The National Times - Lindners Steuerpläne sorgen für den nächsten Koalitionsstreit

Lindners Steuerpläne sorgen für den nächsten Koalitionsstreit


Lindners Steuerpläne sorgen für den nächsten Koalitionsstreit
Lindners Steuerpläne sorgen für den nächsten Koalitionsstreit / Foto: © AFP

In der Bundesregierung ist der nächste Koalitionsstreit zwischen FDP und Grünen entbrannt - diesmal geht es um die Steuerpläne von Finanzminister Christian Lindner (FDP) und höhere Beitragsbemessungsgrenzen in der Sozialversicherung. Grüne und Liberale warfen sich am Dienstag gegenseitig vor, die Vorhaben zu blockieren.

Textgröße ändern:

Hintergrund sind Pläne des Bundesfinanzministeriums zum Abbau der sogenannten kalten Progression, also von schleichenden Steuererhöhungen durch die Inflation. Für Entlastung sorgen soll eine Verschiebung der Einkommensteuertarife "nach rechts" - so werden höhere Steuersätze erst mit höheren Einkommen fällig. Zudem soll der Grundfreibetrag angehoben werden, der steuerfrei ist. Beides soll der steuerlichen Entlastung dienen und war im Sommer vom Bundeskabinett beschlossen worden.

Laut FDP wollen die Grünen den Entwurf zum Steuerfortentwicklungsgesetz nun aber nicht im Bundestag verabschieden. Er habe "kein Verständnis", dass dieses Gesetz "und damit der Ausgleich der kalten Progression in dieser Woche wegen einer Blockade der grünen Fraktion noch nicht auf der Tagesordnung des Bundestags stehen wird", sagte der parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Fraktion, Johannes Vogel am Dienstag vor einer Fraktionssitzung. Aus Sicht der FDP-Fraktion sei das Gesetz fertig zur Abstimmung und zudem dringend notwendig, um die Steuerzahlenden zu entlasten.

FDP-Fraktionsvize Christoph Meyer sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Blockade sei "wieder typisch" für die Grünen. "Man kann sich auf deren Worte nicht verlassen. Auch dem Letzten muss jetzt klar sein, dass die Grünen die Wachstums- und Entlastungsmaßnahmen für Menschen und Wirtschaft torpedieren und bewusst hintertreiben", sagte er. "Die Grünen gönnen der arbeitenden Bevölkerung keinen Euro in der Tasche, wollen die heimlichen Steuererhöhungen über die kalte Progression."

Laut "Bild"-Zeitung halten die Grünen die zum Jahreswechsel von Lindner geplante Anhebung des Grundfreibetrags auf 12.096 Euro für zu hoch. Auch die geplante Verschiebung des Einkommensteuertarifs um 2,6 Prozent falle zu hoch aus. Dadurch würden Besserverdiener zu stark entlastet, hieß es. Parteichef Lindner sagte der Zeitung: "Die Grünen sollten Respekt vor den Steuerzahlern zeigen. Ich fordere sie auf, ihre Blockade der Steuergesetze aufzugeben."

Der Finanzminister reagierte darauf mit einer Blockade der Anhebung der Beitragsbemessungsgrenzen. Diese könne es nicht geben, solange es keine Klarheit über die Steuerpläne gebe, sagte Lindner. Eine Erhöhung der Bemessungsgrenzen - also den Einkommenshöhen, bis zu denen Sozialversicherungsbeiträge gezahlt werden müssen - würde eher Besserverdienende stärker belasten. FDP-Parlamentsgeschäftsführer Vogel zeigte "Verständnis" für die Haltung des Finanzministeriums.

Die Grünen wiesen die Vorwürfe, die Steuerpläne Lindners zu blockieren, zurück. "Wir halten wirtschaftliche Impulse, die auch mit steuerlichen Fragen verbunden sind, für richtig und gut", sagte Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann vor einer Fraktionssitzung. "Das Steuerfortentwicklungsgesetz steht selbstverständlich zum Abschluss auf unserer Agenda." Sie gehe davon aus, dass eine Formulierungshilfe zum Gesetz am Mittwoch im Kabinett beschlossen werde.

"Wenn wir dann den Bericht, die Zahlen, Daten, Fakten und Grundlagen für die Beratungen hier im Parlament vorliegen haben, werden wir das sicher sehr zügig beschließen", sagte Haßelmann.

Die Grünen-Politikerin warf der FDP wiederum eine Blockade bei der Anpassung der Beitragsbemessungsgrenze vor. Diese bestehe "seit Wochen", so Haßelmann. Sie halte es aber "für zwingend notwendig, dass wir diese Woche die Verordnung zur Beitragsbemessungsgrenze regeln". Es gehe darum, untere und mittlere Einkommen vor höheren Beiträgen zu bewahren. Haßelmann appellierte an Lindner, die Blockade aufzugeben.

Wie und wann der Streit beigelegt wird, war zunächst unklar. Laut "Bild"-Zeitung wird derzeit an einer Lösung gearbeitet. Die Höhe der Sozialversicherungsbeiträge ist aber derzeit ohnehin Diskussionsgegenstand. Hintergrund sind Berichte über die finanzielle Schieflage der Pflegeversicherung und eine anstehende Berechnung des Schätzerkreises zum Krankenversicherungsbeitrag.

O.Nicholson--TNT

Empfohlen

Steinmeier beginnt zweitägigen Staatsbesuch in Frankreich

Zum Auftakt seines zweitägigen Staatsbesuchs in Frankreich wird Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Donnerstag (10.00 Uhr) vom französischen Staatschef Emmanuel Macron mit militärischen Ehren am Pariser Triumphbogen begrüßt. Anschließend sind ein Gespräch mit Macron im Elysée-Palast und eine gemeinsame Presseerklärung geplant. Am Abend soll ein Staatsbankett im Elysée stattfinden.

Bundestag debattiert über Einkommensteuerreform

Der Bundestag debattiert am Donnerstag (09.00 Uhr) über die geplante Einkommensteuerreform. Die Abgeordneten befassen sich in erster Lesung mit dem Vorhaben, das innerhalb der Koalition kontrovers diskutiert wird und vorsieht, vor allem kleine und mittlere Einkommen und insbesondere Familien zu entlasten. In erster Lesung wird außerdem über die geplante Strukturreform der Kinder- und Jugendhilfe sowie die Neuregelung des Wohngeldes debattiert.

Britischer Premierminister Burnham zu Antrittsbesuch bei Merz

Der britische Premierminister Andrew Burnham kommt am Donnerstag zu seinem Antrittsbesuch nach Berlin. Dabei wollen Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und der seit Juli amtierende Premier die Ratifikationsurkunden zum deutsch-britischen Freundschaftsvertrag austauschen, der damit in Kraft tritt. Der sogenannte Kensington-Vertrag sieht eine engere Zusammenarbeit in zahlreichen Bereichen vor, darunter in der Außen- und Sicherheitspolitik wie auch in der Wirtschaft. Unterzeichnet worden war der Vertrag im Juli 2025 von Merz und Burnhams Vorgänger Keir Starmer.

Ex-Geisel Eli Scharabi erinnert in Tel Aviv an Opfer des Hamas-Überfalls vor drei Jahren

Am dritten Jahrestag des Hamas-Überfalls auf Israel haben die Menschen im ganzen Land der Opfer gedacht. Bei einer Gedenkveranstaltung am Mittwochabend in Tel Aviv erinnerte die frühere Hamas-Geisel Eli Scharabi an all jene, die am 7. Oktober 2023 von den Islamisten getötet und verschleppt wurden, darunter seine Familie. Das Versagen der Sicherheitsbehörden an jenem Tag ist das bestimmende Thema vor der Parlamentswahl Ende Oktober.

Textgröße ändern: