Irak will mehr Öl nach Europa exportieren - Pipeline nach Deutschland denkbar
Der Irak will seine Ölproduktionskapazitäten deutlich ausbauen und einen bedeutenden Teil des Öls nach Europa exportieren. Ziel sei, neun bis zehn Millionen Barrel Öl täglich zu produzieren und die Kapazitäten zu "verdoppeln", sagte der irakische Regierungschef Ali al-Saidi am Dienstag nach einem Treffen mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in Berlin. "Fast die Hälfte" davon könne nach Europa und in die USA fließen. Denkbar sei auch eine Pipeline zwischen dem Irak und Deutschland.
Der Irak sei beim Öl-Export auf dem Seeweg von einer einzigen Meerenge abhängig, sagte al-Saidi bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Merz mit Blick auf die Straße von Hormus. "Wir wollen unsere Exportrouten diversifizieren." Über eine Pipeline könnten bereits eine Million Barrel nach Ceyhan in der Türkei transportiert werden. Gearbeitet werde auch an einem Export derselben Kapazität in Richtung Syrien. Wegen der weitgehenden Blockade der Straße von Hormus durch den Iran hatte der Irak die Öllieferungen über die Pipeline in die Türkei und per Lkw nach Syrien aufgenommen.
In einer weiteren Phase solle mehr Öl in die europäischen Märkte fließen, sagte al-Saidi, ohne einen Zeitrahmen zu nennen. Unter anderem wolle der Irak Öl über das Mittelmeer Reichung Frankreich exportieren. Darüber habe er am Montag mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron und nun mit Merz gesprochen. Hauptabnehmer irakischen Öls sind bislang Indien und China.
Vor Beginn des Iran-Krieges Ende Februar hatte der Irak täglich etwa vier Millionen Barrel Rohöl produziert. Der Export lief hauptsächlich über die Straße von Hormus.
Die Meerenge steht im Mittelpunkt des Konflikts zwischen den USA und dem Iran. Sie ist enorm wichtig für den weltweiten Handel mit Öl und Gas. Seit dem Beginn des Iran-Krieges Ende Februar durch US-israelische Angriffe auf die Islamische Republik hat Teheran die Meerenge weitgehend blockiert. Im Gegenzug verhängten die USA eine Seeblockade iranischer Häfen.
In dem Zusammenhang gewann die mittlerweile von der pro-iranischen Huthi-Miliz kontrollierte Meerenge Bab al-Mandab an Bedeutung. Sie verbindet das Rote Meer mit dem Indischen Ozean.
Bundeskanzler Merz sagte, Berlin blicke "mit Sorge" auf die Entwicklung im Roten Meer. Die internationale Gemeinschaft könne nicht zulassen, dass die Huthis die Schifffahrt im Roten Meer "zur Geisel nehmen" und Energieanlagen in Saudi-Arabien angriffen. Das verschärfe die Lage an den Energiemärkten weiter, "und das trifft auch Deutschland". Der Iran wiederum müsse die Blockade der Straße von Hormus beenden.
Merz lobte das Engagement deutscher Firmen im Irak, etwa in der Energieversorgung und der Abfallwirtschaft. Das Land habe sich "trotz aller bestehenden Herausforderungen beeindruckend stabilisiert", sagte er.
L.Johnson--TNT