The National Times - Versorgung nach Anschlag wieder hergestellt: Alle Haushalte in Berlin haben Strom

Versorgung nach Anschlag wieder hergestellt: Alle Haushalte in Berlin haben Strom


Versorgung nach Anschlag wieder hergestellt: Alle Haushalte in Berlin haben Strom
Versorgung nach Anschlag wieder hergestellt: Alle Haushalte in Berlin haben Strom / Foto: © AFP/Archiv

Vier Tage nach dem mutmaßlichen linksextremistischen Anschlag auf das Stromnetz im Südwesten von Berlin ist die Energieversorgung wieder hergestellt. Nach provisorischen Reparaturarbeiten an den zerstörten Hochspannungsleitungen nahe einem Heizkraftwerk schaltete der Netzbetreiber am Mittwoch schrittweise die letzten rund 20.000 betroffenen Haushalte und 850 Gewerbebetriebe wieder zu. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) sprach von einem "guten Tag" für die Hauptstadt und kündigte Initiativen zum besseren Schutz kritischer Infrastrukturen an.

Textgröße ändern:

Nach Angaben von Wirtschafts- und Energiesenatorin Franziska Giffey (SPD) gingen die Arbeiten an einer von zwei Baustellen schneller voran als gedacht. Zunächst waren die Behörden noch davon ausgegangen, die Stromversorgung erst am Donnerstag herstellen zu können. Am Mittwoch um 14.10 Uhr sei wieder "Vollversorgung" gemeldet worden, sagte Giffey bei einer gemeinsamen Pressekonferenz der beteiligten Behörden.

Die Situation sei aber "noch nicht vorbei", betonte die Senatorin. Erst wenn die Reparaturarbeiten an der zweiten Baustelle beendet seien, sei die Stromversorgung wieder dauerhaft abgesichert. Zudem müsse noch die teils unterbrochene Wärmeversorgung in den betroffenen Häusern wieder hochgefahren werden. Bei winterlichen Temperaturen fielen durch den Stromausfall Heizungen aus, auch die Fernwärmeversorgung war betroffen.

Notanlaufstellen und Essenausgabepunkte sollten daher zunächst geöffnet bleiben, auch Notstromaggregate an Pflegeheimen und anderen kritischen Orten blieben zunächst zur Sicherheit in Reserve. Die Schulen in dem betroffenen Gebiet blieben die Woche über noch geschlossen, teilte die Senatsverwaltung für Bildung mit. Heizungen müssten erst wieder laufen, zudem seien technische Prüfungen etwa an den Brandmeldeanlagen nötig.

Grund für den großflächigen Stromausfall war ein Brandanschlag auf eine Kabelbrücke, der mutmaßlich auf das Konto von Linksextremisten geht. Landes- und das Bundeskriminalamt sowie der Verfassungsschutz stuften ein Bekennerschreiben einer linksextremistischen Organisation namens Vulkangruppe als glaubwürdig ein. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe ermittelt unter anderem wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung sowie verfassungsfeindlicher Sabotage.

Keine Erkenntnisse liegen den deutschen Sicherheitsbehörden nach Angaben des Bundesinnenministeriums über eine mögliche russische Drahtzieherschaft vor. Darüber wurde seit Tagen unter anderem aufgrund von sprachlichen Besonderheiten in dem Bekennerschreiben spekuliert.

"Erkenntnisse über eine mögliche russische Übersetzung liegen uns nicht vor", sagte eine Ministeriumssprecherin am Mittwoch. "Erkenntnisse über eine sogenannte False-Flag-Aktion liegen uns ebenfalls nicht vor." Unter False-Flag-Aktionen werden Taten verstanden, bei denen die Täter unter falscher Identität handeln, um bewusst falsche Fährten zu legen. Das Bundesinnenministerium halte das Schreiben für authentisch und ordne die Täter "dem linksextremistischen Spektrum" zu, betonte sie.

Auch Wegner und Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) sprachen am Mittwoch erneut von einem linksextremistischen Anschlag und zusätzlich von Terrorismus. Das sei "kein kleiner Brandanschlag" gewesen, sagte Wegner während der Pressekonferenz des Senats. Es handle sich um einen "terroristischen Anschlag einer linksextremen Organisation mit massiven Folgen für die Versorgung" von nahezu hunderttausend Bürgern in Berlin.

Spranger sprach von einem "linksterroristischen Anschlag". Auch ein zwischenzeitlich veröffentlichtes zweites Schreiben der mutmaßlichen Täter spreche nach Einschätzung der Berliner Sicherheitsbehörden "nicht gegen einen linksterroristischen Täterkreis". Die Ermittlungen führe inzwischen allerdings die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe, fügte sie an.

Der Senat kündigte am Mittwoch außerdem bessere Schutzmaßnahmen für sensible Anlagen etwa im Bereich der Stromnetze an. Besonders wichtige Einrichtungen sollten schnell zu "100 Prozent" durch Videoüberwachung gesichert werden, sagte Wegner. Er werde sich mit den Regierungschefs der anderen 15 Bundesländer und der Bundesregierung "eng" über das Thema austauschen. Besserer Schutz sei nicht nur für Berlin relevant.

Die Reparaturarbeiten an den unterbrochenen Starkstromleitungen sind nach Senatsangaben hochkomplex und dauern deshalb lange. Laut Giffey müssen sie von Spezialfirmen unter hochreinen Bedingungen ausgeführt werden, unter anderem wurden dafür auch besondere Kabelverbindungen aus Österreich beschafft. Weitere Probleme bereitete die winterliche Kälte, weil sich bestimmte Kabelarten nur bei Plusgraden miteinander verbinden lassen. Daher werden an den Baustellen teilweise Heizgeräte eingesetzt.

J.Sharp--TNT

Empfohlen

Xi und Putin heben bei Treffen in Peking enge Beziehungen ihrer Länder hervor

Kreml-Chef Wladimir Putin und der chinesische Staatschef Xi Jinping haben zum Auftakt ihres Treffens in Peking die enge Zusammenarbeit zwischen ihren Ländern hervorgehoben. Trotz "ungünstiger äußerer Umstände" zeichnete sich die wirtschaftlichen Beziehungen beider Länder durch "eine starke, positive Dynamik" aus, sagte Putin am Mittwoch zu Xi in der Großen Halle des Volkes, wie Aufnahmen russischer Medien zeigten. "Unsere Beziehungen haben heute ein beispiellos hohes Niveau erreicht."

Trump sagt Teilnahme an G7-Gipfel in Frankreich zu

US-Präsident Donald Trump reist im Juni zum G7-Gipfel nach Frankreich. Trump werde an dem vom 15. bis 17. Juni geplanten Treffen teilnehmen, sagte ein Mitarbeiter des Weiße Hauses am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. Trumps Teilnahme war zuvor nicht offiziell bestätigt worden.

Bundesfinanzhof urteilt über Grundsteuer in Baden-Württemberg

Am Bundesfinanzhof (BFH) in München fällt am Mittwoch (09.00 Uhr) die erste Entscheidung über eine Grundsteuer in einem Bundesland. Es geht um das baden-württembergische Modell. Geklagt hatten Grundstückseigentümer, die seit der Reform mehr zahlen müssen als vorher. Sie werden unter anderem vom Bund der Steuerzahler unterstützt. (Az. II R 26/24 und II R 27/24)

Kabinett befasst sich mit Plänen zum Ausbau des Zivilschutzes

Die Bundesregierung will den Zivilschutz in Deutschland massiv ausbauen. Das Bundeskabinett berät dazu am Mittwoch (10.00 Uhr) über Eckpunkte für einen "Pakt für den Bevölkerungsschutz" von Innenminister Alexander Dobrindt (CSU). Bis 2029 sollen damit zehn Milliarden Euro investiert werden, etwa in Ausrüstung und Personal des Technischen Hilfswerks (THW). Geplant ist unter anderem ein Bauprogramm, um die THW-Gebäude krisensicher zu machen. Zudem sollen 1000 Spezialfahrzeuge beschafft werden.

Textgröße ändern: