The National Times - Großbritannien hält an umstrittenen Abschiebeflügen nach Ruanda fest

Großbritannien hält an umstrittenen Abschiebeflügen nach Ruanda fest


Großbritannien hält an umstrittenen Abschiebeflügen nach Ruanda fest
Großbritannien hält an umstrittenen Abschiebeflügen nach Ruanda fest / Foto: © AFP

Großbritannien will trotz einer Intervention des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte an den umstrittenen Abschiebeflügen nach Ruanda festhalten. "Wir werden uns nicht entmutigen lassen", erklärte Innenministerin Priti Patel am Dienstagabend. Der für Dienstag geplante erste Abschiebeflug illegal ins Land gekommener Asylbewerber nach Ruanda war zuvor in letzter Minute vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) gestoppt worden.

Textgröße ändern:

Großbritannien hatte ein höchst umstrittenes Abkommen mit dem ostafrikanischen Land geschlossen, um Asylsuchende nach Ruanda auszufliegen. Dies soll Menschen abschrecken, die Überfahrt über den Ärmelkanal nach Großbritannien zu versuchen. Kigali erhält dafür von London zunächst 120 Millionen Pfund (140 Millionen Euro).

Das EGMR in Straßburg hatte jedoch angeordnet, dass zumindest einer der Asylbewerber vorerst in Großbritannien bleiben sollte. Der Iraker hatte angegeben, Folteropfer zu sein. Sein Asylverfahren war noch nicht abgeschlossen. Das Straßburger Gericht erklärte, die Ausweisung solle ausgesetzt werden, bis die britischen Gerichte eine endgültige Entscheidung über die Rechtmäßigkeit der Abschiebungen getroffen haben.

Dabei geht es um den Zugang der Abgeschobenen zu fairen Verfahren in Ruanda sowie die Einstufung des Landes als sicher. Diese Entscheidung ist für Juli vorgesehen. Patel bezeichnete das Eingreifen des EGMR als "sehr überraschend" und versprach, dass "viele der von diesem Flug entfernten Personen auf den nächsten Flug gesetzt werden".

Auch die Regierung in Ruanda erklärte, sie wolle an dem Abkommen mit London festhalten. "Wir lassen uns von diesen Entwicklungen nicht abschrecken", sagte Regierungssprecherin Yolande Makolo am Mittwoch. Kritik, dass Ruanda kein sicheres Land sei und schwere Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung seien, wies sie zurück. "In unseren Augen ist es keine Strafe, in Ruanda zu leben."

Ursprünglich waren für Dienstagabend 130 Abschiebungen anvisiert. Am Ende buchten die britischen Behörden 31 Tickets. Diese Tickets wurden nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Care4Calais nach und nach wegen ausstehender juristischer Entscheidungen wieder storniert.

Die britische Außenministerin Liz Truss hatte am Dienstag gesagt, sie könne die Kosten für den Flug nicht beziffern. Schätzungen zufolge sollen sie bei rund 288.000 Euro gelegen haben. Truss hatte die umstrittene Politik ihrer Regierung verteidigt. Es gehe darum, Menschenschmugglern das Geschäft zu erschweren und Migranten davon abzuhalten, ihr Leben auf der Flucht nach Großbritannien zu riskieren.

Das UN-Flüchtlingshilfswerk hält den britischen Ansatz hingegen für "völlig falsch". Die Kirche von England hatte die Maßnahme als "unmoralisch" und "beschämend" bezeichnet. Selbst der britische Thronfolger Prinz Charles findet die Politik Berichten zufolge "entsetzlich".

Für die konservative Regierung von Premierminister Boris Johnson ist das Eingreifen des EGMR und das Scheitern des ersten Flugs eine peinliche Schlappe. Die linksgerichtete "Daily Mirror" schrieb am Mittwoch von einer "grausamen Farce" der Regierung. Die konservativen Zeitungen "Daily Mail" und "Daily Express" warfen hingegen dem Straßburger Gericht einen "Missbrauch des Rechtssystems" vor.

Johnsons Regierung steht durch eine Rekordzahl an ankommenden Flüchtlingen aus Nordfrankreich politisch stark unter Druck. Der Premierminister hatte im Wahlkampf eine deutlich striktere Einwanderungspolitik nach dem Brexit angekündigt. Laut der Tageszeitung "The Telegraph" könnte die britische Regierung ihren Beitritt zur Europäischen Menschenrechtskonvention überdenken, um den EGMR auszuhebeln.

Britische Medien berichteten, dass auch am Dienstag 260 Menschen, die versucht hatten, in kleinen Booten den Ärmelkanal zu überqueren, in den Hafen von Dover gebracht wurden. Seit Anfang des Jahres haben mehr als 10.000 Menschen auf diese Weise die britische Grenze überquert.

A.M.Owen--TNT

Empfohlen

Merz: Gesetzliche Rente wird künftig nur noch "Basisabsicherung" sein

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat mit Blick auf die geplante Rentenreform zu einem Umdenken bei der Altersvorsorge aufgerufen. "Die gesetzliche Rentenversicherung allein wird allenfalls noch die Basisabsicherung sein für das Alter", sagte Merz am Montag beim Empfang zum 75. Jubiläum des deutschen Bankenverbands. "Sie wird nicht mehr ausreichen, auf Dauer den Lebensstandard zu sichern."

Erdogan kündigt nach tödlichen Schüssen an Schulen strengere Waffengesetze an

Nach zwei tödlichen Schusswaffenangriffen an Schulen in der Türkei hat Präsident Recep Tayyip Erdogan eine Verschärfung des Waffenrechts angekündigt. "Wir werden neue gesetzliche Regelungen einführen, um den Besitz von Schusswaffen einzuschränken", sagte Erdogan am Montag nach einer Kabinettssitzung. Die Strafen für Waffenbesitzer, die ihre Waffen nicht ordnungsgemäß sicherten, würden verschärft. Dies gelte insbesondere in Fällen, in denen Kinder Zugang zu den Waffen hätten.

Starmer räumt in Mandelson-Affäre Fehler ein - bestreitet aber Irreführung des Parlaments

Der britische Premierminister Keir Starmer hat die Ernennung des Epstein-Vertrauten Peter Mandelson zum britischen Botschafter in den USA als Fehler bezeichnet. "Ich hätte Peter Mandelson nicht ernennen sollen", sagte Starmer am Montag vor dem Parlament. Er bestritt jedoch, das Parlament in die Irre geführt zu haben.

US-Delegation bricht zu Iran-Gesprächen nach Pakistan auf - Teilnahme Teherans unklar

Zwei Tage vor dem Ende der zweiwöchigen Waffenruhe im Iran-Krieg herrscht Ungewissheit über die Fortsetzung der Verhandlungen zwischen Washington und Teheran: Der Iran hat nach Angaben seines Außenministeriums "noch keine Entscheidung" über eine Teilnahme an Gesprächen mit den USA in Pakistan getroffen. US-Präsident Donald Trump sagte am Montag, eine Verlängerung der Waffenruhe sei "höchst unwahrscheinlich". Er drohte dem Iran erneut mit massiven Angriffen, falls die Feuerpause ohne neue Einigung ausläuft.

Textgröße ändern: