The National Times - Volkswirte fordern in Ifo-Umfrage Erhöhung der Leitzinsen wegen hoher Inflation

Volkswirte fordern in Ifo-Umfrage Erhöhung der Leitzinsen wegen hoher Inflation


Volkswirte fordern in Ifo-Umfrage Erhöhung der Leitzinsen wegen hoher Inflation
Volkswirte fordern in Ifo-Umfrage Erhöhung der Leitzinsen wegen hoher Inflation

Angesichts der hohen Inflationsrate fordert in einer aktuellen Ifo-Umfrage unter Wirtschaftsexperten eine Mehrheit der Befragten die Anhebung der Leitzinsen durch die Europäische Zentralbank (EZB). "Mit Russlands Krieg gegen die Ukraine ist ein weiterer Treiber der ohnehin schon hohen Inflation hinzugekommen", erklärte Ifo-Forscher Niklas Potrafke am Dienstag. Die EZB solle nun "endlich die Zinsen erhöhen und damit helfen, die Inflation einzudämmen", forderte er.

Textgröße ändern:

Im Durchschnitt rechnen die insgesamt 145 befragten Ökonominnen und Ökonomen im laufenden Jahr mit einer Inflationsrate von 4,4 Prozent. Auch im kommenden Jahr wird die Inflation nach der Einschätzung der Experten mit 3,4 Prozent noch deutlich über dem EZB-Ziel von zwei Prozent liegen. Für 2026 rechnen die Experten mit einer Teuerungsrate von 2,8 Prozent.

Grund für die hohen Inflationserwartung sind demnach insbesondere die steigenden Energie- und Rohstoffpreise. Auch Lieferengpässe und die lockere Geldpolitik der EZB wurden als Gründe genannt. Zudem wirke sich der Krieg in der Ukraine negativ auf die Inflationsentwicklung aus.

Knapp 75 Prozent der Umfrageteilnehmer forderten deshalb sofortige Maßnahmen der EZB zur Inflationsbekämpfung. Eine Zinserhöhung hielten 69 Prozent der Expertinnen und Experten für die geeignetste Maßnahme. Im Schnitt forderten sie zum Jahresende 2022 einen Leitzins von einem Prozent. 40 Prozent forderten zudem ein Ende von längerfristigen Refinanzierungsgeschäften - dabei handelt es sich um günstige Kredite an Banken, um die Kreditkosten niedrig zu halten und somit die Kreditvergabe anzukurbeln.

Auch der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) forderte eine Erhöhung der Leitzisen noch in diesem Jahr. "Obwohl der Ukraine-Krieg zu großen Unsicherheiten führt, darf die Zinswende nicht weit in die Zukunft verschoben werden", erklärte BVR-Vorstand Andreas Martin. Die EZB solle deshalb die nötigen Vorbereitungen für eine Zinserhöhung noch in diesem Jahr treffen, die Anleihekäufe sollten "spätestens im Herbst diesen Jahres auslaufen". Auch der BVR rechnet 2022 mit einer Inflationsrate von "deutlich über vier Prozent".

Die EZB berät am Donnerstag über ihre künftige Geldpolitik. Bislang wurde erwartet, dass der EZB-Rat einen Hinweis auf eine mögliche Normalisierung der Geldpolitik in diesem Jahr geben könnte. Laut Analysten der ING könnte die ungewisse Situation in der Ukraine nun aber dazu führen, dass die EZB so flexibel wie möglich bleiben will und vorerst keinen festen Zeitpunkt für mögliche Zinserhöhungen bekannt geben wird.

F.Lim--TNT

Empfohlen

Protesttag: Verbände warnen vor Einschnitten für Menschen mit Behinderung

Anlässlich des Europäischen Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen haben Verbände eindringlich vor Kürzungen und Einschnitten für die Betroffenen gewarnt. Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Berufsbildungswerke forderte von der Bundesregierung am Dienstag ein "klares Bekenntnis zur Sicherung der Leistungen zur Rehabilitation und Teilhabe". Die aktuelle Diskussion um Kürzungen gebe "Anlass zu großer Sorge". Der Verband forderte, die Finanzierung der beruflichen Rehabilitation langfristig zu sichern und weiterzuentwickeln.

SPD-Parlamentsgeschäftsführer Wiese: Müssen jetzt die Ärmel hochkrempeln

Ein Jahr nach dem Start der schwarz-roten Regierungskoalition hat sich SPD-Parlamentsgeschäftsführer Dirk Wiese unzufrieden mit dem bisher Erreichten gezeigt und weitere Anstrengungen angemahnt. "Wir sind auch nicht zufrieden, wie es momentan läuft", sagte er am Dienstag im ARD-"Morgenmagazin". "Und ehrlicherweise, wir müssen jetzt die Ärmel hochkrempeln." Zuletzt habe es "zu viel geruckelt" und es habe "viel zu viele Kommentare von der Seitenlinie" vom jeweiligen Koalitionspartner gegeben.

Weimer will Digitalabgabe in nächsten Wochen auf Weg bringen

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer will zur Stärkung des klassischen Journalismus noch vor der Sommerpause die Pläne für eine Digitalabgabe für Internetkonzerne auf den Weg bringen. "Der Bundesrat hat mit einer Zweidrittelmehrheit beschlossen, dass diese Abgabe kommen soll, um gezielt guten Journalismus zu unterstützten", sagte Weimer der "Augsburger Allgemeinen" (Dienstagsausgabe). Er zeigte sich zuversichtlich, dass es auch im Bundestag eine Mehrheit dafür gebe.

Bundeskanzler Merz empfängt portugiesischen Regierungschef

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) empfängt am Dienstag den portugiesischen Ministerpräsidenten Luís Montenegro in Berlin. Themen des Treffens im Bundeskanzleramt am frühen Abend werden laut Bundesregierung voraussichtlich die bilaterale Zusammenarbeit sowie aktuelle europapolitische Fragen und internationale Sicherheitspolitik sein. Vor ihrem Vier-Augen-Gespräch wollen Merz und Montenegro vor die Presse treten (18.20 Uhr). Nach der Begegnung der beiden Regierungschefs soll es ein Delegationsgespräch geben.

Textgröße ändern: