The National Times - SPD-Politiker Roth rät zu Verzicht auf Begriff "Staatsräson"

SPD-Politiker Roth rät zu Verzicht auf Begriff "Staatsräson"


SPD-Politiker Roth rät zu Verzicht auf Begriff "Staatsräson"
SPD-Politiker Roth rät zu Verzicht auf Begriff "Staatsräson" / Foto: © AFP

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Michael Roth (SPD), hat die deutsche Politik aufgefordert, den Begriff der "Staatsräson" nicht mehr zu verwenden. "Ich glaube, dieser Verantwortung, die aus diesem Begriff erwächst, sind wir nicht gerecht geworden", sagte Roth am Montag im Deutschlandfunk mit Blick auf "dieses schmerzhafte Jahr" in Nahost. Deutschland und Europa hätten es "nicht vermocht, einen empathischen Zugang zu einem schwer traumatisierten Volk zu finden", sagte Roth.

Textgröße ändern:

Der Begriff der Staatsräson sei vielleicht "eine Ausrede für manche, weil er so technokratisch daherkommt, sich nicht empathisch Israel zuzuwenden", sagte der SPD-Außenpolitiker am Jahrestag des Hamas-Angriffs auf Israel. Er habe bisweilen den Eindruck, "wir verstecken uns hinter diesem juristisch durchtränkten, kalten Begriff der Staatsräson". Roth schlug stattdessen vor: "Warum sind wir nicht einfach Freundinnen und Freunde? Das ist ein Begriff, mit dem können die Menschen etwas anfangen."

Mit Blick auf israelfeindliche Demonstrationen und Veranstaltungen etwa an Hochschulen in Deutschland kritisierte Roth die gesellschaftlichen Debatten hierzulande. Diese seien in Teilen von "blankem Israelhass" und "blankem Hass auf Jüdinnen und Juden" geprägt. Er habe den Eindruck, "dass man nach wie vor nicht in der Lage ist, die schwere Traumatisierung und den Schmerz Israels angemessen nachzuvollziehen".

Geprägt hatte den Begriff der Staatsräson die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Er ist gesetzlich oder verfassungsrechtlich nicht genau definiert und nicht bindend. Die Ampel-Parteien hatten 2021 in ihrem Koalitionsvertrag ein Bekenntnis zum Begriff Staatsräson verankert.

Bei dem Großangriff der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas auf Israel am 7. Oktober vergangenen Jahres waren nach israelischen Angaben rund 1205 Menschen getötet worden. Zudem verschleppte die Hamas 251 Menschen als Geiseln in den Gazastreifen. 97 der Geiseln werden weiterhin festgehalten, von denen allerdings 33 von Israel offiziell für tot erklärt wurden.

Israel geht seit dem Hamas-Überfall massiv militärisch im Gazastreifen vor. Dabei wurden nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums, die nicht unabhängig überprüft werden können, bisher mehr als 41.800 Menschen getötet.

T.Ward--TNT

Empfohlen

Steinmeier mit militärischen Ehren zu Staatsbesuch in Paris empfangen

Zum Auftakt seines Staatsbesuchs in Frankreich hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Pariser Triumphbogen das Grabmal des Unbekannten Soldaten besucht. Steinmeier erwies den im Ersten Weltkrieg getöteten französischen Soldaten am Donnerstag mit einem Blumengebinde seine Ehre. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron empfing den Bundespräsidenten mit militärischen Ehren.

Tedros-Nachfolge: China schickt eigene Kandidatin ins Rennen um WHO-Chefposten

China schickt eine eigene Kandidatin für den Chefposten bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ins Rennen. Die Gesundheitsexpertin Song Li bewerbe sich um die Nachfolge von WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus, sagte Außenamtssprecherin Mao Ning am Donnerstag in Peking.

Kommunikation über Koalitionsausschuss: SMS statt Pressekonferenz

Themen und Streitpunkte gab es vor der Sitzung des Koalitionsausschusses am Mittwochabend genug - kommuniziert wurde über das Treffen aber so gut wie gar nicht. Bei vorherigen Sitzungen wurden im Anschluss Mitteilungen mit den gefassten Beschlüssen verschickt und kurzfristig Pressekonferenzen mit den Koalitionsspitzen angesetzt. Dieses Mal gelang nur eine SMS an die Öffentlichkeit.

Israel ordnet Abzug von Diplomaten an: Britisches Konsulat in Jerusalem stellt Arbeit ein

Einen Monat nach einer entsprechenden Anordnung der israelischen Regierung hat das britische Konsulat in Ost-Jerusalem am Donnerstag seine Arbeit eingestellt. "Der Generalkonsul und 20 Diplomaten (...) haben ihre Mission beendet und werden Israel verlassen", erklärte der israelische Außenminister Gideon Saar. Nach seinen Angaben sollen sieben britischen "Diplomaten mit einem sehr begrenzten Tätigkeitsbereich" vor Ort bleiben.

Textgröße ändern: