The National Times - Frankreichs geplanter Sparhaushalt löst heftige Kritik aus

Frankreichs geplanter Sparhaushalt löst heftige Kritik aus


Frankreichs geplanter Sparhaushalt löst heftige Kritik aus
Frankreichs geplanter Sparhaushalt löst heftige Kritik aus / Foto: © AFP/Archiv

Der von Frankreichs Premierminister François Bayrou angekündigte Sparhaushalt 2026 hat heftige Kritik ausgelöst. Mehrere Oppositionsparteien drohten mit Misstrauensanträgen im Herbst, Wirtschaftsminister Eric Lombard kündigte am Mittwoch bereits Nachbesserungen an. "Die erste Reaktion war negativ. (...) Wir werden mit allen Parteien reden und den Plan verbessern", sagte er dem Sender Bloomberg TV.

Textgröße ändern:

Dabei wandte er sich insbesondere an die sozialistische Partei, die bei einem Misstrauensantrag in der Nationalversammlung das Zünglein an der Waage sein dürfte. Sowohl die Rechtspopulisten als auch die Linkspopulisten erklärten, dass sie die Regierung stürzen wollten, wenn diese nach der Sommerpause den von Bayrou angekündigten Sparhaushalt verabschieden wolle.

"Wir werden ein ehrliches Gespräch mit der sozialistischen Partei führen, in der Hoffnung, dass sie die Regierung unterstützen", sagte Finanzminister Lombard. Er hoffe auf breite Unterstützung. "Es geht um eine Frage des nationalen Interesse", betonte er.

Bayrou hatte am Vortag die Grundzüge des Staatshaushalts für 2026 vorgestellt und das Land auf deutliche Kürzungen eingestimmt. Im kommenden Jahr will Frankreich demnach 43,8 Milliarden Euro einsparen, um das Staatsdefizit auf unter 4,6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) zu senken. Für 2025 werde noch mit einem Defizit von 5,8 Prozent gerechnet.

Besonders viel Kritik löste die Ankündigung aus, Renten, Sozialleistungen und die Tarife der Einkommensteuer im kommenden Jahr einzufrieren. "Wir werden alles dafür tun, diesen sozialen Kahlschlag zu verhindern", sagte Gewerkschaftschefin Sophie Binet dem Sender RTL. "Es sind wieder mal die Arbeiterinnen und Arbeiter, die zur Kasse gebeten werden, während die Reichsten und die großen Unternehmen verschont werden", betonte sie.

Bayrou hatte zudem vorgeschlagen, zwei der insgesamt elf Feiertage abzuschaffen, etwa den Ostermontag und den 8. Mai, an dem Frankreich des Endes des Zweiten Weltkriegs gedenkt. Auch dies führte zu heftigen Protesten, unter anderem vom Hotel- und Gaststättenverband. Der Chef der rechtspopulistischen Partei Rassemblement National (RN), Jordan Bardella, nannte die geplante Streichung der Feiertage eine "Provokation". "Das ist ein Angriff auf unsere Geschichte, unsere Wurzeln und auf die arbeitende Bevölkerung", sagte er.

Die konservativen Republikaner nannten Bayrous Sparpläne einen Beitrag zur Suche nach Lösungen, verlangten aber ebenfalls Nachbesserungen. Fraktionschef Laurent Wauquiez forderte, die Ausgaben für Migranten weiter einzuschränken.

Nach Bayrous Plänen sollen die öffentlichen Ausgaben mit Ausnahme der Verteidigung eingeschränkt werden. Präsident Emmanuel Macron hatte erst kürzlich zusätzliche Verteidigungsausgaben in Höhe von 3,5 Milliarden Euro in 2026 Aussicht gestellt. Der französische Verteidigungshaushalt 2025 umfasst 50,5 Milliarden Euro.

Die französische Regierung hatte zuletzt ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr von 0,9 auf 0,7 Prozent gesenkt. Bayrou sprach von einem "Moment der Wahrheit" und warnte vor einer Schuldenfalle. Jede Sekunde steige die Verschuldung Frankreichs um 5000 Euro, betonte er.

Die französische Nationalversammlung soll im Herbst über den Haushalt 2026 diskutieren. Die Debatte über den Haushalt des laufenden Jahres hatte im Dezember 2024 zum Sturz der Regierung des damaligen Premierministers Michel Barnier geführt.

S.Clarke--TNT

Empfohlen

Heizkosten 2025 wieder gestiegen - fossile Heizungen "langfristig immer teurer"

Die Heizkosten sind 2025 nach einer Entspannung in den beiden Vorjahren wieder gestiegen - und auch für 2026 rechnet die Beratungsgesellschaft co2online mit weiteren Kostensteigerungen. Langfristig werden fossile Heizungen "immer teurer", erklärte co2online am Dienstag. Laut dem jährlich zusammen mit dem Deutschen Mieterbund erhobenen Heizspiegel können 90 Prozent aller Haushalte ihre Heizkosten heute senken.

Düngemittel-Deal: Trump will Kalisalz aus Belarus statt aus Kanada kaufen

US-Präsident Donald Trump bereitet nach eigenen Angaben ein "umfassendes" Abkommen mit Belarus über den Kauf von Kalisalz vor. "Der Preis wäre deutlich niedriger als das, was wir heute an Kanada zahlen", erklärte Trump am Montag in seinem Onlinedienst Truth Social. Dies sei eine "sehr gute Nachricht für unsere Bauern und Viehzüchter".

Zehntausende Beschäftigte protestieren gegen "Kahlschlag" in der Autoindustrie

Mit Betriebsversammlungen, Kundgebungen und Demonstrationen haben bundesweit zehntausende Beschäftigte der Automobilindustrie gegen einen "Kahlschlag" in ihrer Branche demonstriert. Die IG Metall erklärte am Montag, an dem von ihr ausgerufenen Aktionstag Autoindustrie beteiligten sich rund 175.000 Beschäftigte. IG-Metall-Chefin Christiane Benner erklärte: "Beschäftigte sind nicht länger bereit, für eine Krise zu zahlen, die sie nicht verschuldet haben."

IG Metall: 175.000 Beschäftigte beim Aktionstag Automobilindustrie

Rund 175.000 Beschäftigte in der Automobilindustrie haben nach Angaben der Gewerkschaft IG Metall am Montag an bundesweiten Aktionen gegen Stellenabbau und Werksschließungen demonstriert. Sie beteiligten sich an insgesamt rund 280 Aktionen, wie die Gewerkschaft am Montag mitteilte. IG-Metall-Chefin Christiane Benner erklärte: "Beschäftigte sind nicht länger bereit, für eine Krise zu zahlen, die sie nicht verschuldet haben."

Textgröße ändern: