The National Times - Familie: Neuer Prozess gegen Nobelpreisträgerin Mohammadi im Iran ab Sonntag

Familie: Neuer Prozess gegen Nobelpreisträgerin Mohammadi im Iran ab Sonntag


Familie: Neuer Prozess gegen Nobelpreisträgerin Mohammadi im Iran ab Sonntag
Familie: Neuer Prozess gegen Nobelpreisträgerin Mohammadi im Iran ab Sonntag / Foto: © NARGES MOHAMMADI FOUNDATION/AFP/Archiv

Der iranischen Nobelpreisträgerin Narges Mohammadi wird ihrer Familie zufolge ein neuer Prozess in ihrer Heimat gemacht. Es geht um ihren Vorwurf, dass iranische Sicherheitskräfte weibliche Gefangene sexuell angreifen, wie ihre Familie am Samstag mitteilte. Die Anklage laute auf "Propaganda" gegen die Regierung. Der Prozess soll demnach am Sonntag beginnen. Die Behörden äußerten sich nicht dazu.

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Die Menschenrechtsaktivistin, die für ihr Engagement im vergangenen Jahr mit den Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, hatte im April vom Gefängnis aus eine Audio-Botschaft versandt, in der sie einen "großangelegten Krieg gegen Frauen" in der Islamischen Republik Iran anprangerte.

Ihre Familie zitierte nun Mohammadi mit der Forderung, bei dem Prozess ab Sonntag die Öffentlichkeit zuzulassen, so dass "Zeugen und Überlebende die sexuellen Angriffe des Islamischen Regimes gegen Frauen bezeugen" könnten. Mohammadi rief betroffene Frauen auch auf, ihre Erfahrungen mit Festnahmen und sexuellen Übergriffen durch staatliche Vertreter öffentlich zu machen.

Dabei verwies die Menschenrechtsaktivistin auf den Fall der Journalistin und Studentin Dina Ghalibaf, die nach Angaben von Bürgerrechtsgruppen festgenommen worden war, nachdem sie Sicherheitskräften vorgeworfen hatte, ihr bei einer früheren Festnahme in einer U-Bahn-Station Handschellen angelegt und sie sexuell angegriffen zu haben. Ghalibaf wurde später wieder frei gelassen.

Die Behörden im Iran haben in den vergangenen Wochen ihr Vorgehen gegen Frauen verschärft, die sie dazu zwingen wollen, den strikten islamischen Regeln des Landes etwa bei den Kleidervorschriften und beim Tragen des Kopftuchs zu folgen. Dabei kommt auch Video-Überwachung zum Einsatz.

Die 52-jährige Mohammadi ist seit November 2021 im berüchtigten Evin-Gefängnis in Teheran inhaftiert und hat ihren Mann und ihre beiden Kinder seit mehreren Jahren nicht mehr gesehen. Der Prozess am Sonntag wird das vierte derartige Verfahren gegen sie sein. Ihrer Familie zufolge wurde sie bereits zu insgesamt zwölf Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt sowie 154 Peitschenhieben, zwei Jahren Exil und verschiedenen sozialen und politischen Einschränkungen. Sie weigert sich auch im Gefängnis, das Kopftuch zu tragen.

Im Iran war es zu Massenprotesten nach dem Tod der 22-jährigen Kurdin Mahsa Amini im September 2022 gekommen. Sie war damals von der Polizei festgenommen worden, weil sie sich angeblich nicht an die strikten islamischen Kleidervorschriften gehalten hatte. Regierungskritiker warfen der Polizei danach vor, die junge Frau im Polizeigewahrsam misshandelt zu haben. Die Sicherheitskräfte gingen bei den monatelangen, landesweiten Protesten unter dem Motto "Frauen, Leben, Freiheit" massiv gegen die Demonstrierenden vor, darunter sehr viele Frauen. Hunderte Menschen wurden getötet, tausende festgenommen.

Im Iran wurden unterdessen sieben Menschen hingerichtet, darunter zwei Frauen, wie die in Norwegen ansässige Menschenrechtsorganisation IHR mitteilte. In Nishapur im Osten des Landes wurde demnach eine 27-Jährige wegen des Mordes an ihrem Mann gehängt, der auch ihr Cousin war. Eine 53-jährige Mutter von zwei Kindern wurde den Angaben zufolge in Urmia im Nordwesten zusammen mit fünf Männern wegen Drogenhandels gehängt. Dem IHR zufolge wurden seit Jahresbeginn 223 Hinrichtungen im Iran gezählt.

F.Morgan--TNT

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