The National Times - US-Verteidigungsstrategie: Europa muss sich stärker selbst verteidigen

US-Verteidigungsstrategie: Europa muss sich stärker selbst verteidigen


US-Verteidigungsstrategie: Europa muss sich stärker selbst verteidigen
US-Verteidigungsstrategie: Europa muss sich stärker selbst verteidigen / Foto: © AFP

Das US-Militär soll sich stärker um Amerika und den Indopazifik kümmern, die europäischen Verbündeten müssen sich stärker selbst verteidigen: Die US-Regierung hat in ihrer neuen Verteidigungsstrategie den von Präsident Donald Trump forcierten Strategiewechsel bekräftigt. "Da sich die US-Streitkräfte auf die Verteidigung ihres eigenen Gebiets und den indopazifischen Raum konzentrieren, werden unsere Verbündeten und Partner in anderen Regionen die Hauptverantwortung für deren eigene Verteidigung übernehmen", heißt es in dem am Freitag (Ortszeit) vom Pentagon veröffentlichten Dokument.

Textgröße ändern:

"In Europa und anderen Schauplätzen werden die Verbündeten die Führung bei der Bekämpfung von Bedrohungen übernehmen, die für uns weniger schwerwiegend, für sie jedoch umso schwerwiegender sind, wobei sie von den Vereinigten Staaten entscheidende, aber stärker begrenzte Unterstützung erhalten werden", heißt es in der Verteidigungsstrategie weiter.

Das von US-Verteidigungsminister Pete Hegseth verantwortete Strategiepapier unterscheidet sich in seinem Tonfall erheblich von der 2022 unter Trumps Amtsvorgänger Joe Biden veröffentlichten Verteidigungsstrategie. Im damaligen Dokument waren die Bedrohungen durch China und Russland in erheblich schärferem Tonfall formuliert worden. Die Trump-Regierung legt nun einen erheblich stärkeren Fokus auf die innere Sicherheit der USA und irreguläre Migration - und auf die Verpflichtungen der US-Verbündeten, mehr für die eigene Verteidigung zu tun.

In dem Papier heißt es, Europa bleibe zwar wichtig, habe aber einen "kleineren und schrumpfenden Anteil an der weltweiten Wirtschaftskraft". Daraus folge, dass die USA "sich in Europa engagieren und dies auch weiterhin tun werden, der Verteidigung des US-Staatsgebiets und der Abschreckung Chinas Vorrang einräumen müssen und werden".

Washington werde seine Verbündeten in Europa und anderen Weltregionen "ehrlich aber deutlich darauf hinweisen, dass sie dringend ihren Teil beitragen müssen und dass es in ihrem eigenen Interesse liegt, dies unverzüglich zu tun".

Die Bedrohung durch Russland bezeichnet das Pentagon in dem rund 20-seitigen Dokument als "anhaltend, aber beherrschbar" - die zudem vor allem die östlichen Nato-Partner betreffe. Moskau sei "nicht in der Lage, die Vorherrschaft in Europa anzustreben", die europäischen Nato-Verbündeten stellten Russland "glücklicherweise in Bezug auf Wirtschaftsleistung, Bevölkerungszahl und damit auch latente Militärmacht in den Schatten".

Die Europäer seien "deutlich mächtiger als Russland", heißt es weiter in der US-Verteidigungsstrategie. "Alleine die deutsche Volkswirtschaft stellt Russland in den Schatten", steht darin zudem. Ferner wird darauf verwiesen, dass sich die Nato-Verbündeten "unter Trumps Führung" zu Verteidigungsausgaben in Höhe von insgesamt fünf Prozent ihrer jährlichen Wirtschaftsleistung verpflichtet hätten.

Über den Ukraine-Krieg heißt, die Nato sei "nicht in der Lage gewesen", die "russische Invasion der Ukraine" zu verhindern oder "effektiv darauf zu reagieren", da die US-Regierung unter Trumps Vorgänger Joe Biden Nato-Verbündete "faktisch ermutigt" hätte, sich "als Trittbrettfahrer zu verhalten".

Zu China streben die USA laut den USA "respektvolle Beziehungen" an. Das mit den USA verbündete Taiwan, dessen Gebiet die Volksrepublik beansprucht, wird in dem Dokument kein einziges Mal ausdrücklich erwähnt. In Bidens Verteidungsstrategie aus dem Jahr 2022 war China noch als wichtigste Herausforderung für Washington und war Russland als "akute Bedrohung" bezeichnet worden.

Wie die im Dezember veröffentlichte nationale Sicherheitsstrategie von US-Präsident Donald Trump setzt auch die Verteidigungsstrategie Lateinamerika ganz oben auf die Agenda: Das Pentagon "wird die militärische Vorherrschaft der USA in der westlichen Hemisphäre wiederherstellen. Wir werden sie nutzen, um unser Heimatland und unseren Zugang zu wichtigen Gebieten in der gesamten Region zu schützen", heißt es in dem Papier.

Wie bereits in der Sicherheitsstrategie wird die US-Strategie für den amerikanischen Doppelkontinent in dem Papier als "Trump-Ableitung von der Monroe-Doktrin" bezeichnet.

Der Klimawandel, den die Biden-Regierung noch als "aufkommende Gefahr" bezeichnet hatte, kommt in Trumps Sicherheitsstrategie gar nicht mehr vor.

Irreguläre Einwanderung wird in dem Dokument nun hingegen als erhebliche Gefahr bezeichnet, für deren Bekämpfung auch das Militär zuständig sei. "Grenzschutz ist nationale Sicherheit", heißt es darin, das Pentagon werde daher "Maßnahmen zur Sicherung unserer Grenzen, zur Abwehr mehrerer Arten von Invasion und zur Abschiebung illegaler Einwanderer priorisieren".

C.Stevenson--TNT

Empfohlen

Merz: Iran darf nicht länger auf Zeit spielen

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat die Führung in Teheran aufgefordert, sich in den Verhandlungen mit den USA über ein Ende des Iran-Krieges zu bewegen. Der Iran müsse "aufhören, auf Zeit zu spielen", sagte Merz am Dienstag bei einer Pressekonferenz mit dem Schweizer Bundespräsidenten Guy Parmelin in Berlin. "Er darf nicht länger die Region und die ganze Welt zur Geisel nehmen. Und vor allem das militärische Nuklearprogramm muss beendet werden."

Bundestag könnte Anfang Juni über Aussetzung von Diätenerhöhung beraten

Der Bundestag könnte schon bald über die Aussetzung der Diätenerhöhung beraten. Zeitplan der Unionsfraktion sei es, eine erste Lesung dazu in der kommenden Sitzungswoche Anfang Juni abzuhalten, sagte Parlamentsgeschäftsführer Steffen Bilger (CDU) am Dienstag in Berlin. Ende Juni, spätestens Anfang Juli solle das Vorhaben dann abgeschlossen sein. Die Union stimme sich dazu gerade mit dem Koalitionspartner SPD und der Bundestagsverwaltung ab, die für die Abwicklung der Aussetzung zuständig sei.

Putin besucht China kurz nach Trump - Kreml-Chef preist "enge" Partnerschaft mit Peking

Wenige Tage nach US-Präsident Donald Trump wird Kreml-Chef Waldimir Putin am Dienstag zu einem Gipfel mit dem chinesischen Staatschef Xi Jinping in Peking erwartet. Kurz vor seiner Ankunft pries Putin in einem Video die "enge strategische Partnerschaft" zwischen den beiden Ländern - diese spiele "weltweit eine bedeutende, stabilisierende Rolle". Unter anderem könnte es bei den Gesprächen um den Bau einer Erdgaspipeline von Russland nach China gehen.

Klage nach behauptetem Impfschaden wird in Nordrhein-Westfalen neu verhandelt

Das Landgericht Arnsberg in Nordrhein-Westfalen muss erneut über einen möglichen Impfschaden verhandeln. Das Oberlandesgericht (OLG) Hamm hob nach Angaben vom Dienstag ein Arnsberger Urteil von 2025 auf, mit dem die Klage eines Manns abgewiesen worden war. Er gibt an, als Folge einer Coronaimpfung unter anderem unter Schmerzen und Schwindel zu leiden.

Textgröße ändern: