The National Times - Fragile Waffenruhe im Libanon - Netanjahu droht Hisbollah mit weiteren Angriffen

Fragile Waffenruhe im Libanon - Netanjahu droht Hisbollah mit weiteren Angriffen


Fragile Waffenruhe im Libanon - Netanjahu droht Hisbollah mit weiteren Angriffen
Fragile Waffenruhe im Libanon - Netanjahu droht Hisbollah mit weiteren Angriffen / Foto: © AFP

Vorsichtige Hoffnungen und neue Befürchtungen haben die seit Freitag geltende, fragile Waffenruhe im Libanon geprägt: Die zehntägige Waffenruhe zwischen den beiden verfeindeten Nachbarstaaten Libanon und Israel trat um Mitternacht in Kraft, die libanesische Armee warf der israelischen Seite jedoch bereits kurz darauf Verstöße vor. Dabei sei mindestens ein Mensch getötet worden. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu drohte zudem mit neuen Angriffen gegen die pro-iranische Hisbollah-Miliz im Libanon: "Israel ist mit der Hisbollah noch nicht fertig."

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Trotz der vereinbarten Feuerpause plane Israel weitere Maßnahmen, um auf "die verbleibende Raketen- und Drohnenbedrohung" aus dem Libanon zu reagieren, erklärte der israelische Regierungschef. Das übergeordnete Ziel der "Zerschlagung der Hisbollah" werde nicht "über Nacht erreicht". Dafür seien "anhaltende Anstrengungen, Geduld und Ausdauer sowie geschicktes diplomatisches Manövrieren" erforderlich. Er betonte: "Wir haben die Arbeit noch nicht beendet."

Die Waffenruhe war unter US-Vermittlung zustande gekommen. Washington habe Israel "verboten", den Libanon nach Inkrafttreten der Feuerpause weiterhin zu bombardieren, erklärte US-Präsident Donald Trump in seinem Onlinedienst Truth Social. "Genug ist genug!", betonte Trump. Die USA würden mit dem Libanon zusammenarbeiten, um gegen die Hisbollah-Miliz vorzugehen.

Kurz nach Trumps Beitrag berichtete die libanesische Nachrichtenagentur NNA, dass bei einem israelischen Drohnenangriff ein Motorradfahrer in der libanesischen Stadt Kunin bei Bint Dschbeil im Süden des Landes getötet worden sei. Die israelische Armee äußerte sich zunächst nicht zu dem Vorfall.

Die Waffenruhe, die um Mitternacht Ortszeit (23.00 Uhr MESZ) begann, war von Trump am Donnerstag verkündet worden. Sie schließt auch die schiitische Hisbollah ein, die im Libanon eine Art Staat im Staat bildet.

Gemäß des Abkommens ist Israel jedoch weiterhin berechtigt, gegen die Hisbollah-Miliz vorzugehen, um "geplante, unmittelbar bevorstehende oder bereits laufende Angriffe" zu verhindern. Israel hatte zudem erklärt, dass es eine rund zehn Kilometer breite Sicherheitszone entlang der Grenze im Südlibanon aufrechterhalten werde.

Die libanesische Armee erklärte am Morgen im Onlinedienst X, es seien "mehrere israelische Aggressionen registriert worden". Die Hisbollah-Miliz teilte ihrerseits mit, sie habe als Vergeltungsmaßnahme "eine Ansammlung israelischer Soldaten in der Nähe der Stadt Chiam" im Südlibanon bombardiert.

Später warnte die vom Iran unterstützte Miliz in einer Erklärung, sie halte sich für den Fall von israelischen Verstößen gegen die Waffenruhe kampfbereit: "Die Kämpfer werden den Finger am Abzug behalten, da sie sich der Hinterhältigkeit des Feindes bewusst sind".

Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz sagte in einer Fernsehansprache, der Einsatz gegen die Hisbollah sei noch nicht beendet. In den Süden des Landes zurückgekehrte Vertriebene müssten sich erneut in Sicherheit bringen, falls die Kämpfe wieder aufgenommen würden, warnte er.

Auch die libanesische Armee warnte Vertriebene vor einer Rückkehr in den Süden des Landes. Dennoch machten sich tausende vor den Kämpfen geflüchtete Zivilisten auf den Weg zurück zu ihre Heimatorte. AFP-Bilder zeigten Fahrzeugkolonnen auf einer nach Süden führenden Küstenstraße.

Wenige Minuten vor Inkrafttreten der Waffenruhe waren libanesischen Angaben zufolge bei Angriffen der israelischen Armee in Tyros im Südlibanon mindestens 13 Menschen getötet worden. 35 weitere Menschen seien verletzt worden, 15 andere Menschen würden noch vermisst, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP von einem Vertreter der Gemeinde.

Am Dienstag hatten in Washington erstmals seit drei Jahrzehnten diplomatische Vertreter Israels und des Libanons direkte Gespräche geführt. Die beiden Nachbarländer unterhalten bisher keine offiziellen diplomatischen Beziehungen und befinden sich formell seit 1948 im Kriegszustand.

Der Libanon war Anfang März in den Iran-Krieg hineingezogen worden. Damals feuerte die Hisbollah als Reaktion auf die Tötung des obersten iranischen Führers Ayatollah Ali Chamenei Raketen auf Israel ab. In der Folge griff Israel zahlreiche Ziele im Libanon an und schickte Bodentruppen über die Grenze. Bei den israelischen Angriffen wurden libanesischen Angaben zufolge bisher mindestens 2294 Menschen getötet. Rund eine Million Menschen wurden vertrieben.

C.Stevenson--TNT

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