The National Times - Bundesregierung: Treffen zu Afghanistan-Abschiebungen keine Anerkennung der Taliban

Bundesregierung: Treffen zu Afghanistan-Abschiebungen keine Anerkennung der Taliban


Bundesregierung: Treffen zu Afghanistan-Abschiebungen keine Anerkennung der Taliban
Bundesregierung: Treffen zu Afghanistan-Abschiebungen keine Anerkennung der Taliban / Foto: © AFP

Die laufenden Gespräche zwischen deutschen und afghanischen Vertretern über Abschiebungen nach Afghanistan bedeuten für die Bundesregierung keine Anerkennung der Taliban-Regierung in Kabul. Es handele sich lediglich um "technische Kontakte", betonte Vize-Regierungssprecher Steffen Meyer am Montag in Berlin. Diese seien "in keinster Weise" damit gleichzusetzen, "die De-facto-Regierung in Afghanistan als politisch rechtmäßige Regierung anzuerkennen". Meyer betonte: "Das tun wir nicht." Kritik von SPD und Grünen gab es dennoch.

Textgröße ändern:

Laut einem Sprecher des Innenministeriums hatte es Anfang September ein Treffen von Ministeriumsbeamten mit afghanischen Vertretern in der katarischen Hauptstadt Doha gegeben. "Wir bereiten weitere Gespräche auf Ebene technischer Kontakte vor", sagte der Sprecher weiter. Die Treffen dienten dem Ziel, afghanische Staatsangehörige aus Deutschland "regulär und regelmäßig" in ihre Heimat abzuschieben. Es gebe derzeit rund 11.000 ausreisepflichtige Afghaninnen und Afghanen.

Die SPD und die Grünen kritisierten die Pläne der Bundesregierung, mehr Abschiebungen nach Afghanistan zu ermöglichen. SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf sagte bei RTL und ntv, der Plan der Bundesregierung zeige den Widerspruch, mehr Abschiebungen von Straftätern zu ermöglichen, ohne mit Taliban direkt zu verhandeln.

Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) mache "sich im Namen der Bundesregierung zum Handlanger und Kompagnon der Taliban", sagte der innenpolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Marcel Emmerich, dem "Tagesspiegel" vom Montag. Die Öffentlichkeit habe ein Recht, zu erfahren, "was die Terroristen dafür erhalten". Dobrindt mache sich von einer islamistischen Organisation abhängig und sorge für weniger Sicherheit im Land.

Die Flüchtlingsorganisation Pro Asyl nannte die Gespräche mit Afghanistan einen "Skandal". Dobrindt untergrabe "mit seiner Abschiebungsobsession die internationale Ächtung der Taliban, die aufgrund ihrer Menschenrechtsverbrechen und der Entrechtung von Frauen geboten ist". Die Lage in Afghanistan sei "insgesamt katastrophal".

Die Bundesregierung erkennt die radikalislamischen Taliban, die im August 2021 die Macht in Afghanistan übernommen haben, nicht als legitime Regierung an. Die deutsche Botschaft in Kabul ist seitdem geschlossen. Die bis dahin umfangreiche deutsche Hilfe zur Entwicklung und Stabilisierung Afghanistans wurde ausgesetzt. Mit dem gemeinsamen Beschluss der Nato-Partner, den Militäreinsatz in Afghanistan zu beenden, hatte auch die Bundeswehr im Sommer 2021 ihre Soldatinnen und Soldaten aus dem Land abgezogen.

In den Kontakten der Bundesregierung und mit Vertretern der De-facto-Regierungsbehörden in Afghanistan geht es nach Angaben des Auswärtigen Amts vor allem um Themen wie Zugang für humanitäre Hilfe, Schutz der Menschenrechte, insbesondere von Frauen und Mädchen, sowie um Terrorbekämpfung.

A.M.Owen--TNT

Empfohlen

Bericht: Asylerstanträge bis 25. September auf tiefstem Stand seit 2012

Bis zum 25. September ist die Zahl der Asylerstanträge in Deutschland einem Medienbericht zufolge auf den niedrigsten Stand seit 2012 gefallen. Bis zu diesem Stichtag seien 3345 Erstanträge registriert worden, berichtete die "Bild am Sonntag" unter Berufung auf das Bundesinnenministerium.

Wadephul warnt in Rede bei Vereinten Nationen vor Risiken durch KI

In einer Rede vor der UN-Vollversammlung hat Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) vor den Risiken durch die rasante Entwicklung der Künstlichen Intelligenz (KI) gewarnt. Es handle sich um eine Technologie, die die Wirtschaft von Staaten zu Fall bringen und Lebensgrundlagen bedrohen könne, wenn sie in falsche Hände gerate, sagte Wadephul am Samstag in seiner Ansprache bei der UN-Generaldebatte in New York.

Berlin: SPD-Landesvorstand stimmt für Sondierungsgespräche mit der Linken

Knapp eine Woche nach der Abgeordnetenhauswahl in Berlin hat der SPD-Landesvorstand für Sondierungsgespräche mit der Linken gestimmt. Der Vorstand beschloss am Samstag einstimmig, die Einladung der Linkspartei zu Sondierungen anzunehmen, wie ein Sprecher mitteilte. Die Linke hatte die Wahl am vergangenen Sonntag deutlich vor der bislang gemeinsam mit der SPD regierenden CDU gewonnen.

Lawrow: Russland wird Ziele in der Ukraine "egal wie" erreichen

Russland ist nach den Worten des russischen Außenministers Sergej Lawrow entschlossen, seine militärischen Ziele in der Ukraine "egal wie" zu erreichen. "Die Ziele der speziellen Militäroperation werden erreicht, die Bedrohung der russischen Sicherheit wird beseitigt und das friedliche Leben wird zurückkehren", sagte Lawrow am Samstag vor der UN-Vollversammlung in New York. Dies werde "egal unter welchen Umständen passieren".

Textgröße ändern: