The National Times - Streit zwischen Südafrika und USA um Landenteignung eskaliert

Streit zwischen Südafrika und USA um Landenteignung eskaliert


Streit zwischen Südafrika und USA um Landenteignung eskaliert
Streit zwischen Südafrika und USA um Landenteignung eskaliert / Foto: © AFP/Archiv

Nach der Anordnung von Sanktionen gegen Südafrika durch US-Präsident Donald Trump wegen eines von ihm scharf kritisierten Gesetzes zur Landenteignung ist der Streit zwischen beiden Ländern am Wochenende eskaliert. Südafrika verurteilte die Maßnahmen am Samstag und sprach von einer "Desinformations- und Propagandakampagne". Trump begründete die Sanktionen unter anderem mit der politischen Nähe Südafrikas zum Iran und seiner Gegnerschaft zu Israel.

Textgröße ändern:

Zu dem südafrikanischen Landenteignungsgesetz steht in Trumps Dekret, dieses ermögliche es der südafrikanischen Regierung, "landwirtschaftlichen Eigentum von Angehörigen der ethnischen Minderheit" des Landes "ohne Entschädigung zu beschlagnahmen".

Der Republikaner bezog sich insbesondere auf ein vom südafrikanischen Präsidenten Cyril Ramaphosa im vergangenen Monat unterzeichnetes Gesetz zur Landenteignung. Dieses sieht vor, dass die Regierung nach staatlichen Enteignungen unter bestimmten Umständen keine Entschädigungszahlungen leisten muss. Aus Trumps Sicht ist das Gesetz diskriminierend, da es nach seiner Meinung die Beschlagnahme von Farmland weißer Farmer erlaubt.

Trump begründete die Sanktionen zudem mit Südafrikas "Völkermord"-Klage vor dem Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) gegen den engen Verbündeten Israel wegen seiner Kriegsführung im Gazastreifen - sowie den verstärkten Beziehungen des Landes zum Iran. Die Vereinigten Staaten könnten die südafrikanische Regierung "nicht unterstützen, wenn sie Rechtsverletzungen in ihrem Land begeht oder die Außenpolitik der Vereinigten Staaten untergräbt", hieß es dazu in dem Dekret.

Trumps Außenminister Marco Rubio hatte bereits am Mittwoch seine Teilnahme an dem Treffen der Außenminister der G20-Staaten in zwei Wochen im südafrikanischen Johannesburg abgesagt und dies mit der "anti-amerikanischen" Agenda des Landes begründet.

Als Teil der nun verhängten Sanktionen ordnete Trump an, sämtliche Finanzmittel für Südafrika einzufrieren, solange die südafrikanische Regierung "ihre ungerechten und unmoralischen Praktiken" fortsetze. Zu konkret betroffenen Finanzhilfen machte er zunächst keine Angaben. Trump sicherte zudem zu, "die Umsiedlung" von Menschen zu unterstützen, die der Ansicht seien, "Opfer ungerechter Rassendiskriminierung" geworden zu sein.

US-Außenministeriumssprecherin Tammy Brude erklärte später im Onlinedienst X, dass "verfolgte südafrikanische Farmer und andere unschuldige Opfer, die nur aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit ins Visier genommen werden, und sich für eine Umsiedlung in die USA entscheiden, willkommen sein werden". Die USA würden "die Rechte und Interessen" der Nachkommen von Siedlern verteidigen, die von Enteignungen ohne Entschädigung und anderen Missständen bedroht seien, fügte sie hinzu.

Die südafrikanische Regierung erklärte am Samstag, es sei "enttäuschend, dass solche Erzählungen" bei "Entscheidungsträgern" in den USA auf Gefallen stießen. Trumps Dekret zeuge von einem "Mangel an faktischer Klarheit" und ignoriere "Südafrikas tiefgreifende und schmerzhafte Geschichte von Kolonialismus und Apartheid".

Der Umgang mit Agrarland ist in Südafrika ein umstrittenes Thema. Drei Jahrzehnte nach dem Ende der Apartheid befindet sich der Großteil des Ackerlandes immer noch im Eigentum weißer Südafrikaner. Bemühungen, diese Ungleichheit zu beseitigen, wurden von Konservativen kritisiert, darunter auch dem in Südafrika geborenen Trump-Berater Elon Musk. Der Tech-Milliardär warf Südafrika in seinem Onlinedienst X vor, "offen rassistische Eigentumsgesetze" zu haben.

Die südafrikanische Regierung wies Trumps Angaben zurück und erklärte, das Gesetz ermögliche keine willkürlichen Enteignungen. Die Behörden müssten vielmehr zuerst versuchen, sich mit dem Eigentümer zu einigen.

Afriforum, eine Organisation, die sich dem Schutz und der Förderung der Identität von Afrikanern europäischer Herkunft verschrieben hat, drückte Trump hingegen ihre "große Wertschätzung" aus. Gleichzeitig betonte sie jedoch, dass der Platz der weißen Südafrikaner in ihrer Heimat sei.

Trump hatte Südafrika bereits Anfang Februar mit der Kürzung finanzieller Hilfe gedroht. Der südafrikanische Präsident Ramaphosa erklärte daraufhin, dass die US-Regierung Südafrika abgesehen von Hilfsgeldern zur Bekämpfung von HIV und Aids keine nennenswerten Finanzmittel bereitstelle.

C.Blake--TNT

Empfohlen

Ostbeauftragte Kaiser: Zeit ist reif für Bundespräsidentin aus Ostdeutschland

Die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Elisabeth Kaiser, hat anlässlich des Tages der Deutschen Einheit mehr ostdeutsche Spitzenpolitiker gefordert und sich für eine Bundespräsidentin aus Ostdeutschland ausgesprochen. "Wenn die Spitzen der Bundesrepublik Deutschland am 3. Oktober in Bremen zum Tag der deutschen Einheit zusammenkommen, fällt wieder mal auf, dass von Ihnen derzeit niemand aus Ostdeutschland kommt", sagte Kaiser der Neuen Osnabrücker Zeitung (Samstag).

Kritik an brasilianischer Justiz wegen Einmischung in TV-Debatte vor Präsidentschaftswahl

Zwei Tage vor der Präsidentschaftswahl in Brasilien ist die Justiz wegen ihrer Einmischung in die letzte geplante TV-Debatte vor dem Urnengang in die Kritik geraten. Drei brasilianische Medienverbände äußerten am Freitag ihre "tiefe Empörung über die richterliche Einmischung in zuvor festgelegte Regeln". Der Sender Globo hatte die Debatte nach zwei kurzfristigen Gerichtsentscheidungen abgesagt.

G7 geben bis zu 100 Millionen Barrel Rohöl und Diesel frei - Ölpreise fallen

Angesichts gestiegener Treibstoffpreise und auf Druck aus den USA haben die G7-Staaten am Freitag die Freigabe von bis zu 100 Millionen Barrel Diesel und Rohöl aus ihren Reserven vereinbart. Die Freigabe solle "sofort beginnen" und sich über vier Monate erstrecken, "einschließlich einer vorgezogenen umfangreichen Dieselfreigabe innerhalb der ersten 20 Tage", hieß es in der G7-Erklärung. Die Ölpreise gaben deutlich nach.

Bundespräsident Steinmeier reist am Donnerstag zu Staatsbesuch nach Frankreich

Auf Einladung des französischen Präsidenten Emmanuel Macron reist Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Donnerstag zu einem zweitägigen Staatsbesuch nach Frankreich. Der Besuch "würdigt die enge Freundschaft und tiefe Verbundenheit" zwischen Frankreich und Deutschland und "unterstreicht die Vielfalt ihrer Beziehungen", teilte das Bundespräsidialamt am Freitag mit. Es handelt sich um den ersten Staatsbesuch eines deutschen Bundespräsidenten in Frankreich seit 13 Jahren.

Textgröße ändern: