The National Times - Neue Trump-Zölle: EU-Parlament pausiert Umsetzung von US-Handelsdeal

Neue Trump-Zölle: EU-Parlament pausiert Umsetzung von US-Handelsdeal


Neue Trump-Zölle: EU-Parlament pausiert Umsetzung von US-Handelsdeal
Neue Trump-Zölle: EU-Parlament pausiert Umsetzung von US-Handelsdeal / Foto: © AFP/Archiv

Nach dem Zollurteil in den USA und neuen Ankündigungen von Präsident Donald Trump liegt eine Zollvereinbarung mit der EU aus dem vergangenen Jahr auf Eis. Die zuständigen Abgeordneten im Europaparlament entschieden am Montag, ihre Arbeit an der Umsetzung der Vereinbarung zu pausieren. Das Parlament stimmt damit vorerst nicht über eine Abschaffung der EU-Zölle auf US-Industrieprodukte ab. Die EU-Kommission verlangte eine Klarstellung aus Washington.

Textgröße ändern:

Der Oberste Gerichtshof der USA hatte am Freitag die meisten der von Trump verhängten Zölle für unrechtmäßig erklärt. Das von Trump bemühte Notstandsgesetz ermächtige den Präsidenten nicht zur Verhängung von Zöllen. Hierfür sei der Kongress zuständig, urteilten die Richter. Die US-Zollbehörde teilte am Sonntagabend mit, die Zölle ab Dienstag nicht mehr zu erheben.

Trump kündigte jedoch neue Sonderzölle auf Basis eines anderen Gesetzes an. Am Freitag verhängte er zunächst einen Aufschlag von zehn Prozent auf Waren aus aller Welt, der ab Dienstag gelten soll. Am Samstag sprach er dann von 15 Prozent, ordnete die Erhöhung bislang aber nicht formal an. Das Urteil des Gerichtshofs sei "lächerlich" und "dumm", erklärte Trump am Montag auf seiner Onlineplattform Truth Social.

Der US-Präsident löste mit seinen Ankündigungen Unsicherheit aus. Es seien weitere Informationen aus Washington nötig, "damit wir das Gesamtbild vollständig verstehen können", sagte ein Sprecher der EU-Kommission am Montag. Der neue Aufschlag dürfte zusätzlich zu bestehenden Zöllen gelten, die es schon vor Trumps Amtszeit gab.

Der effektive Zollsatz wäre dann höher als 15 Prozent - das wäre ein Bruch mit der Handelsvereinbarung, welche die EU und die USA im vergangenen Sommer geschlossen hatten. Diese Vereinbarung habe weiter "oberste Priorität", erklärte EU-Handelskommissar Maros Sefcovic am Montag nach einer Videokonferenz der Handelsminister der G7-Staaten. Er werde mit der US-Regierung im Kontakt bleiben, "um Zusicherungen zu erhalten".

Die USA hatten im vergangenen August einen Zollsatz von 15 Prozent zugesagt. Die EU versprach im Gegenzug eine Abschaffung der Zölle auf US-Industrieprodukte - hat ihr Versprechen bislang allerdings selbst nicht eingelöst. Derzeit verhandelt das Europaparlament über die Umsetzung, die Abgeordneten haben diese Arbeit nun auf Eis gelegt.

"Niemand weiß, was noch passiert", sagte der Vorsitzende des Handelsausschusses im Europaparlament, Bernd Lange (SPD), während einer Sitzung in Brüssel. Es sei unklar, ob sich die USA an die Vereinbarung aus dem vergangenen Jahr halten würden. Die Umsetzung aufseiten des Europaparlaments werde verschoben aber nicht aufgehoben, betonte Lange: "Wir halten uns an den Deal, aber der Deal muss respektiert werden."

Auch die zuständigen Abgeordneten von Konservativen, Liberalen und Grünen sprachen sich dafür aus, vorerst nicht über die Abschaffung der Zölle zu entscheiden. Es fehle "die Vertrauensgrundlage, um die Implementierung des US-Deals jetzt einfach durchzuwinken", erklärte die Grünen-Abgeordnete Anna Cavazzini. Selbst ohne eine Unterbrechung hätten die Verhandlungen noch mehrere Monate gedauert: Es wären noch Verhandlungen im Handelsausschuss sowie mit den 27 EU-Ländern nötig.

Der Ökonom und Berater von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD), Jens Südekum, sieht die Vereinbarung vor dem vollständigen Aus. "Der Zoll-Deal ist jetzt erstmal Geschichte", sagte er dem Portal The Pioneer. "Wenn die zugrunde liegende Maßnahme rechtswidrig war, dann ist diesem Deal faktisch die Grundlage entzogen."

Wirtschaftsverbände warnten hingegen vor Verschlechterungen für die Unternehmen. "Die Vereinbarung der EU mit den USA vom August 2025 ist der Maßstab, hinter deren Bedingungen dürfen wir nicht zurückfallen", erklärte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Peter Leibinger.

N.Roberts--TNT

Empfohlen

Zahl überschuldeter Menschen steigt - Alleinerziehende besonders betroffen

Ob durch Krankheit, Trennung oder Jobverlust: Die Zahl der überschuldeten Menschen in Deutschland steigt. Wie aus dem neuen Überschuldungsreport des Hamburger Instituts für Finanzdienstleistungen (iff) hervorgeht, waren im vergangenen Jahr rund 5,67 Millionen Erwachsene überschuldet – 111.000 mehr als 2024. Besonders betroffen sind demnach Alleinerziehende. Für junge Erwachsene birgt vor allem der digitale Konsum ein Risiko.

Frankreichs Premier Lecornu will 54 Milliarden Euro einsparen

Der französische Premierminister Sébastien Lecornu plant im kommenden Jahr Einsparungen in Höhe von 54 Milliarden Euro. Dabei solle die Steuerlast gleich bleiben, sagte Lecornu in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview mit der Zeitung "Le Figaro". Für 2027 strebe er ein Defizit von fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts an, sagte Lecornu - ein Ziel, das Finanz- und Wirtschaftsminister Roland Lescure vor wenigen Tagen noch als unrealistisch bezeichnet hatte.

Merz: Bas-Plan gegen Sozialmissbrauch am Mittwoch im Kabinett

Das Bundeskabinett wird den Aktionsplan zur Bekämpfung von Sozialleistungsmissbrauch in der kommenden Woche auf den Weg bringen. In der nächsten Sitzung am Mittwoch komme der Plan auf die Kabinettsliste, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Donnerstag in Berlin. "Damit unser Sozialstaat für die da ist, die ihn wirklich brauchen. und nicht für diejenigen, die ihn ausnutzen." Der Plan von Bundessozialministerin Bärbel Bas (SPD), der sich vor allem gegen Sozialleistungsmissbrauch durch EU-Bürger richtet, stieß bei Verbänden auf ein gemischtes Echo.

Merz verteidigt Reformkurs: "Wir holen nach, was wir längst hätten machen müssen"

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat die geplanten Sozialreformen verteidigt und dabei insbesondere junge Menschen in den Blick genommen. "Wir holen jetzt nach, was wir längst hätten machen müssen", sagte Merz am Donnerstag in Berlin. "Und die Sozialdemokraten gehen mit uns diesen Weg."

Textgröße ändern: