The National Times - Mögliche Kürzungen bei Langzeitarbeitslosen stoßen auf scharfe Kritik

Mögliche Kürzungen bei Langzeitarbeitslosen stoßen auf scharfe Kritik


Mögliche Kürzungen bei Langzeitarbeitslosen stoßen auf scharfe Kritik
Mögliche Kürzungen bei Langzeitarbeitslosen stoßen auf scharfe Kritik / Foto: © AFP/Archiv

In der Haushaltsplanung von Finanzminister Christian Lindner (FDP) vorgesehene Einschnitte bei Leistungen für Langzeitarbeitslose stoßen auf Kritik. "Den Rotstift gerade bei der Förderung von Arbeit und Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen und Geringqualifizierten anzusetzen, ist unanständig" erklärte die Vorständin des Sozialverbands Diakonie, Maria Loheide, am Donnerstag zu entsprechenden Medienberichten. Das Bundesarbeitsministerium widersprach Darstellungen, der sogenannte soziale Arbeitsmarkt solle abgewickelt werden.

Textgröße ändern:

Laut einem Bericht des "Spiegel" ist im Haushaltsentwurf für 2023 vorgesehen, die Mittel für "Leistungen für Eingliederung in Arbeit" um 609 Millionen Euro auf dann 4,2 Millionen Euro zu kürzen. Darüber hinaus sollen demnach vor allem Mittel für mehrjährige Förderungen in den kommenden Jahren weitgehend abgeschmolzen werden.

Das Bundesfinanzministerium wies diese Darstellung auf Anfrage zurück, äußerte sich aber nicht zu Details. Stattdessen verwies das Ministerium auf Anfrage auf die fachliche Zuständigkeit des Arbeitsressorts für etwaige Änderungen von Leistungsgesetzen.

FDP-Vize Wolfgang Kubicki sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, nicht Lindner kürze Leistungen, sondern es gehe hier um Planungen von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD). "Wie dieser sein Budget aufzuteilen gedenkt, bleibt in seiner Ressortzuständigkeit", betonte der FDP-Politiker. Kubicki sagte allerdings auch, es sei richtig, in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage "staatliche Subventionen" zu hinterfragen.

In einer Stellungnahme des Arbeitsministeriums hieß es zu dem "Spiegel"-Bericht, der für das kommende Jahr eingeplante Wert liege auf dem gleichen Niveau wie die Ausgaben im letzten Vor-Corona-Jahr 2019. "Über die endgültige Ausstattung des Eingliederungstitels entscheidet der Deutsche Bundestag", verwies eine Sprecherin weiter auf die Budgethoheit des Parlaments.

Bundesarbeitsminister Heil "wird sich weiterhin für eine aktive Arbeitsmarktpolitik und für eine entsprechende dauerhafte Mittelausstattung des sozialen Arbeitsmarkts stark machen", betonte die Sprecherin weiter. Dieser sei "ein hocherfolgreiches Instrument".

Die Diakonie wies darauf hin, dass von Kürzungen "insbesondere Langzeitarbeitslose mit besonderen Schwierigkeiten beim Zugang zum ersten Arbeitsmarkt" betroffen wären. "Herr Lindner sollte sich darauf besinnen, dass er Verantwortung trägt für alle in der Gesellschaft, nicht nur für Wohlhabende und gut Qualifizierte", betonte Loheide.

"Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist während der Pandemie um 41 Prozent nach oben geschossen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes, Ulrich Schneider, den Funke-Zeitungen. "In dieser Situation ausgerechnet den sozialen Arbeitsmarkt kaputt zu sparen, hieße, hunderttausende Menschen im Regen stehen zu lassen".

"Lindners Plan ist politisch kurzsichtig und hätte verheerende Folgen", erklärte DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel. Sie forderte die Koalitionsfraktionen auf, den Etatansatz entsprechend zu korrigieren "und Lindners arbeitsmarktpolitische Irrlichterei zu stoppen". Dem Finanzminister warf der DGB vor, "den Schwächsten der Gesellschaft wertvolle und wirksame Unterstützung zu rauben und gleichzeitig Steuererhöhungen für Reiche trotz der Krisensituation auszuschließen".

"Die Armut in Deutschland ist auf Rekordniveau und Lindner will Gelder für Langzeitarbeitslose massiv kürzen. Wie arrogant und skrupellos ist das bitte?" schrieb Linken-Fraktionschefin Amira Mohamed Ali auf Twitter. Ein solcher "Sozial-Kahlschlag" treffe vor allem Menschen, "deren Eingliederung in den Arbeitsmarkt und soziale Teilhabe nun schwieriger wird", zitierte der "Spiegel" den CDU-Sozialpolitiker Kai Whittaker.

E.Reid--TNT

Empfohlen

Regierungspartei von Ministerpräsident Abiy gewinnt Parlamentswahl in Äthiopien

Drei Wochen nach der Parlamentswahl in Äthiopien hat die Wahlkommission des ostafrikanischen Landes die regierende Wohlstands-Partei PP von Ministerpräsident Abiy Ahmed zum klaren Sieger erklärt. Nach der Auszählung aller Stimmen sicherte sich die PP rund 90 Prozent der Sitze im Parlament in Addis Abeba, wie die Wahlkommission am Sonntag mitteilte. Demnach entfielen auf die PP 438 der insgesamt 486 Parlamentssitze.

Pistorius: Trump hat "Korken in die Straße von Hormus gedrückt"

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat US-Präsident Donald Trump die Verantwortung für die anhaltende Krise um die strategisch wichtige Meerenge von Hormus zugewiesen. Letztlich habe Trump "den Korken in die Straße von Hormus reingedrückt", sagte Pistorius am Sonntag in der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin". "Aber wir haben ein Interesse daran, ihn wieder rauszuholen", fügte er hinzu. Voraussetzung für einen Bundeswehr-Einsatz zur Sicherung der Schifffahrt in der Meerenge sei unter anderem aber die Zustimmung der Anrainerstaaten Iran und Oman.

Stichwahl um Präsidentenamt in Kolumbien begonnen - Enges Rennen erwartet

Duell in Kolumbien zwischen einem linksgerichteten Verfechter der Menschenrechte und einem ultrarechten Hardliner mit Rückendeckung aus Washington: Die extrem gegensätzlichen Kandidaten Iván Cepeda und Abelardo de la Espriella haben am Sonntag in einer Stichwahl um das Präsidentenamt in dem südamerikanischen Land gerungen. Die Umfragen sagten ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem linksgerichteten Senator und dem rechtsgerichteten Rechtsanwalt voraus.

"Historische" Verhandlungen über Ende des Iran-Kriegs in der Schweiz begonnen

Fast vier Monate nach Beginn des Iran-Kriegs haben in einem Schweizer Luxushotel Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran über ein endgültiges Friedensabkommen begonnen. Der zu den Verhandlungen angereiste US-Vizepräsident JD Vance sprach am Sonntag von einem "historischen Treffen". Am Mittwoch hatten der Iran und die USA ein Rahmenabkommen zur Beendigung des Krieges geschlossen. An den Gesprächen sind Katar und Pakistan als Vermittler beteiligt.

Textgröße ändern: