The National Times - Nehammer reist als erster westlicher Regierungschef in Ukraine-Krieg nach Moskau

Nehammer reist als erster westlicher Regierungschef in Ukraine-Krieg nach Moskau


Nehammer reist als erster westlicher Regierungschef in Ukraine-Krieg nach Moskau
Nehammer reist als erster westlicher Regierungschef in Ukraine-Krieg nach Moskau

Erstmals seit Beginn des Ukraine-Krieges wird am Montagnachmittag ein europäischer Regierungschef in Moskau erwartet. Österreichs Bundeskanzler Karl Nehammer erklärte vor seinem Treffen mit Kreml-Chef Wladimir Putin, er wolle alles dafür tun, "damit Schritte Richtung Frieden unternommen werden" - auch wenn die Chancen gering seien, wirklich etwas zu erreichen. Derweil verstärkten die ukrainischen Behörden ihre Warnungen vor einer großen russischen Offensive im Osten des Landes.

Textgröße ändern:

Nehammer sieht sich nach eigenen Angaben als "Brückenbauer". Er wolle in seinem Gespräch mit Putin aber "nicht moralisch neutral" sein, sondern er werde die "Kriegsverbrechen" in der Ukraine ansprechen, unter anderem im Kiewer Vorort Butscha. Nach ukrainischen Angaben wurden in den bis vor kurzem von russischen Truppen belagerten Gebieten rund um Kiew bislang mehr als 1200 Leichen entdeckt.

Die Initiative zu dem Treffen mit Putin sei von ihm ausgegangen, sagte Nehammer. Er habe die Bundesregierung in Berlin sowie die EU-Spitzen und den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj im Vorfeld informiert. Nehammer hatte Selenskyj am Samstag in Kiew besucht. Österreich ist EU-, aber kein Nato-Mitglied.

Unterdessen richten sich in der Ukraine die Blicke gen Osten, wo die Regierung in Kiew vor einem Großangriff der russischen Streitkräfte warnt. "Die russischen Truppen werden zu noch größeren Operationen im Osten unseres Staates übergehen", sagte Selenskyj am Sonntagabend.

"Die Schlacht um den Donbass wird mehrere Tage dauern, und während dieser Tage könnten unsere Städte vollständig zerstört werden", erklärte der ukrainische Gouverneur der Region Luhansk, Serhij Gajdaj, auf Facebook. "Wir bereiten uns auf ihre Aktionen vor. Wir werden darauf reagieren", erklärte er mit Blick auf die erwarteten Angriffe, während die ukrainischen Streitkräfte entlang der Frontlinie zu den Gebieten der pro-russischen Separatisten neue Gräben anlegten und die Straßen mit Minen und Panzersperren blockierten.

Viele verbliebene Einwohner der Ostukraine haben Gajdaj zufolge nach dem Angriff auf den Bahnhof von Kramatorsk Angst, sich auf den Weg Richtung Westen zu machen. Bei dem Raketenangriff am Freitag wurden insgesamt 57 Menschen getötet. Russland wies die Verantwortung für den Angriff zurück.

"Manchmal flehen wir sie an, aus ihren Verstecken zu kommen, weil wir wissen, was als Nächstes kommt", sagte Gajdaj über die Evakuierungsbemühungen der Behörden. Er warnte, dass die russischen Streitkräfte "alles zerstören werden, was sich ihnen in den Weg stellt".

Der Chef der ukrainischen Eisenbahnen, Alexander Kamyschin, erklärte am Montag, dass in der Nacht ein weiterer Bahnhof im Osten des Landes angegriffen worden sei. "Sie zielen weiterhin auf die Eisenbahninfrastruktur", teilte er mit.

Bei Angriffen auf die Großstadt Charkiw im Nordosten der Ukraine wurden zudem nach ukrainischen Angaben am Sonntag mindestens elf Menschen getötet, darunter ein siebenjähriges Kind.

Experten gehen davon aus, dass Putin am 9. Mai, dem Tag der Befreiung von Nazi-Deutschland, einen Sieg im Donbass verkünden will. Anlässlich der Feierlichkeiten findet jedes Jahr eine riesige Militärparade auf dem Roten Platz in Moskau statt.

Am Rande des EU-Außenministertreffens in Luxemburg plädierte Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) für schwere Waffen für die Ukraine. "Jetzt ist keine Zeit für Ausreden, sondern jetzt ist Zeit für Kreativität und Pragmatismus", sagte Baerbock. Seit Wochen fordert Kiew mehr Waffenlieferungen von Deutschland. Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) verwies zuletzt auf Lieferprobleme der Bundeswehr.

Bei dem EU-Treffen in Luxemburg geht es auch um ein Öl-Embargo gegen Russland, das die Regierung in Kiew sowie Polen und die Baltenstaaten schon länger fordern.

T.Bailey--TNT

Empfohlen

Trotz Waffenruhe mit Hisbollah: Zahlreiche Tote bei neuen israelischen Angriffen im Libanon

Ungeachtet einer am Tag zuvor verkündeten Waffenruhe haben sich Israel und die Hisbollah-Miliz am Samstag erneut gegenseitig angegriffen. Bei israelischen Luftangriffen wurden nach libanesischen Angaben im Süden des Landes mehr als 20 Menschen getötet. Israels Armee erklärte, sie habe als Reaktion auf den nächtlichen Beschuss israelischer Soldaten durch die Hisbollah Stellungen der vom Iran unterstützten Miliz ins Visier genommen. Der US-Sondergesandte Steve Witkoff reiste derweil im Zusammenhang mit den geplanten Iran-Verhandlungen in die Schweiz.

CDU in Bremen bestätigt Landeschef Strohmann in Amt

Die CDU in Bremen hat ihren Landesvorsitzenden Heiko Strohmann im Amt bestätigt. Bei einem Parteitag in der Hansestadt erhielt der 58-jährige Bürgerschaftsabgeordnete am Samstag 131 von 162 Delegiertenstimmen, wie die CDU mitteilte. Strohmann führt den Landesverband der Christdemokraten seit November 2023, davor war er rund zwei Jahre lang CDU-Fraktionschef in der Bürgerschaft.

Diplomatischer Eklat: Ukrainische Politiker geben polnische Auszeichnungen zurück

Im Streit zwischen Polen und der Ukraine um die Weltkriegs-Vergangenheit wollen führende ukrainische Politiker aus Protest polnische Auszeichnungen zurückgegeben. Der ukrainische Präsidentenberater Kyrylo Budanow sowie der ukrainische Botschafter in Warschau, Wasyl Bodnar, erklärten am Samstag, sie würden aus Solidarität mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj Auszeichnungen zurückgeben, die sie von Polen erhalten hätten.

Mikrozensus: Drei Viertel aller jungen Syrer und Afghanen ohne Ausbildungsabschluss

Ein Großteil der jungen Menschen aus den Asylherkunftsländern Syrien und Afghanistan hat keinen anerkannten beruflichen Abschluss. Im Jahr 2025 hatten 74,5 Prozent der Syrer im Alter von 25 bis 34 Jahren in Deutschland keinen beruflichen Abschluss, bei den Afghanen waren es 72,1 Prozent: Dies geht aus Daten des Mikrozensus hervor, die das Bundesbildungsministerium auf Anfrage der AfD-Fraktion zur Verfügung stellte und aus denen die "Welt am Sonntag" zitierte.

Textgröße ändern: