The National Times - Telefonische Krankschreibung: Gesundheitsministerin Warken kündigt Überprüfung an

Telefonische Krankschreibung: Gesundheitsministerin Warken kündigt Überprüfung an


Telefonische Krankschreibung: Gesundheitsministerin Warken kündigt Überprüfung an
Telefonische Krankschreibung: Gesundheitsministerin Warken kündigt Überprüfung an / Foto: © AFP/Archiv

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat eine Überprüfung der telefonischen Krankschreibung angekündigt. Die Regierungsparteien hätten sich im Koalitionsvertrag darauf verständigt, Missbrauch auszuschließen, sagte sie am Montagabend dem "Tagesspiegel". "Genau das werden wir angehen und die aktuellen Regelungen auf den Prüfstand stellen", betonte die CDU-Politikerin. "Wir brauchen praktikable Lösungen." Scharfe Kritik an der Debatte kommt vom DGB und der Linken.

Textgröße ändern:

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte am Samstag bei einer Wahlkampfveranstaltung in Baden-Württemberg den aus seiner Sicht zu hohen Krankenstand der Deutschen kritisiert. Im Schnitt kämen die Beschäftigten in Deutschland auf drei Wochen Krankschreibung.

Als Ursache hierfür sieht Merz auch die Möglichkeit, sich telefonisch krankschreiben zu lassen. Diese war 2021 während der Corona-Pandemie geschaffen worden, der frühere Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) etablierte sie dauerhaft.

"Im internationalen Vergleich ist der Krankenstand in Deutschland hoch", sagte Warken dem "Tagesspiegel". Darauf hinzuweisen sei in keiner Weise gegen diejenigen gerichtet, die aufgrund von Krankheit arbeitsunfähig seien. "Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die niedrigschwellige Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung missbräuchlich ausgenutzt werden kann."

Die Krankenkassen DAK vermeldete am Dienstag für 2025 einen Krankenstand, der sich im Vergleich zum Vorjahr "auf einem hohen Niveau" eingependelt habe. Demnach waren bei der DAK versicherte Beschäftigte im Schnitt 19,5 Tage krankgeschrieben - 2024 waren es mit 19,7 nur geringfügig mehr.

DAK-Vorstandschef Andreas Storm begrüßte vor diesem Hintergrund die von Merz angestoßene Debatte um die telefonische Krankschreibung. Storm forderte einen Krankenstands-Gipfel im Kanzleramt. Ziel müsse es sein, "Arbeitgeber, Gewerkschaften, Ärzteschaft und Krankenkassen an einen Tisch" zu bringen, um Ursachen und Lösungen zu diskutieren.

Scharfe Kritik kommt indes vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Es sei "hoch unanständig, in welchem Ausmaß krank gemeldete Beschäftigte unter Generalverdacht gestellt werden, als wären sie Drückeberger und Faulenzer", sagte DGB-Chefin Yasmin Fahimi. Der Verdacht, dass die Möglichkeit der einfachen telefonischen Krankschreibung zu missbräuchlichen Krankmeldungen führe, sei "auch ein großes Misstrauen gegen die Ärztinnen und Ärzte in unserem Land".

Dass die Krankenkassen eine steigende Zahl von Krankmeldungen registrieren, führte Fahimi auf einen rein statistischen Effekt zurück. Mit Einführung der elektronischen Krankschreibung werde jeder einzelne Krankheitstag statistisch erfasst. Dies bedeute aber nicht, dass mehr Menschen krank machten.

Die Linken-Gesundheitspolitikerin Julia-Christina Stange kritisierte die Debatte ebenfalls. Es würden "Einzelfälle wider besseres Wissen zum Generalverdacht aufgebauscht". Die Linken-Abgeordnete forderte die Bundesregierung auf, "statt die Phantomdebatten der Arbeitgeberverbände weiter zu befeuern", die realen Probleme im Gesundheitswesen angehen.

Stange warnte zudem davor, erkrankte Beschäftigte wieder in den Praxen vorsprechen zu lassen: Dies "verschärft bestehende Missstände und belastet die Hausarztpraxen".

W.Phillips--TNT

Empfohlen

"Fragwürdig" und "unseriös": Deutsche Außenpolitiker lehnen Trumps "Friedensrat" ab

Die Pläne von US-Präsident Donald Trump zur Gründung eines ganz auf ihn zugeschnittenen "Friedensrats" stoßen auf große Skepsis bei außenpolitischen Fachleuten im Bundestag. Der Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion für Außenpolitik, Adis Ahmetovic, riet Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Dienstag dazu, die Einladung der USA zur Mitarbeit auszuschlagen. Ähnlich äußerten sich Grüne und Linke, auch die Union zeigte sich skeptisch. Die AfD hingegen riet zur Teilnahme.

Macron: Kein G7-Treffen am Donnerstag in Paris geplant

Frankreichs Präsident Emmanuel hat seinen Plan für ein G7-Treffen mit Russland am Donnerstag in Paris aufgegeben. "Es ist kein Treffen geplant", sagte Macron der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag in Davos. US-Präsident Donald Trump hatte zuvor eine persönliche Nachricht von Macron veröffentlicht, in der Macron ihm ein solches Treffen samt einem gemeinsamen Abendessen in Paris vorgeschlagen hatte. Im Umfeld Macrons war die Echtheit der Nachricht bestätigt worden.

SPD-Außenexperte rät Merz zu Absage an Trumps "Friedensrat"

In der SPD-Fraktion gibt es Widerstand gegen eine deutsche Beteiligung an dem "Friedensrat", den US-Präsident Donald Trump in Konkurrenz zu den Vereinten Nationen ins Leben rufen will. "Wir wären gut beraten, uns nicht daran zu beteiligen", sagte der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Adis Ahmetovic, am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. Er bezeichnete das von Präsident Trump vorgeschlagene Projekt als "höchst fragwürdiges Unterfangen".

Von Trump geplanter "Friedensrat" stößt international auf starke Vorbehalte

Der von Donald Trump geplante "Friedensrat" stößt international auf starke Vorbehalte - sehr zum Ärger des US-Präsidenten. Frankreich lehnte eine Mitgliedschaft in dem Gremium vorerst ab, daraufhin drohte Trump Paris mit hohen Zöllen auf Wein und Champagner. Derweil erhielten am Dienstag weitere Staaten Einladungen zu der als Konkurrenz zu den Vereinten Nationen gedachten US-Initiative, darunter die Ukraine und China. Die britische Regierung äußerte sich wegen einer Einladung an Russlands Staatschef Wladimir Putin "besorgt".

Textgröße ändern: