The National Times - Finnen wählen inmitten von Spannungen mit Russland in Stichwahl neuen Präsidenten

Finnen wählen inmitten von Spannungen mit Russland in Stichwahl neuen Präsidenten


Finnen wählen inmitten von Spannungen mit Russland in Stichwahl neuen Präsidenten
Finnen wählen inmitten von Spannungen mit Russland in Stichwahl neuen Präsidenten / Foto: © Lehtikuva/AFP/Archiv

Inmitten von Spannungen mit dem Nachbarland Russland wählen die Menschen in Finnland am Sonntag in einer Stichwahl einen neuen Präsidenten. Die rund 4,3 Millionen Wahlberechtigten können sich bis 20.00 Uhr (Ortszeit, 19.00 Uhr MEZ) zwischen dem früheren konservativen Regierungschef Alexander Stubb und dem grünen Ex-Außenminister Pekka Haavisto entscheiden.

Textgröße ändern:

Bei der ersten Wahlrunde vor zwei Wochen hatte Stubb 27,2 Prozent der Stimmen geholt, Haavisto erreichte 25,8 Prozent. Eine am Donnerstag veröffentlichte Umfrage des öffentlich-rechtlichen Senders Yle sah Stubb mit 54 Prozent der Stimmen vorne, während Haavisto auf 46 Prozent kam.

In der Hauptstadt Helsinki gehörte die 59-jährige Erja Vanhanen zu den ersten Wählern, als die Wahllokale um 09.00 Uhr (Ortszeit) öffneten. Sie habe sich für jemanden "mit Werten" entschieden, "der auf der Seite von Minderheiten steht und zu diesen Themen Stellung bezieht, wenn es nötig ist", sagte sie der Nachrichtenagentur AFP.

In Finnland bestimmt der Präsident, der für sechs Jahre gewählt wird, traditionell die Außenpolitik und ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Der Urnengang fand unter dem Eindruck wachsender Spannungen mit dem Nachbarn Russland statt.

Nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine vor fast zwei Jahren hatte Finnland seine jahrzehntelange militärische Blockfreiheit aufgegeben. Im April 2023 trat das Land der Nato bei. Russland drohte daraufhin mit "Gegenmaßnahmen".

Im August registrierte Helsinki eine steigende Zahl von Migranten, die ohne Visum über die 1340 Kilometer lange finnisch-russische Grenze kamen. Die finnische Regierung vermutete eine russische Strategie dahinter, um das Land innenpolitisch zu destabilisieren. Finnland schloss deshalb im November seine Ostgrenze - ein Schritt, der von beiden Präsidentschaftskandidaten befürwortet wurde.

Stubb und Haavisto - beides ehemalige finnische Außenminister - teilen die gleiche Ansicht mit Blick auf die Haltung gegenüber Russland und befürworten eine Verschärfung der Sanktionen gegen Moskau. "Die Europäische Union kann viel mehr tun, um der Ukraine zu helfen", sagte Haavisto bei einer Fernsehdebatte am Donnerstag.

"Der Weg der Ukraine ist unser Weg, und in diesem Moment kämpfen die Ukrainer für die Freiheit der Europäer", sagte Stubb. "Sie verdienen jede Unterstützung, die wir ihnen geben können."

Der 2012 erstmals gewählte und nun scheidende Amtsinhaber Sauli Niinistö war einst stolz auf seine engen Beziehungen zum russischen Präsidenten Wladimir Putin, ehe er zu einem seiner schärfsten Kritiker wurde. Im Jahr 2022 kontaktierte Niinistö Putin, um ihm die Entscheidung über den Beitritt zur Nato mitzuteilen. Seitdem herrscht Funkstille und keiner der beiden Präsidentschaftskandidaten rechnet mit einem Anruf aus dem Kreml nach der Wahl.

Der Unterschied zwischen beiden Kandidaten liege in Nuancen, sagt Expertin Theodora Helimäki. Ein Beispiel sei die Lagerung und der Transport von Atomwaffen in Finnland. Haavisto will das nicht genehmigen, obwohl das skandinavische Land als Nato-Mitglied verpflichtet ist, an Übungen im Bereich der Nuklearpolitik des Bündnisses teilzunehmen. Stubb findet, das Land dürfe "keinen Teil" der nuklearen Abschreckungspolitik der Nato ausschließen.

Da es in der Außenpolitik keine nennenswerten Unterschiede gebe, werden die Wähler ihre Entscheidung vermutlich auf Grundlage ihrer politischen Präferenzen treffen, sagte Matti Pesu, Forscher am Finnischen Institut für internationale Angelegenheiten. Stubb sei eher "offen und modern", während Haavisto eher "traditionell und vorsichtig" sei.

V.Allen--TNT

Empfohlen

Gedenken an 7. Oktober: Dobrindt warnt vor Antisemiten an der Regierung

Am dritten Jahrestag des Hamas-Großangriffs auf Israel am 7. Oktober 2023 hat Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) vor einer möglichen Regierungsbeteiligung von Antisemiten gewarnt. "Antisemiten dürfen nie wieder an die Macht kommen, sei es in Berlin oder irgendwo anders in Deutschland", sagte Dobrindt am Mittwoch bei einer Gedenkveranstaltung auf dem Berliner Bebelplatz. Bei aktuellen Entwicklungen in Deutschland "müssen wir alarmiert sein", fügte er hinzu.

Jahrestag des Hamas-Überfalls: New Yorks Bürgermeister wirft Israel "Genozid" vor

Anlässlich des dritten Jahrestags des Hamas-Überfalls auf Israel hat der linksgerichtete New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani der israelischen Regierung einen "Genozid im Gazastreifen" vorgeworfen. Mamdani kritisierte am Mittwoch unter Verweis auf US-Waffenlieferungen an Israel zudem, dass "unsere Steuergelder diese Kriegsverbrechen finanzieren". Der 34-Jährige ist seit Januar als erster Muslim Stadtoberhaupt in New York.

Verdacht auf Spionage: Ehemaliger BND-Präsident Hanning in Untersuchungshaft

Im mutmaßlich spektakulärsten Spionagefall der vergangenen Jahre ist am Mittwoch der ehemalige Präsident des Bundesnachrichtendiensts (BND), August Hanning, in Untersuchungshaft genommen worden. Der 80 Jahre alte ehemalige Chefspion und Spitzenbeamte wurde dem Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof in Karlsruhe vorgeführt, der nach Angaben der Bundesanwaltschaft den Haftbefehl in Vollzug setzte. Hanning wird verdächtigt, von seinem früheren Büroleiter geheime BND-Erkenntnisse gekauft und teils weitergegeben zu haben.

Drittes Vorgespräch über Rot-Grün-Rot in Berlin - Warnungen vor Koalition

In Berlin hat am Mittwoch das womöglich entscheidende Vorgespräch von Linkspartei, Grünen und SPD über die mögliche Aufnahme von Sondierungsgesprächen stattgefunden. Zunächst drangen keine Ergebnisse aus der Runde - im Fall einer Verständigung ist aber von einem zeitnahen Beginn offizieller Sondierungsgespräche auszugehen. Derweil warnte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) vor einer Linken-Regierung, prominente frühere Spitzenpolitiker um den ehemaligen Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) warben in einem Appell für eine CDU-geführte Landesregierung.

Textgröße ändern: