The National Times - Bundesregierung bringt Gasumlage auf den Weg

Bundesregierung bringt Gasumlage auf den Weg


Bundesregierung bringt Gasumlage auf den Weg
Bundesregierung bringt Gasumlage auf den Weg / Foto: © AFP/Archiv

Energieunternehmen in Deutschland sollen die hohen Mehrkosten wegen Lieferausfällen von russischem Gas spätestens ab Oktober weitergeben können. Das Bundeswirtschaftsministerium leitete am Donnerstag die Ressortabstimmung für die entsprechende Verordnung ein. Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sagte, die Gasumlage sei "kein guter Schritt, aber ein notwendiger Schritt". Er rechnet mit Zusatzkosten von mehreren hundert Euro pro Haushalt.

Textgröße ändern:

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte die Gasumlage in der vergangenen Woche bei der Vorstellung des Rettungspakets für den angeschlagenen Energiekonzern Uniper angekündigt: Unternehmen, die Gas aus Russland importieren, sollen Zusatzkosten durch die Beschaffung von Gas aus anderen Quellen weitergeben können. Dies sei nötig, "um die Gasversorgung auch im kommenden Winter aufrecht zu erhalten", hieß es am Donnerstag aus dem Wirtschaftsministerium.

Gasimporteure mit Langfristlieferverträgen mit Russland, die von russischer Seite nicht mehr erfüllt werden, erhalten laut Verordnungsentwurf eine finanzielle Erstattung der Mehrkosten. Die Erstattung wird durch einen von den Gaskunden, in der Regel den Stadtwerken, zu entrichtenden Aufpreis pro Kilowattstunde finanziert. Die Stadtwerke wiederum geben den Aufpreis an die Verbraucher weiter.

Habeck sagte, es dürfe sich um 1,5 bis fünf Cent pro Kilowattstunde handeln, bei einem Durchschnittsverbrauch von 20.000 Kilowattstunden im Jahr bedeute dies Zusatzkosten im "mittleren Hundert-Euro-Bereich". Es würden "sicher einige hundert Euro pro Haushalt".

Scholz war von potenziellen Mehrkosten für eine vierköpfige Familie von 200 bis 300 Euro pro Jahr ausgegangen. Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, erwartet eine "Verdreifachung der Heizkosten bei Gas". Dennoch sei die Weitergabe der wirklichen Kosten an alle Kunden "richtig und notwendig", sagte er der Düsseldorfer "Rheinischen Post".

Auch der FDP-Bundestagsfraktionschef Christian Dürr verteidigte die Maßnahme, die für ein zunächst für ein Jahr befristet ist: "Viele Menschen fürchten sich vor einem kalten Winter. Mit dieser Umlage verhindern wir ein Zusammenbrechen des Gasmarktes", sagte er der "Rheinischen Post".

Die Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Yasmin Fahimi, mahnte schnelle Entlastungen an. Es sei richtig, krisenbedingte Mehrkosten auf alle umzulegen, aber "wenn jetzt nicht stärker gegengesteuert wird, sind Existenzen bedroht und der soziale Zusammenhalt gefährdet", sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Scharfe Kritik kam von den Linken. Ihr Bundestagsfraktionsvorsitzender, Dietmar Bartsch, nannte die Gasumlage "inakzeptabel". "Die notwendige Rettung von Uniper wird durch die Entscheidungen der Bundesregierung wesentlich auf die Verbraucher abgewälzt", bemängelte er. Zugleich seien eventuelle Hilfen und Entlastungen vage und frühestens für Januar angekündigt.

Habeck versicherte am Donnerstag, die Verbraucherinnen und Verbraucher würden "gezielt" entlastet werden. Der Staat könne nicht alle Kosten tragen, aber Menschen, die durch die hohen Energiepreise "möglich in Armut geführt werden, die müssen geschützt werden", sagte er. Die Arbeit daran laufe "mit Hochdruck". Der Minister kündigte an, soziale Ausgleichsmaßnahmen würden "zeitgleich, wenigstens wirkungsgleich einsetzen".

P.Jones--TNT

Empfohlen

Frankreichs Premier Lecornu will 54 Milliarden Euro einsparen

Der französische Premierminister Sébastien Lecornu plant im kommenden Jahr Einsparungen in Höhe von 54 Milliarden Euro. Dabei solle die Steuerlast gleich bleiben, sagte Lecornu in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview mit der Zeitung "Le Figaro". Für 2027 strebe er ein Defizit von fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts an, sagte Lecornu - ein Ziel, das Finanz- und Wirtschaftsminister Roland Lescure vor wenigen Tagen noch als unrealistisch bezeichnet hatte.

Merz: Bas-Plan gegen Sozialmissbrauch am Mittwoch im Kabinett

Das Bundeskabinett wird den Aktionsplan zur Bekämpfung von Sozialleistungsmissbrauch in der kommenden Woche auf den Weg bringen. In der nächsten Sitzung am Mittwoch komme der Plan auf die Kabinettsliste, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Donnerstag in Berlin. "Damit unser Sozialstaat für die da ist, die ihn wirklich brauchen. und nicht für diejenigen, die ihn ausnutzen." Der Plan von Bundessozialministerin Bärbel Bas (SPD), der sich vor allem gegen Sozialleistungsmissbrauch durch EU-Bürger richtet, stieß bei Verbänden auf ein gemischtes Echo.

Merz verteidigt Reformkurs: "Wir holen nach, was wir längst hätten machen müssen"

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat die geplanten Sozialreformen verteidigt und dabei insbesondere junge Menschen in den Blick genommen. "Wir holen jetzt nach, was wir längst hätten machen müssen", sagte Merz am Donnerstag in Berlin. "Und die Sozialdemokraten gehen mit uns diesen Weg."

Drohender Streik: Micron-Beschäftigte in Taiwan lehnen Bonus von 68 Monatsgehältern ab

Angesichts eines drohenden Streiks hat der US-Chiphersteller Micron Technology seinen Beschäftigten in Taiwan eine Bonuszahlung von 68 Monatsgehältern angeboten - der Belegschaft ist das aber nicht genug. Hunderte Beschäftigte folgten am Donnerstag einem Aufruf der Gewerkschaften und versammelten sich zu einer Protestkundgebung am Micron-Werk in Taoyuan.

Textgröße ändern: