The National Times - Russland greift zum Auftakt von G7-Gipfel erstmals seit drei Wochen wieder Kiew an

Russland greift zum Auftakt von G7-Gipfel erstmals seit drei Wochen wieder Kiew an


Russland greift zum Auftakt von G7-Gipfel erstmals seit drei Wochen wieder Kiew an
Russland greift zum Auftakt von G7-Gipfel erstmals seit drei Wochen wieder Kiew an / Foto: © AFP

Erstmals seit drei Wochen und genau zum Auftakt des G7-Gipfels in Deutschland haben russische Truppen wieder die ukrainische Hauptstadt Kiew angegriffen. In einem Wohnkomplex in Kiew schlugen am Sonntagmorgen nach Angaben von AFP-Reportern mehrere Raketen ein, vier Menschen wurden nach offiziellen Angaben verletzt. In der Ostukraine nahm die russische Armee zudem nach wochenlangen Kämpfen die Stadt Sjewjerodonezk vollständig ein.

Textgröße ändern:

Bei den Luftangriffen auf ein Stadtviertel im Nordwesten von Kiew, in dem auch eine zuvor bereits zweimal von Russland angegriffene Rüstungsfabrik liegt, wurden die obersten drei Etagen eines zehnstöckigen Hauses komplett zerstört. Mehrere Feuer brachen AFP-Reportern zufolge aus. Vier Menschen mussten nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko ins Krankenhaus gebracht werden, darunter ein sieben Jahre altes Mädchen.

Noch Stunden nach den morgendlichen Raketenangriffen hatte die Feuerwehr Mühe, die Flammen unter Kontrolle zu bringen. Die Mutter des verletzten Mädchens, nach ukrainischen Angaben eine rund 30 Jahre alte Frau mit russischer Staatsbürgerschaft, konnte nach mehrstündiger Arbeit aus den Trümmern des Hauses geborgen werden. Auch sie musste ins Krankenhaus. Ebenfalls von einer Rakete getroffen wurde ein Kindergarten in der Nähe, dabei wurde offenbar niemand verletzt.

Kiew war in den vergangenen Wochen nur selten Ziel russischer Angriffe, zuletzt Anfang Juni. Der Angriff am Sonntag solle die ukrainische Bevölkerung vor den Gipfeltreffen von G7 und Nato einschüchtern, erklärte Klitschko. Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba veröffentlichte auf Twitter ein Foto des auf der Trage liegenden Mädchens und schrieb dazu: "Ein siebenjähriges ukrainisches Kind hat friedlich in Kiew geschlafen - bis eine russische Rakete sein Haus explodieren ließ."

"Der G7-Gipfel sollte mit mehr Sanktionen gegen Russland und mehr schweren Waffen für die Ukraine antworten", forderte Kuleba mit Blick auf das Treffen der Staats- und Regierungschefs sieben großer Industriestaaten (G7), das am Sonntagmittag im bayerischen Elmau begann. Dort verurteilte US-Präsident Joe Biden die neuen Angriffe auf Kiew als "Barbarei" Russlands.

Der Ukraine-Krieg steht im Zentrum des G7-Gipfels in Elmau. Bereits kurz vor dessen Beginn kündigten Großbritannien, die USA, Japan und Kanada ein Verbot für die Einfuhr von Gold aus Russland an. Bei dem dreitägigen Gipfel soll, ebenso wie beim Nato-Gipfel ab Dienstag in Madrid, der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj per Video zu den Teilnehmern sprechen.

Der Staatschef vermeldete am Samstag eine Serie russischer Angriffe in verschiedenen Landesteilen. Dabei konzentrierten sich die russischen Truppen weiterhin vor allem auf den Osten der Ukraine. Nach wochenlangen Kämpfen gelang ihnen dort die vollständige Eroberung der strategisch wichtigen Stadt Sjewjerodonezk, wie Bürgermeister Oleksandr Strjuk am Samstag bestätigte. Am Freitag hatte die ukrainische Armee ihren Rückzug aus der weitgehend zerstörten Stadt bekannt gegeben, in der vor dem Krieg 100.000 Menschen wohnten.

Moskaus Truppen und pro-russische Separatisten kontrollieren nun nahezu die gesamte Region Luhansk. Die Einnahme von Sjewjerodonzek gilt als strategisch wichtiger Schritt, um auch verbleibende Gebiete unter ukrainischer Kontrolle in der ebenfalls zum Donbass gehörenden Region Donezk zu erobern.

Russland beschoss nach eigenen Angaben zudem drei militärische Ausbildungszentren im Westen in der Nähe der polnischen Grenze und im Norden der Ukraine. Dafür seien "Hochpräzisionswaffen" und "Kalibr-Raketen" eingesetzt worden, erklärte das Verteidigungsministerium in Moskau. Durch die Angriffe hätten mehrere ukrainische Brigaden "ihre Kampffähigkeiten vollständig eingebüßt".

Das russische Ministerium machte keine Angaben, von wo aus die Raketen abgefeuert worden waren. Der ukrainische Geheimdienst warf Moskau zuletzt vor, Raketen bewusst von Belarus aus abzufeuern und das Nachbarland so "als Mitkämpfer in den Krieg in der Ukraine hineinzuziehen".

Russlands Präsident Wladimir Putin sicherte zudem dem belarussischen Staatschef Alexander Lukaschenko am Samstag die Lieferung von atomwaffenfähigen Raketensystemen zu. Auch werde Moskau bei der Aufrüstung belarussischer Kampfflugzeuge helfen, damit diese künftig ebenfalls Atomwaffen transportieren können.

S.Ross--TNT

Empfohlen

AfD-Ko-Chefin Weidel: Hitler war "Linksextremist"

AfD-Ko-Chefin Alice Weidel hat ihre Einschätzung bekräftigt, wonach es sich bei NS-Diktator Adolf Hitler um einen "Linksextremisten" gehandelt habe. "Adolf Hitler hat eine völlig linksgerichtete Politik gemacht", sagte Weidel am Montag in Berlin auf die Frage eines niederländischen Journalisten. "Er war ein Linksradikaler, ein Linksextremist."

Schwesig attackiert Merz: Mit dem Finger auf andere zeigen reicht nicht aus

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) hat nach den Wahlen in ihrem Bundesland Kanzler Friedrich Merz (CDU) mit scharfen Worten angegriffen. Ein Bundeskanzler, der nur noch über fünf Prozent Zustimmung in ihrem Bundesland verfüge, "sollte sich selbst kritisch fragen, was er vielleicht bisher falsch gemacht hat", sagte sie am Montag in Berlin. "Einfach nur mit dem Finger auf andere zeigen, reicht nicht aus."

"Ergebnis ist niederschmetternd": Kubicki wertet Wahlen als Rückschlag für FDP

Der FDP-Bundesvorsitzende Wolfgang Kubicki hat die Niederlagen seiner Partei bei den Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern als Rückschlag gewertet. "Das Ergebnis ist in beiden Bereichen niederschmetternd, aber es bringt uns im Zweifel nicht um", sagte Kubicki am Montag in Berlin. Er räumte ein, "dass jede Niederlage dieser Art die Erzählung schwieriger macht: Beim nächsten Mal wird es auf jeden Fall funktionieren."

Schwesig kündigt Gespräche mit Grünen und Linken über Koalition an

Nach der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern will Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) mit Grünen und Linken Gespräche über eine mögliche Koalition führen. Dies werde sie am Montagabend den SPD-Gremien in dem Bundesland vorschlagen, sagte Schwesig am Vormittag im Willy-Brandt-Haus in Berlin. Sie sehe die 35,5 Prozent für die SPD als Auftrag der Wählerinnen und Wähler, "eine demokratische, stabile Regierung" zu bilden.

Textgröße ändern: