The National Times - Ampel-Koalition einigt sich über Gesetzespaket für Ökostrom-Ausbau

Ampel-Koalition einigt sich über Gesetzespaket für Ökostrom-Ausbau


Ampel-Koalition einigt sich über Gesetzespaket für Ökostrom-Ausbau
Ampel-Koalition einigt sich über Gesetzespaket für Ökostrom-Ausbau / Foto: © AFP/Archiv

SPD, FDP und Grüne haben sich über das geplante Gesetzespaket zum Ökostrom-Ausbau verständigt. Damit "schaffen wir die Grundlage für eine klimaneutrale Energieversorgung in Deutschland", erklärte SPD-Fraktionsvize Matthias Miersch am Dienstag in Berlin. Im ersten Halbjahr 2022 wurde laut aktuellen Zahlen knapp die Hälfte des inländischen Stromverbrauchs durch Ökostrom gedeckt.

Textgröße ändern:

Mit der Einigung der Ampel-Koalition zum Ökostrom ist der Weg frei, Kernbestandteile des von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) vorgelegten sogenannten Osterpakets mit einigen Änderungen an diesem Donnerstag im Bundestag zu beschließen. Demnach soll festgeschrieben werden, dass der Ausbau erneuerbarer Energien im "überragenden öffentlichen Interesse" liegt, was Genehmigungsverfahren erleichtert.

Zudem müssen die Länder durchschnittlich zwei Prozent ihrer Landesfläche für Windkraftanlagen zur Verfügung stellen. Tun sie dies nicht, werden Einschränkungen wie Mindestabstandsregeln gestrichen. Ausbauziele für Solar- und Windenergie sollen deutlich angehoben werden. Bis 2030 sollen 80 Prozent des Stroms in Deutschland durch erneuerbare Energien gedeckt werden. Dies war Anfang April vom Kabinett beschlossen worden, um Details der Neuregelung wurde aber bis zuletzt heftig gerungen.

Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge sprach nun von einer "historischen Entscheidung" zur Bekämpfung der Klimakrise. "Wir legen wirklich den Turbo ein beim Ausbau der Solarenergie und bei der Windenergie", hob sie hervor. Für neue Solaranlagen würden "Bremsen gelöst". All dies sei notwendig, "um Deutschland so schnell es geht klimaneutral zu machen".

"Seit der Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes im Jahr 2000 sind wir noch nie einen so großen Schritt beim Ausbau der Erneuerbaren vorangekommen", betonte Miersch. "Wir machen uns in der Energieversorgung unabhängig von Öl- und Gasimporten und sorgen so für mehr Energiesicherheit", erklärte der SPD-Politiker.

"Mit der vorliegenden Reform schaffen wir das beste Erneuerbare-Energien-Gesetz, das Deutschland jemals hatte", erklärte der FDP-Energieexperte Michael Kruse. Er betonte besonders die in der Novelle enthaltene definitive Abschaffung der bereits ausgesetzten EEG-Umlage sowie ein geplantes Ende "der Dauersubventionen" von Ökostrom zum Zeitpunkt des Kohleausstiegs - laut Koalitionsvertrag "idealerweise" bis 2030.

"Wir kümmern uns da um den beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland" als den "Freiheitsenergien", sicherte auch FDP-Fraktionschef Christian Dürr zu. Auf Drängen der FDP soll dabei auch die Wasserkraft eine Rolle spielen.

Unions-Fraktionsvize Jens Spahn kritisierte in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" gleichwohl eine "Verengung" des Ausbaus "auf Wind- und Solarenergie". Er begrüßte aber die neuen, ehrgeizigeren Ausbauziele.

Wie das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und der Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) mitteilten, lag der Ökostrom-Anteil am Stromverbrauch von Januar bis Juni 2022 bei 49 Prozent, sechs Prozentpunkte mehr als ein Jahr zuvor. Zu verdanken sei dies vor allem "einem windreichen Jahresbeginn im Januar und Februar und zahlreichen Sonnenstunden in Mai und Juni".

Mehr Strom produzierten vor allem Windanlagen an Land und Solaranlagen. Bei Windenergie auf See und Biomasse gab es demnach ebenfalls leichte Zuwächse. BDEW-Chefin Kerstin Andreae drängte gleichwohl mit Blick auf die aktuelle Gasknappheit wegen ausbleibender russischer Importe auf zusätzliche Anstrengungen und eine Erhöhung des Ausbautempos.

A.Robinson--TNT

Empfohlen

Nach Hausverbot für CNN: Große US-Sender schränken Berichterstattung über Trump ein

Nach den Hausverboten für den US-Sender CNN und weitere Medien im Weißen Haus schränken vier weitere große Sender ihre Berichterstattung über Präsident Donald Trump vorerst ein. Die Sender ABC, CBS, Fox News und NBC erklärten am Montag gemeinsam mit CNN, sie würden vorerst nicht mehr über Trump-Auftritte berichten. Die Sender gehören zu einem sogenannten Pool, der im Rotationsverfahren Trump-Termine wahrnimmt und auch europäische Medien mit Bildern versorgt.

"Gerechtigkeitsproblem": Merz deutet Änderungen bei dualem Krankenkassen-System an

Nach den Wahlschlappen seiner Partei hat CDU-Chef Friedrich Merz einen Kurswechsel bei der Frage der Krankenversicherung angedeutet. Das "Nebeneinander von privater und gesetzlicher Krankenversicherung" werde von vielen Menschen als "Gerechtigkeitsproblem" betrachtet, sagte Merz am Montag nach den Sitzungen der CDU-Parteigremien in Berlin. Er sehe das Problem und sei zu Änderungen bereit. Details nannte der Kanzler allerdings nicht. Der Koalitionspartner SPD signalisierte Unterstützung, die Schwesterpartei CSU wandte sich gegen Änderungen.

Grüne kritisieren Merz: "Frei von Demut und Realitätsbezug"

Die Grünen haben scharfe Kritik an der Reaktion von Kanzler Friedrich Merz (CDU) auf das schlechte Abschneiden seiner Partei bei den Landtagswahlen geübt. Diese seien "eine wirklich historische Zäsur für die CDU als Partei, als Volkspartei, gewesen", sagte Grünen-Chef Felix Banaszak am Montag in Berlin. Merz sende aber nur die Botschaft aus, "ich mache genau weiter wie bisher und irgendwann werden die Leute schon kapieren, wie toll das alles ist".

CDU-Wahlfiasko: Merz will umsteuern - SPD mahnt Änderungen bei Reformen an

In Mecklenburg-Vorpommern aus dem Landtag gewählt, in Berlin die Regierungsmehrheit verloren - die CDU steht nach den jüngsten Wahlen vor einem Scherbenhaufen. Bundeskanzler Friedrich Merz kündigte am Montag nach dem desaströsen Abschneiden seiner Partei eine grundlegende Kurskorrektur an. Wie der Kanzler bekannte sich auch die SPD zum Reformkurs der Bundesregierung, jedoch müsse es Änderungen an der "Substanz der Reform" geben.

Textgröße ändern: