The National Times - Empörung in USA über Festnahme von Fünfjährigem bei Einsatz von Einwanderungspolizei

Empörung in USA über Festnahme von Fünfjährigem bei Einsatz von Einwanderungspolizei


Empörung in USA über Festnahme von Fünfjährigem bei Einsatz von Einwanderungspolizei
Empörung in USA über Festnahme von Fünfjährigem bei Einsatz von Einwanderungspolizei / Foto: © AFP

In den USA wächst die Empörung über die Festnahme eines fünfjährigen Jungen bei einem Einsatz der US-Einwanderungspolizei ICE in Minneapolis. Politikerinnen der oppositionellen Demokraten wie die frühere Vizepräsidentin Kamala Harris und Ex-Außenministerin Hillary Clinton verurteilten das Vorgehen. UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk äußerte sich am Freitag "bestürzt über die inzwischen alltägliche Misshandlung und Herabwürdigung von Migranten und Flüchtlingen" in den Vereinigten Staaten.

Textgröße ändern:

Der fünfjährige Liam Conejo Ramos war nach Angaben seiner Vorschule am Dienstag mit seinem ecuadorianischen Vater bei der Rückkehr nach Hause von ICE-Mitarbeitern in Gewahrsam genommen worden. Die Beamten hätten das Kind dann als "Köder" genutzt, um an die Tür seines Hauses zu klopfen und weitere Familienmitglieder herauszulocken, sagte Schulleiterin Zena Stenvik. Bei der Familie soll es sich um Asylbewerber handeln.

Die frühere Vizepräsidentin und Präsidentschaftskandidatin Harris schrieb im Onlinedienst X, sie sei "empört". Liam "sollte zu Hause bei seiner Familie sein und nicht von ICE als Köder benutzt und in einem texanischen Abschiebezentrum festgehalten werden".

US-Medien zufolge befinden sich der Junge und sein Vater in einer Einrichtung im texanischen San Antonio, ihnen droht laut ICE die Abschiebung. Clinton warf der Einwanderungsbehörde vor, die Bevölkerung im von den Demokraten regierten US-Bundesstaat Minnesota zu "terrorisieren".

In der Stadt Minneapolis in Minnesota sind seit Wochen tausende von ICE-Mitarbeitern im Einsatz. Sie sollen die von US-Präsident Donald Trump angeordneten Massenabschiebungen umsetzen. Minneapolis zählt zu den sogenannten Sanctuary Cities, (Schutzstädten), die Migranten ohne Aufenthaltsgenehmigung Schutz gewähren und nur begrenzt mit den Einwanderungsbehörden der Bundesregierung zusammenarbeiten.

Aus Protest wollten am Freitag hunderte Geschäfte in Minneapolis schließen. Bürgergruppen wollten zudem an die dreifache Mutter Renee Nicole Good erinnern, die ein ICE-Beamter am 7. Januar in Minneapolis in ihrem Auto mit mehreren Schüssen getötet hatte. Daraufhin hatten sich die Proteste gegen das Vorgehen der Einwanderungsbehörde ausgeweitet.

US-Vizepräsident JD Vance besuchte die Stadt am Donnerstag, um sich ein Bild von der Lage zu verschaffen. Zum Fall des festgenommenen Jungen sagte Vance, er habe zunächst selbst gedacht "Oh mein Gott, das ist furchtbar. Wie konnten wir einen Fünfjährigen festnehmen?".

Er habe seine Meinung aber geändert, als er mehr über den ICE-Einsatz erfahren habe, sagte der Vizepräsident weiter. Der Vater des Kindes sei vor den Beamten geflohen, betonte Vance. "Was sollen sie tun? Sollen sie ein Fünfjähriges Kind erfrieren lassen?" fügte er hinzu.

Ein in US-Medien verbreitetes Foto von Liam Conejo Ramos zeigt den Jungen nach dem Einsatz im Schnee vor einem Wagen, er trägt eine blaue Mütze mit Hasenohren auf dem Kopf, sein Vater ist nirgends zu sehen.

Nach einer Protestaktion gegen die Einwanderungspolizei in einer Kirche in Minnesota wurden überdies drei Aktivisten festgenommen. US-Justizministerin Pam Bondi warf ihnen einen "Angriff" auf die Kirche vor. Die Demonstrierenden hatten einen Gottesdienst in einer Kirche in St. Paul, der Hauptstadt von Minnesota, gestört, in der sie den Vizeleiter des örtlichen ICE‑Büros vermuteten. Videos der Protestaktion zeigen, wie Demonstranten in der Kirche "ICE raus!" rufen.

F.Harris--TNT

Empfohlen

Rotes Kreuz und Kommunen halten zusätzliche Zivilschutzmittel für unzureichend

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) sowie Spitzenverbände der Kommunen halten die geplante massive Aufstockung der Bundesmittel für den Zivilschutz für richtig, jedoch für unzureichend. Die von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) angekündigten Investitionen in Höhe von zehn Milliarden Euro bis 2029 seien "natürlich ein erster guter, aber kein ausreichender Schritt", sagte DRK-Generalsekretär Christian Reuter am Dienstag im Sender RBB.

Altkanzlerin Merkel ruft zu Einsatz für "Frieden" und "Demokratie" in Europa auf

Anlässlich ihrer Auszeichnung mit einem europäischen Verdienstorden hat die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zum Einsatz für "Frieden, Wohlstand und Demokratie" in Europa aufgerufen. Merkel forderte die EU am Dienstag vor dem Europaparlament in Straßburg auf, ihre "Versprechen an die Menschen in unseren Mitgliedstaaten" zu halten. Neben Merkel erhielten der frühere Gewerkschaftsführer und polnische Präsident Lech Walesa sowie der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die Auszeichnung.

Angriff auf Moschee in San Diego mit drei Toten: Polizei geht von Hassverbrechen aus

Nach dem Schusswaffenangriff auf ein muslimisches Zentrum in der südkalifornischen Stadt San Diego mit drei Toten ermittelt die Polizei nach eigenen Angaben wegen eines möglichen Hassverbrechens. Medienberichten zufolge hinterließ einer der beiden mutmaßlichen Angreifer vom Montag einen Abschiedsbrief mit rassistischen Texten. Die beiden jungen Männer im Alter von 17 und 18 Jahren töteten sich selbst nach der Attacke in einem Auto.

Union: Koalitionsausschuss zu Reformprojekten tagt am 30. Juni

Das schwarz-rote Regierungsbündnis will bei einer Sitzung des Koalitionsausschusses am 30. Juni seine großen Reformprojekte beschließen. Den Termin nannte Unions-Parlamentsgeschäftsführer Steffen Bilger (CDU) am Dienstag in Berlin. Es sei die Chance, "dass man dann wirklich zu einer großen Verständigung kommt". Zuvor ist dem CDU-Politiker zufolge am 10. Juni eine Sitzung des Koalitionsausschusses mit den Sozialpartnern geplant, also mit Gewerkschaften und Arbeitgebern.

Textgröße ändern: