The National Times - Pistorius: Gesellschaftliche Debatte zur Wehrpflicht muss "jetzt" geführt werden

Pistorius: Gesellschaftliche Debatte zur Wehrpflicht muss "jetzt" geführt werden


Pistorius: Gesellschaftliche Debatte zur Wehrpflicht muss "jetzt" geführt werden
Pistorius: Gesellschaftliche Debatte zur Wehrpflicht muss "jetzt" geführt werden / Foto: © AFP

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat sich bei seinem Besuch in Norwegen erneut offen für eine Wiedereinführung der Wehrpflicht in Deutschland gezeigt. "Ich begrüße den Vorschlag von Eva Högl ausdrücklich, weil er in die richtige Richtung geht", sagte Pistorius am Donnerstag mit Blick auf die Wehrbeauftragte des Bundestags, die zuvor eine Debatte "um neue Modelle und Konzepte" zu dem Thema gefordert hatte.

Textgröße ändern:

"Wir brauchen etwas in dieser Richtung und darüber muss die gesellschaftliche Debatte jetzt geführt werden", betonte Pistorius bei seinem Besuch in Norwegen. Am Mittwoch hatte er gesagt, in Zeiten, "in denen es keine militärische Bedrohung in Europa gab", sei "vertretbar" gewesen, auf die Wehrpflicht zu verzichten. "Ich glaube nur, dass wir jetzt auf Zeiten zulaufen, in denen wir umsteuern müssen", hatte er nach einem Besuch von Beobachtungsposten an der norwegisch-russischen Grenze gesagt.

Es gehe bei den Überlegungen sowohl um "die Frage der personellen Stärkung der Bundeswehr" als auch um "die gemeinschaftliche gesellschaftliche Verantwortung" für die Sicherheit. "Wir müssen uns fragen: Wofür wollen wir Wehrpflichtige haben?" Letztlich gehe es darum, "das Bewusstsein zu wecken dafür, dass Jeder und Jede einen Beitrag zu unser aller Sicherheit leisten kann", so Pistorius.

Högl und der Reservistenverband hatten sich zuvor für neue Konzepte ausgesprochen. "Niemand möchte die alte Wehrpflicht reaktivieren. Bei der Debatte geht es um neue Modelle und Konzepte", sagte die SPD-Politikerin den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Eine neue Dienstpflicht solle in einen "Gesellschaftsdienst" eingebettet sein und müsse neben der Bundeswehr auch die Bereiche Soziales, Kultur und Umwelt abdecken.

Das Thema Dienstpflicht berühre "ganz grundsätzliche Fragen, die quer durch politische Parteien und unsere Gesellschaft unterschiedlich beantwortet werden", betonte die Wehrbeauftragte. Daher müsse die Diskussion sorgfältig, umfassend und ergebnisoffen geführt werden.

Auch der Präsident des Reservistenverbands der Bundeswehr, Patrick Sensburg, forderte eine Ausweitung der Einsatzmöglichkeiten auf den Zivilschutz sowie Hilfs- und Rettungskräfte. "Alle jungen Menschen sollten zu einem Pflichtdienst von mindestens einem Jahr herangezogen werden und sich dann zwischen den verschiedenen Organisationen entscheiden", sagte Sensburg den Funke-Zeitungen.

Die Debatte um eine Wiedereinführung der Wehrpflicht war von Pistorius angestoßen worden. "Gesellschaftlich müssen wir uns die Frage stellen, wer dieses Land verteidigen soll, wenn es ernst wird", sagte der Minister etwa Ende Januar im Bundestag.

Laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Spiegel" will Pistorius sogar noch in dieser Legislaturperiode eine "Richtungsentscheidung" treffen und bis zur Bundestagswahl 2025 einen eigenen Vorschlag für ein Wehrpflichtmodell vorlegen.

Derzeit reist der Minister durch Skandinavien, um sich unter anderem über das schwedische Modell einer Wehrpflicht zu informieren. Dieses sieht vor, dass zwar alle jungen Frauen und Männer eines Jahrgangs gemustert werden, aber nur ein ausgewählter Teil tatsächlich den Grundwehrdienst leistet. Pistorius sagte vor seiner Reise, er habe ein "Faible" für diese Lösung.

In Deutschland wurde die Anwendung der Wehrpflicht Mitte 2011 ausgesetzt. Die rechtlichen Grundlagen dafür bestehen jedoch fort.

B.Cooper--TNT

Empfohlen

Steinmeier mit militärischen Ehren zu Staatsbesuch in Paris empfangen

Zum Auftakt seines Staatsbesuchs in Frankreich hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Pariser Triumphbogen das Grabmal des Unbekannten Soldaten besucht. Steinmeier erwies den im Ersten Weltkrieg getöteten französischen Soldaten am Donnerstag mit einem Blumengebinde seine Ehre. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron empfing den Bundespräsidenten mit militärischen Ehren.

Tedros-Nachfolge: China schickt eigene Kandidatin ins Rennen um WHO-Chefposten

China schickt eine eigene Kandidatin für den Chefposten bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ins Rennen. Die Gesundheitsexpertin Song Li bewerbe sich um die Nachfolge von WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus, sagte Außenamtssprecherin Mao Ning am Donnerstag in Peking.

Kommunikation über Koalitionsausschuss: SMS statt Pressekonferenz

Themen und Streitpunkte gab es vor der Sitzung des Koalitionsausschusses am Mittwochabend genug - kommuniziert wurde über das Treffen aber so gut wie gar nicht. Bei vorherigen Sitzungen wurden im Anschluss Mitteilungen mit den gefassten Beschlüssen verschickt und kurzfristig Pressekonferenzen mit den Koalitionsspitzen angesetzt. Dieses Mal gelang nur eine SMS an die Öffentlichkeit.

Israel ordnet Abzug von Diplomaten an: Britisches Konsulat in Jerusalem stellt Arbeit ein

Einen Monat nach einer entsprechenden Anordnung der israelischen Regierung hat das britische Konsulat in Ost-Jerusalem am Donnerstag seine Arbeit eingestellt. "Der Generalkonsul und 20 Diplomaten (...) haben ihre Mission beendet und werden Israel verlassen", erklärte der israelische Außenminister Gideon Saar. Nach seinen Angaben sollen sieben britischen "Diplomaten mit einem sehr begrenzten Tätigkeitsbereich" vor Ort bleiben.

Textgröße ändern: