlag, die private Krankenversicherung abzuschaffen, sei hingegen "verfassungsrechtlich nicht nur schwierig, sondern meines Erachtens auch abzulehnen". Linnemann fügte hinzu: "Ich glaube, dass die Strukturprobleme, die wir im Moment in der gesetzlichen Krankenkasse haben, mit dem Vorschlag nicht gelöst werden."

Krisendiplomatie zur Ukraine in New York - Rede Selenskyjs bei UN-Generaldebatte

Am Rande der UN-Generaldebatte in New York wird am Mittwoch die Krisendiplomatie zur Ukraine fortgesetzt. Unter anderem stand ein Treffen zwischen dem US-Außenminister Marco Rubio und dessen russischem Kollegen Sergej Lawrow an, bei dem über Auswege aus der Gewaltspirale beraten werden sollte. Bei der UN-Generaldebatte war die Rede des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj auf dem Programm. Aus der Ukraine wurden neue Angriffe auf Energieinfrastruktur mit mindestens zwei Toten gemeldet.

Textgröße ändern: