The National Times - Spannungen mit Warschau: Selenskyj bleibt offenbar Ukraine-Konferenz in Polen fern

Spannungen mit Warschau: Selenskyj bleibt offenbar Ukraine-Konferenz in Polen fern


Spannungen mit Warschau: Selenskyj bleibt offenbar Ukraine-Konferenz in Polen fern
Spannungen mit Warschau: Selenskyj bleibt offenbar Ukraine-Konferenz in Polen fern / Foto: © AFP

Wegen des Streits mit Warschau um die Weltkriegsvergangenheit bleibt der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj offenbar einer wichtigen Konferenz in Polen fern. Sie werde die ukrainische Delegation bei der Konferenz zum Wiederaufbau der Ukraine im polnischen Danzig anführen, teilte Regierungschefin Julia Swyrydenko am Dienstag in Onlinediensten mit - womit sie praktisch bestätigte, dass Selenskyj nicht daran teilnimmt.

Textgröße ändern:

Die Wiederaufbau-Konferenz in Danzig, zu der auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erwartet wird, soll am Donnerstag stattfinden. Das Format war in den Vorjahren in Rom, Berlin und Lugano ausgerichtet worden. Die Veranstaltung sollte unter anderem Warschaus Position als Nachbar und Verbündeter Kiews festigen. Polen gehört bislang zu den wichtigsten militärischen und humanitären Unterstützern der Ukraine im Verteidigungskrieg gegen Russland.

Allerdings sorgte zuletzt die Ehrung einer ukrainischen Armeeeinheit durch Selenskyj in Polen für Empörung. Der ukrainische Staatschef benannte die Einheit Ende Mai nach der berüchtigten Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA), die zwischen 1943 und 1945 in der Region Wolhynien Massaker an zehntausenden Polen und Juden verübte. Historiker sprechen von bis zu 100.000 Getöteten.

Wolhynien gehörte bis 1939 zu Polen. Durch den Hitler-Stalin-Pakt wurde die Region der ukrainischen Sowjetrepublik zugeschlagen. Heute liegt sie in der Westukraine.

Die UPA war in den 1940er Jahren der militärische Arm der OUN, der Partei ukrainischer Nationalisten. Ihr Anführer war der berüchtigte Stepan Bandera. In ihrem Kampf für die ukrainische Unabhängigkeit von der Sowjetunion kollaborierten OUN und UPA im Zweiten Weltkrieg zeitweise mit Nazideutschland.

Während die Nationalisten von OUN und UPA in der heutigen Ukraine als Helden verehrt werden, werden deren Taten in Polen als Völkermord eingestuft. Bereits 2024 hatte Uneinigkeit über die Massaker von Wolhynien zu diplomatischen Streitigkeiten zwischen Kiew und Warschau geführt.

Im Zuge des jüngsten Eklats entzog Polens Präsident Karol Nawrocki seinem ukrainischen Kollegen die höchste polnische Auszeichnung, den Weißer-Adler-Orden. Aus Solidarität mit ihrem Staatschef gaben am Wochenende mehrere führende ukrainische Politiker ihre eigenen polnischen Auszeichnungen ebenfalls zurück.

Der rechtsnationale Nawrocki vertritt seit seinem Amtsantritt 2025 eine kritische Position gegenüber der Ukraine. Im Rahmen der Aberkennung des Ordens für Selenskyj erklärte er allerdings, dass "diese Entscheidung nicht gegen das ukrainische Volk gerichtet ist". Es werde "keine Änderungen der strategischen Ausrichtung der polnischen Sicherheitspolitik" geben.

Polens pro-westlicher Regierungschef Donald Tusk appellierte zwar an beide Seiten, die Spannungen zu entschärfen. Allerdings gibt auch er Kiew die Schuld an der diplomatischen Krise. Zudem forderte er Selenskyj auf, seine Entscheidung zur Benennung der Armeeeinheit nach der UPA rückgängig zu machen - was dieser zurückwies.

D.Cook--TNT

Empfohlen

Staatsbesuch: Trump will Xi persönlich am Flughafen empfangen

Beim Staatsbesuch des chinesischen Präsidenten Xi Jinping in den USA will US-Präsident Donald Trump dem Gast eine besondere Ehre zuteil werden lassen. Trump wolle Xi nächste Woche persönlich am Flughafen empfangen, sagte ein US-Regierungsmitarbeiter am Donnerstag.

AFP-Fotos scheinen Trump mit Darstellung von Abriss des Kennedy Centers zu zeigen

Plant US-Präsident Donald Trump den Abriss des renommierten Kulturzentrums Kennedy Center in Washington? Fotos der Nachrichtenagentur AFP scheinen dies zu belegen. Auf den Bildern des Fotografen Brendan Smialowski ist Trump durch das Fenster der Präsidentenmaschine Air Force One mit einem Ausdruck zu sehen, über dem in roten Buchstaben zu lesen ist "Kennedy Center Demolish" (etwa: Abriss des Kennedy Centers).

Oppositionelles Mitte-Links-Lager gewinnt Parlamentswahl in Schweden

Wahlsieg für die Opposition in Schweden: Bei der Parlamentswahl hat das Mitte-Links-Lager mit hauchdünnem Vorsprung einen Sieg errungen. Der Parteienblock um die sozialdemokratische Spitzenkandidatin Magdalena Andersson kam laut dem am Donnerstag veröffentlichen offiziellen Endergebnis auf 176 Sitze im Parlament. Auf das konservative Regierungsbündnis des bisherigen Ministerpräsidenten Ulf Kristersson entfielen demnach laut 173 Sitze. Die rechtspopulistischen Schwedendemokraten mussten erstmals seit ihrem Einzug ins Parlament im Jahr 2010 erhebliche Einbußen hinnehmen.

Erdogan will 2028 erneut antreten und setzt auf vorgezogene Wahl

Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan will 2028 erneut kandidieren - und setzt zur Umgehung der Verfassung offenbar auf eine vorgezogene Präsidentenwahl. "Wenn 360 Abgeordnete einen Beschluss zum Ansetzen von Neuwahlen unterstützen, werden diese am 16. April 2028 stattfinden", sagte Erdogans Rechtsberater Mehmet Ucum am Donnerstag nach Angaben des Sender NTV und der Zeitung "Cumhuriyet".

Textgröße ändern: