The National Times - Union will im Bundestag Druck auf Scholz in Waffenfrage machen

Union will im Bundestag Druck auf Scholz in Waffenfrage machen


Union will im Bundestag Druck auf Scholz in Waffenfrage machen
Union will im Bundestag Druck auf Scholz in Waffenfrage machen / Foto: © AFP

In der Diskussion um eine Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine will die Union den Druck auf Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) erhöhen. CDU/CSU-Vizefraktionschef Johann Wadephul (CDU) stellte für kommende Woche einen Antrag seiner Fraktion im Bundestag zugunsten der Lieferung schwerer Waffen in Aussicht, falls sich Scholz nicht selbst klar für solche Lieferungen ausspreche. Kritik an Scholz in dieser Frage kam erneut auch von seinen Regierungspartnern Grüne und FDP.

Textgröße ändern:

Wadephul forderte Scholz auf, "endlich grünes Licht für die Lieferung schwerer Waffen" zu geben. Der CDU-Außenexperte warf dem Kanzler Führungsschwäche vor. "Wann wird ihm klar, dass Führung nicht in der wortlosen Weigerung besteht?", schrieb Wadephul auf Twitter. Er schlug vor, dass Deutschland die Lieferung der Waffen nach dem Vorbild Großbritanniens und der USA mit der Ausbildung ukrainischer Militärs an diesen Waffen verbinde.

Der Grünen-Politiker Anton Hofreiter sagte dem Sender "Welt", er bewerte den Unionsvorstoß für einen Entschlussantrag im Bundestag "sehr skeptisch". Hofreiter, der für die Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine wirbt, erneuerte seine Kritik an Scholz: Es gebe derzeit das "Problem, dass wir einen Bundeskanzler haben, der nicht ausreichend führt; und einen Oppositionsführer, der sich immer in kleinteiligen Geländegewinnen gegenüber der Regierung versucht".

Die FDP-Verteidigungspolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann, die in der Waffenfrage die Haltung Hofreiters teilt, argumentierte, dass die Angst vor einer Eskalation des Ukraine-Kriegs im Falle von Waffenlieferungen nicht Richtschnur deutscher Politik sein dürfe. "Putin ist sowieso unberechenbar für uns", sagte sie der Düsseldorfer "Rheinischen Post" vom Dienstag. "Wir sollten uns nicht hinter Eskalationsszenarien verschanzen."

Der SPD-Außenpolitiker Michael Müller wies diese Argumentationslinie der Koalitionspartner zurück. Diejenigen, die schwere Waffen für die Ukraine wollen, "sollen sagen, wir sind bereit soweit zu helfen, dass wir billigend in Kauf nehmen werden, dass der Konflikt eskaliert", sagte der Bundestagsabgeordnete den Sendern RTL und ntv.

SPD-Chefin Saskia Esken verwies darauf, dass die Bundeswehr aus eigenen Beständen nicht mehr lieferfähig sei. Es gebe aber andere Möglichkeiten, sagte Esken im ZDF und nannte die Industrie und Partnerländer: "Wir werden alles versuchen, um Lieferungen auch möglich zu machen."

Der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter äußerte Kritik an der geplanten Aufstockung der deutschen Militärhilfe. "Geld klingt wie Freikaufen", sagte Kiesewetter im ZDF. Die Bundesregierung solle "tatkräftiger" und "zum Sicherheitsgeber werden - das geht auch, wenn wir schwere Waffen liefern".

Insbesondere die SPD steht in der Kritik, beim Thema Lieferung schwerer Waffen zu zögerlich zu sein. In der Ampel-Koalition sind es vor allem Politikerinnen und Politiker von Grünen und FDP, die für die Lieferung solcher Waffen plädieren.

Deutschland liefert bislang keine schweren Waffen wie etwa Panzer an die Ukraine, obwohl die ukrainische Seite dies mit Nachdruck einfordert. Zur Begründung verweist die Bundesregierung unter anderem auf notwendige Absprachen mit Partnerländern sowie darauf, dass ukrainische Soldaten nicht für die Geräte ausgebildet seien.

Der polnische Vize-Außenminister Szymon Szynkowski vel Sek forderte Deutschland angesichts der russischen Offensive in der Ostukraine zum Handeln auf. Das Zögern der Bundesregierung, das er seit Wochen beobachte, sei enttäuschend, sagte Szynkowski vel Sek im RBB-Inforadio. Er fordere so schnell wie möglich - am besten sofort - ein Öl-, Gas- und Kohle-Embargo. Die Ukraine müsse auch mehr Waffen und eine konkrete EU-Beitrittsperspektive bekommen.

D.Kelly--TNT

Empfohlen

Trump fordert Nato-Beteiligung in Straße von Hormus

In der Frage um einen internationalen Marineeinsatz zur Sicherung der Schifffahrt durch die für die internationale Ölversorgung wichtige Straße von Hormus hat US-Präsident Donald Trump den Druck auf Verbündete erhöht. Eine ausbleibende Unterstützung durch Nato-Verbündete wäre "sehr schlecht" für die Zukunft des Verteidigungsbündnisses, sagte Trump in einem am Sonntag veröffentlichten Interview mit der britischen "Financial Times". Trump drohte zudem mit der Verschiebung seiner Reise nach China. Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) schloss eine deutsche Beteiligung aus, auch Australien und Japan lehnten ab.

Steinmeier besucht Panama zum Auftakt von Mittelamerika-Reise

Mit einem Besuch in Panama beginnt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Montag eine Reise durch drei Staaten Mittelamerikas. Steinmeiers Visite in Panama ist die erste eines Bundespräsidenten dort überhaupt. Am Vormittag kommt er in Panama-Stadt mit Präsident José Raúl Mulino Quintero zusammen, danach ist eine gemeinsame Pressebegegnung geplant (17.30 Uhr MEZ). Am Dienstag reist Steinmeier weiter nach Guatemala, am Mittwoch nach Mexiko.

SPD und CDU in Brandenburg unterzeichnen Koalitionsvertrag

In Brandenburg unterzeichnen SPD und CDU am Montag (11.00 Uhr) ihren Koalitionsvertrag. An dem Termin im Landtag in Potsdam sollen nach CDU-Angaben unter anderem Ministerpräsident und SPD-Landeschef Dietmar Woidke sowie CDU-Landesvorsitzender Jan Redmann teilnehmen. Beide Parteien hatten am Wochenende den Weg für das neue Regierungsbündnis freigemacht - die SPD auf einem Landesparteitag, die CDU durch eine Mitgliederabstimmung.

EU-Energieminister beraten vor dem Hintergrund steigender Öl- und Gaspreise

Vor dem Hintergrund steigender Öl- und Gaspreise infolge des Iran-Kriegs treffen sich am Montag die Energieminister der EU in Brüssel. Das Treffen dient der Vorbereitung des EU-Gipfels am Donnerstag, bei dem es unter anderem um mögliche Entlastungen für Privathaushalte und Unternehmen angesichts der steigenden Energiepreise gehen soll. Doch auch der EU-Emissionshandel sowie die Regulierung des Elektrizitätsmarktes stehen auf der Agenda der Minister.

Textgröße ändern: