The National Times - Jahrestag des Ukraine-Kriegs: Orban verhindert neue EU-Sanktionen gegen Moskau

Jahrestag des Ukraine-Kriegs: Orban verhindert neue EU-Sanktionen gegen Moskau


Jahrestag des Ukraine-Kriegs: Orban verhindert neue EU-Sanktionen gegen Moskau
Jahrestag des Ukraine-Kriegs: Orban verhindert neue EU-Sanktionen gegen Moskau / Foto: © AFP

Die EU kann zum vierten Jahrestag des Ukraine-Kriegs wegen der Weigerung Ungarns keine neuen Sanktionen gegen Russland verkünden. "Leider haben wir keine Einigung zum 20. Sanktionspaket erzielt", sagte die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas nach einem Treffen der EU-Außenminister am Montag in Brüssel. Die abermalige ungarische Blockade sorgte bei den anderen EU-Ländern für Unmut. Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) zeigte sich "erstaunt" über die ungarische Position.

Textgröße ändern:

"Das ist ein Rückschlag und eine Botschaft, die wir heute nicht senden wollten", räumte Kallas ein. Die Arbeit gehe weiter, betonte sie. Bereits vor dem Treffen hatte sie sich angesichts "deutlicher Äußerungen aus Ungarn" wenig zuversichtlich gezeigt, dass es Fortschritte geben werde.

Wadephul kündigte an, Berlin werde mit seinen Argumenten "noch einmal" an Budapest "herantreten". Er sei sicher, "dass wir am Ende des Tages erfolgreich sein werden". Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) forderte in Berlin auch mit Blick auf das Sanktionspaket: "Wir müssen Moskaus Kriegsfinanzierung austrocknen." Er appellierte an die Europäer, in der gemeinsamen Unterstützung für die Ukraine nicht nachzulassen.

Der polnische Außenminister Radoslaw Sikorski sagte, die ungarische Regierung "erpresst einmal mehr die Ukraine". Sein litauischer Kollege Kestutis Budrys bezeichnete Budapests Verhalten als "schädlich und gefährlich".

Der französische Präsident Emmanuel Macron rief die EU auf, den "Druck" auf Russland weiter zu erhöhen. Er rief dazu auf, beim Sanktionspaket gegen Moskau voranzukommen. Weitere Gespräche in den nächsten Tagen würden folgen.

Die EU-Kommission hatte Anfang Februar ein 20. Sanktionspaket gegen Russland vorgeschlagen, das unter anderem ein "umfassendes Verbot maritimer Dienstleistungen" für Tanker mit russischem Rohöl an Bord vorsieht. Diese Dienstleistungen umfassen Leistungen wie Versicherungen, Finanzierung, Zertifizierungen und Hafendienste, aber auch die Bereitstellung von Schiffen für den Transport russischen Öls. Ziel war es, das Paket rechtzeitig zum vierten Jahrestag des russischen Kriegsbeginns in der Ukraine am Dienstag zu verabschieden. Russland hatte seinen großangelegten Angriff auf das Nachbarland am 24. Februar 2022 gestartet.

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban kündigte jedoch am Sonntag sein Veto gegen die neuen Sanktionen an, sollte die Ukraine nicht die Wiederaufnahme russischer Öllieferungen an sein Land über die durch die Ukraine verlaufende Druschba-Pipeline ermöglichen. Nach Angaben aus Kiew wurde die Pipeline am 27. Januar durch russische Angriffe beschädigt.

Auch die Zustimmung des Rats der 27 EU-Länder zu einem EU-Darlehen für die Ukraine in Höhe von 90 Milliarden Euro droht Budapest zu blockieren. Das EU-Parlament hatte vor knapp zwei Wochen grünes Licht für den Kredit gegeben. Die Zustimmung der Mitgliedstaaten galt nach der politischen Einigung im Dezember als reine Formsache.

Kallas nannte es "wirklich bedauerlich", dass Ungarn von der im Dezember getroffenen Entscheidung für den Kredit nun "Abstand nimmt". Eine Sprecherin der EU-Kommission sagte, Brüssel erwarte, dass alle Staats- und Regierungschefs ihre Verpflichtungen einhalten. Alles andere wäre "eindeutig ein Verstoß gegen die loyale Zusammenarbeit".

Ungarns Außenminister Peter Szijjarto bekräftigte am Montag, solange die Ukraine die Lieferung russischen Öls verhindere, "wird es keine Änderung der ungarischen Position geben".

Die Kreml-freundliche ungarische Regierung hat in der Vergangenheit immer wieder ihr Veto genutzt, um Sanktionen gegen Russland zu verzögern. Der rechtsnationalistische Regierungschef Orban nutzte den Zwang der Einstimmigkeit der 27 EU-Länder bei Sanktionen wiederholt als Hebel, um eigene Forderungen zu stellen.

In der Ukraine dauerten derweil die russischen Angriffe an. In der Nacht zu Montag wurden bei einer russischen Angriffswelle auf mehrere ukrainische Regionen mindestens drei Menschen getötet. Am Sonntag waren bei massiven Angriffen auf das Land ein Mensch getötet und mehr als ein Dutzend weitere verletzt worden.

Vergangene Woche waren Verhandlungen über eine Waffenruhe zwischen Vertretern der Ukraine und Russlands unter Vermittlung der USA in der Schweiz ohne greifbare Ergebnisse zu Ende gegangen.

T.Bailey--TNT

Empfohlen

Zahl überschuldeter Menschen steigt - Alleinerziehende besonders betroffen

Ob durch Krankheit, Trennung oder Jobverlust: Die Zahl der überschuldeten Menschen in Deutschland steigt. Wie aus dem neuen Überschuldungsreport des Hamburger Instituts für Finanzdienstleistungen (iff) hervorgeht, waren im vergangenen Jahr rund 5,67 Millionen Erwachsene überschuldet – 111.000 mehr als 2024. Besonders betroffen sind demnach Alleinerziehende. Für junge Erwachsene birgt vor allem der digitale Konsum ein Risiko.

Frankreichs Premier Lecornu will 54 Milliarden Euro einsparen

Der französische Premierminister Sébastien Lecornu plant im kommenden Jahr Einsparungen in Höhe von 54 Milliarden Euro. Dabei solle die Steuerlast gleich bleiben, sagte Lecornu in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview mit der Zeitung "Le Figaro". Für 2027 strebe er ein Defizit von fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts an, sagte Lecornu - ein Ziel, das Finanz- und Wirtschaftsminister Roland Lescure vor wenigen Tagen noch als unrealistisch bezeichnet hatte.

Merz: Bas-Plan gegen Sozialmissbrauch am Mittwoch im Kabinett

Das Bundeskabinett wird den Aktionsplan zur Bekämpfung von Sozialleistungsmissbrauch in der kommenden Woche auf den Weg bringen. In der nächsten Sitzung am Mittwoch komme der Plan auf die Kabinettsliste, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Donnerstag in Berlin. "Damit unser Sozialstaat für die da ist, die ihn wirklich brauchen. und nicht für diejenigen, die ihn ausnutzen." Der Plan von Bundessozialministerin Bärbel Bas (SPD), der sich vor allem gegen Sozialleistungsmissbrauch durch EU-Bürger richtet, stieß bei Verbänden auf ein gemischtes Echo.

Merz verteidigt Reformkurs: "Wir holen nach, was wir längst hätten machen müssen"

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat die geplanten Sozialreformen verteidigt und dabei insbesondere junge Menschen in den Blick genommen. "Wir holen jetzt nach, was wir längst hätten machen müssen", sagte Merz am Donnerstag in Berlin. "Und die Sozialdemokraten gehen mit uns diesen Weg."

Textgröße ändern: