The National Times - Bund, Länder und Gemeinden erstellen Streichliste für Behinderten- und Jugendhilfe

Bund, Länder und Gemeinden erstellen Streichliste für Behinderten- und Jugendhilfe


Bund, Länder und Gemeinden erstellen Streichliste für Behinderten- und Jugendhilfe
Bund, Länder und Gemeinden erstellen Streichliste für Behinderten- und Jugendhilfe / Foto: © POOL/AFP/Archiv

Eine Arbeitsgruppe von Bund, Ländern und Gemeinden hat nach Angaben des Paritätischen Gesamtverbands eine mögliche Streichliste für die Behinderten- sowie Kinder- und Jugendhilfe erstellt. Ein entsprechendes Arbeitspapier enthalte 70 Kürzungsvorschläge mit einem Gesamtvolumen von 8,6 Milliarden Euro, berichtete der Verband am Donnerstag. Das tatsächliche Kürzungsvolumen liege aber noch erheblich höher, da knapp zwei Drittel aller Vorschläge gar nicht mit Zahlen unterlegt seien.

Textgröße ändern:

Der Paritätische Gesamtverband zeigte sich angesichts der Kürzungspläne von Bund, Ländern und Kommunen "entsetzt": Die Vorschläge zielten "auf radikale Einschnitte bei sozialen Unterstützungsleistungen". Individuelle Rechtsansprüche auf Schulbegleitung sollen gestrichen, das Wunsch- und Wahlrecht von Menschen mit Behinderungen eingeschränkt, die Nachbetreuung junger Erwachsener aus der Jugendhilfe abgeschafft werden. Zudem solle der Unterhaltsvorschuss für Alleinerziehende zusammengestrichen werden. Manche Vorschläge widersprächen "offen der UN-Behindertenrechtskonvention und der UN-Kinderrechtskonvention".

Der Paritätische Gesamtverband veröffentlichte das 108-seitige "Vorschlagsbuch" mit dem Titel "Effizienter Ressourceneinsatz bei Leistungsgesetzen". Es ist als "Entwurf" gekennzeichnet und wurde zu einem Arbeitstreffen einer Arbeitsgruppe von Bund, Ländern und Kommunen am 25. März erstellt. Die einzelnen Vorschläge stammen laut dem Papier insbesondere aus dem Bundesarbeits- oder Familienministerium, aus bestimmten Ländern oder von kommunalen Spitzenverbänden. Welche Vorschläge tatsächlich umgesetzt werden sollen, ist offen.

"Was hier unter dem harmlosen Titel 'Effizienter Ressourceneinsatz' verhandelt wird, ist ein Angriff auf Errungenschaften, die elementar für soziale Teilhabe sind und die über Jahrzehnte erkämpft wurden", erklärte Verbands-Hauptgeschäftsführer Joachim Rock. "Hier droht ein Kahlschlag bei Alltagshilfen, mit einschneidenden Folgen für Betroffene und ihre Familien." Rock bezeichnete es als "gleichermaßen skandalös", dass "die Debatte an den Menschen vorbei im Verborgenen geführt wird".

Die Bund-Länder-Arbeitsgruppe war laut Verband am 4. Dezember bei einem Treffen von Kanzler Friedrich Merz (CDU) mit den Regierungschefinnen und -chefs der Länder ins Leben gerufen worden. Merz hatte damals gesagt, die stark gestiegenen Ausgaben durch Leistungsgesetze insbesondere auf der kommunalen Ebene müssten "unter Kontrolle gebracht werden". Bund, Länder und Gemeinden hätten deshalb vereinbart, "jetzt mit Vorschlägen voranzugehen, (...) wie wir in Zukunft dafür sorgen, dass die Leistungsgesetze gezielt angewendet werden können".

A.Robinson--TNT

Empfohlen

Presse: Polizei rechnet mit bis zu 50.000 Demonstrierenden bei AfD-Parteitag

Die Sicherheitsbehörden bereiten sich beim AfD-Bundesparteitag Anfang Juli in Erfurt auf einen Großeinsatz mit tausenden Demonstrierenden vor. Wie am Donnerstag die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf interne Polizeidokumente berichtete, erwarten die Behörden mindestens 35.000 bis 50.000 Gegendemonstrierende. Zudem geht die Polizei demnach intern von bis zu 2500 gewaltbereiten oder gewaltsuchenden Linksextremisten aus.

Teheran wirft der Nato eine "Mitschuld" im Iran-Krieg vor

Teheran hat der Nato eine "Mitschuld" im US-israelischen Krieg gegen den Iran vorgeworfen. Nachdem Nato-Generalsekretär Mark Rutte in einem Interview die Unterstützung des Bündnisses für die USA in dem Konflikt hervorgehoben hatte, verurteilte der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Esmaeil Bakaei, dies am Donnerstag im Onlinedienst X als ein "eindeutiges und vernichtendes Eingeständnis der aktiven Mitschuld der Nato an einem rechtswidrigen Angriffskrieg gegen einen souveränen UN-Mitgliedstaat." US-Präsident Donald Trump hatte sich zuvor bei einem Treffen mit Rutte in Washington über mangelnde Unterstützung der Bündnispartner beklagt.

Straße von Hormus: Iran warnt Schiffe vor Durchfahrt ohne Genehmigung

Der Iran hat Schiffe davor gewarnt, ohne seine Genehmigung die Straße von Hormus zu passieren. Die "einige zulässige Route" durch die für den Welthandel wichtige Meerenge werde "von der Islamischen Republik Iran bekanntgegeben", erklärten die iranischen Revolutionsgarden am Donnerstag. Eine Durchfahrt ohne Genehmigung sei "inakzeptabel und gefährlich" und werde "angemessene Maßnahmen" nach sich ziehen.

Richterbund erwartet Beschluss von Rechtsstaatspakt bei Bund-Länder-Treffen

Der Deutsche Richterbund (DRB) hat sich "sehr zuversichtlich" gezeigt, dass Bund und Länder bei ihrem Treffen am Nachmittag einen neuen Rechtsstaatspakt schließen. DRB-Bundesgeschäftsführer Sven Rebehn sprach am Donnerstag von einem "dringend benötigten Investitionsschub für die Justiz". Der Nachrichtenagentur AFP sagte er: "Es ist höchste Zeit, dass die Politik eine personelle Trendwende für die chronisch überlastete Strafjustiz einleitet." Flankierend müsse zudem das Verfahrensrecht für Strafprozesse deutlich vereinfacht werden.

Textgröße ändern: