The National Times - Schülerproteste in Frankreich: Landesweit zahlreiche Demonstrationen

Schülerproteste in Frankreich: Landesweit zahlreiche Demonstrationen


Schülerproteste in Frankreich: Landesweit zahlreiche Demonstrationen
Schülerproteste in Frankreich: Landesweit zahlreiche Demonstrationen / Foto: © AFP

Tausende von jungen Menschen sind in Frankreich am Dienstag erneut auf die Straße gegangen, um für bessere Lern- und Studienbedingungen zu demonstrieren. Am Vormittag unterstützte überraschend die schwedische Aktivistin Greta Thunberg in der Vorstadt Saint-Denis die Schülerproteste. An der Demonstration in Paris nahm auch der linkspopulistische Präsidentschaftskandidat Jean-Luc Mélenchon teil. Die französische Regierung wirft seiner Partei vor, die Proteste zu instrumentalisieren.

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Nach Angaben eines Studierendenverbandes waren 90 Prozent der Universitäten blockiert oder geschlossen. Das Hochschulministerium meldete, dass der Betrieb an 35 Prozent der Hochschulen und Universitäten gestört sei.

An mehreren Orten kam es zu Spannungen mit Sicherheitskräften. Im Osten von Paris standen sich lange Reihen von teils maskierten jungen Menschen und mit Helmen und Schutzkleidung ausgestattete Polizisten gegenüber - bis die Polizei sich schließlich zurückzog. In Lyon und Straßburg wurde die Polizei mit Gegenständen beworfen, die Tränengas wiederum einsetzte.

Anderswo demonstrierten Tausende junge Menschen friedlich. "Warum gibt es so viel Geld für die Verteidigung, aber nicht für die Jugend?", fragte der 17 Jahre alte Jonas in Bordeaux. "Wir sind die Zukunft", skandierten Demonstrationsteilnehmer in Lens, wo in der vergangenen Woche ein 15-Jähriger bei der Explosion einer Polizeigranate seine linke Hand verloren hatte. Nach Angaben des Bildungsministeriums wurden seit Beginn der Unruhen insgesamt 147 Schulbeschäftigte verletzt. Allein am Montag wurden 20 Mitarbeiter von Schulen verletzt, unter ihnen fünf Schulleiter.

Premierminister Sébastien Lecornu hatte angekündigt, einige der Forderungen der Schülerinnen und Schüler bei der am Dienstag beginnenden Haushaltsdebatte zu berücksichtigen.

In Onlinediensten kursierte ein Aufruf zu einer nicht genehmigten Demonstration vor seinem Amtssitz. "Sie hören uns nicht zu, also holen wir sie ab", kündigte eine Studierendengewerkschaft im Onlinedienst X an. Schüler- und Studierendenverbände fordern seit Tagen vergeblich ein Treffen mit Lecornu.

Sie verlangen unter anderem die Abschaffung des Verteilsystems für Studiengänge und Ausbildungen, das als komplex und intransparent gilt. Viele Schülerinnen und Schüler leiden unter dem Notendruck, der durch das System stark erhöht wird. Sie fordern außerdem zehn Milliarden Euro zur Renovierung und besseren Ausstattung der Oberschulen.

"Die jungen Menschen werden nicht an den Diskussionen beteiligt. Man stiehlt uns unsere Zukunft, die Schulen bekommen nicht die nötigen Investitionen", sagte die 23 Jahre alte schwedische Umweltaktivistin Thunberg vor einer Oberschule im Pariser Vorort Saint-Denis. Die jungen Menschen in Frankreich machten deutlich, dass sie für ihre Zukunft kämpften, fügte sie hinzu.

Manche Protestierende zeigen sich bereits entschlossen, nach den Herbstferien im November weiter zu demonstrieren. "Uns ist bewusst, dass die Regierung auf die Ferien hofft, aber wir lassen nicht locker", sagte der 16 Jahre alte Enki Falqui aus Montpellier.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der sich bislang kaum öffentlich zu den Protesten geäußert hat, hatte am Montag an die Schülerinnen und Schüler appelliert, ihre Anliegen in Ruhe vorzutragen und dabei respektvoll zu sein. Ihre Forderungen seien Themen, "die Zeit und Beratungen erfordern", sagte er.

Oberschüler blockieren seit dem 17. September landesweit den Zugang zu zahlreichen Schulen, um für bessere Lernbedingungen zu demonstrieren. Konkret fordern sie unter anderem mehr Lehrer, kleinere Klassen, kürzere Schultage und eine bessere Ausstattung der Schulen. Zugleich bricht sich eine allgemeine Wut angesichts von hohem Druck, Ungerechtigkeiten im Bildungssystem und fehlenden Perspektiven Bahn. Auf dem bisherigen Höhepunkt der Proteste am vergangenen Dienstag hatten sich bis zu 450.000 Menschen an Protestaktionen beteiligt.

G.Morris--TNT

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