The National Times - Dutzende Tote bei Gefechten im Grenzgebiet zwischen Armenien und Aserbaidschan

Dutzende Tote bei Gefechten im Grenzgebiet zwischen Armenien und Aserbaidschan


Dutzende Tote bei Gefechten im Grenzgebiet zwischen Armenien und Aserbaidschan
Dutzende Tote bei Gefechten im Grenzgebiet zwischen Armenien und Aserbaidschan / Foto: © AFP/Archiv

Die Spannungen zwischen den verfeindeten Kaukasusrepubliken Armenien und Aserbaidschan sind erneut gewaltsam eskaliert: Bei Kämpfen im Grenzgebiet wurden in der Nacht zum Dienstag nach armenischen Angaben mindestens 49 armenische Soldaten getötet. Auch auf aserbaidschanischer Seite gab es nach Angaben aus Baku Tote. Moskau zeigte sich "extrem besorgt" über die Eskalation und vermittelte nach eigenen Angaben eine Waffenruhe. Frankreich beantragte die Einberufung des UN-Sicherheitsrats.

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Dem Verteidigungsministerium in Eriwan zufolge versuchten aserbaidschanische Truppen, auf armenisches Gebiet vorzustoßen. Die aserbaidschanische Armee setze Artillerie und Drohnen gegen militärische und zivile Ziele nahe der Grenze ein. Aserbaidschan warf Armenien hingegen "großangelegte subversive Handlungen" in Grenznähe und Beschuss seiner Militärstellungen vor.

Armeniens Regierungschef Nikol Paschinjan forderte nach Angaben seines Büros in Telefonaten mit US-Außenminister Antony Blinken, Russlands Staatschef Wladimir Putin und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron eine "angemessene Reaktion der internationalen Gemeinschaft" auf die "Aggression" durch Aserbaidschan. Anschließend erklärte Paris, Frankreich werde eine Sitzung des UN-Sicherheitsrats zu dem Konflikt beantragen. Macron fordere "die Achtung der territorialen Integrität Armeniens".

Das russische Außenministerium erklärte, Moskau habe eine Waffenruhe ab Dienstagfrüh (Ortszeit) vermittelt und erwarte, dass beide Seiten sich daran hielten. Russland rufe die Konfliktparteien zur "Zurückhaltung" auf, jede weitere Eskalation müsse vermieden werden. Jegliche Streitfragen zwischen Armenien und Aserbaidschan könnten "ausschließlich mit politischen und diplomatischen Mitteln" geklärt werden, betonte das Ministerium.

In einer Dringlichkeitssitzung beschloss der armenische Nationale Sicherheitsrat, Moskau um Militärhilfe zu bitten. Armenien ist Mitglied des von Russland angeführten Militärbündnisses OVKS. Russland gilt als militärische Schutzmacht Armeniens, unterhielt bisher aber auch gute Beziehungen zu Aserbaidschan, das infolge des Ukraine-Krieges derzeit verstärkt Gas als Ersatz für russische Gas-Lieferungen nach Europa verkauft.

Die US-Regierung zeigte sich "zutiefst besorgt" über die Entwicklung und forderte die sofortige Einstellung der Kampfhandlungen. Ähnlich äußerte sich der EU-Außenbeauftragte Josep Boerrell, der auch eine europäischen Vermittlungsversuch ankündigte. Die türkische Regierung wiederum machte Armenien für die Eskalation verantwortlich und rief Eriwan auf, seine "Provokationen" gegen Aserbaidschan einzustellen und "sich auf Friedensverhandlungen und Zusammenarbeit" mit Baku zu konzentrieren. Die Türkei steht in dem Konflikt traditionell auf der Seite des ebenfalls mehrheitlich muslimischen Aserbaidschan.

Die Kämpfe sind die schwersten seit dem Krieg zwischen den beiden Kaukasusrepubliken vor zwei Jahren, bei dem mehr als 6500 Menschen getötet wurden. Sie erfolgen zu einem Zeitpunkt, zu dem Russland sich militärisch auf seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine konzentriert.

Nach einem ersten Krieg in den 90er Jahren hatten sich Armenien und Aserbaidschan im Herbst 2020 erneut einen Krieg um die umstrittene Region Berg-Karabach geliefert. Die sechswöchigen Gefechten mit tausenden Toten wurden durch ein von Russland vermitteltes Waffenstillstandsabkommen beendet. Dabei musste Armenien große Gebiete aufgeben. Anfang August dieses Jahres war die Gewalt erneut aufgeflammt.

Das mehrheitlich von Armeniern bewohnte Berg-Karabach hatte während des Zerfalls der Sowjetunion einseitig seine Unabhängigkeit erklärt. In dem darauf folgenden Krieg in den 90er Jahren wurden rund 30.000 Menschen getötet. Die selbsternannte Republik Berg-Karabach wird bis heute international nicht anerkannt und gilt völkerrechtlich als Teil Aserbaidschans.

P.Johnston--TNT

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