The National Times - EU-Gipfel zu Ukraine-Hilfen: "Orban-müde" Europäer hoffen auf Einlenken des Ungarn

EU-Gipfel zu Ukraine-Hilfen: "Orban-müde" Europäer hoffen auf Einlenken des Ungarn


EU-Gipfel zu Ukraine-Hilfen: "Orban-müde" Europäer hoffen auf Einlenken des Ungarn
EU-Gipfel zu Ukraine-Hilfen: "Orban-müde" Europäer hoffen auf Einlenken des Ungarn / Foto: © AFP

Beim EU-Sondergipfel zu milliardenschweren Wirtschaftshilfen für die Ukraine haben die Europäer frustriert und genervt auf die Blockadepolitik des ungarischen Regierungschefs Viktor Orban reagiert. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hofft dennoch auf eine "Entscheidung zu 27", also mit Orban, wie er am Donnerstag zum Gipfelauftakt sagte. Eine Ausnahme für den Ungarn schloss er aus.

Textgröße ändern:

Bei den Ukraine-Hilfen im Umfang von 50 Milliarden Euro "sollten wir nicht versuchen, irgendwelche Konstruktionen zu basteln", sagte der Kanzler. Damit spielte der Kanzler auf einen "Kaffee-Trick" an, den er beim Dezember-Gipfel genutzt hatte. Bei dem Votum für Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine schickte er Orban kurz aus dem Raum. Das Veto gegen die Ukraine-Hilfen hielt der Rechtspopulist dagegen aufrecht.

Mit den Wirtschaftshilfen von 50 Milliarden Euro über vier Jahre wollen die Europäer die Ukraine im russischen Angriffskrieg vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch bewahren. Dafür soll der EU-Haushalt aufgestockt werden, was Einstimmigkeit erfordert. Zur Bedingung macht Orban eine jährliche Abstimmung über die Hilfen. Das lehnen die anderen 26 ab, weil er dann ein Dauer-Veto hätte.

Der polnische Regierungschef Donald Tusk sagte: "Wir sind nicht Ukraine-müde, wir sind Orban-müde." Finnlands Regierungschef Petteri Orpo betonte: "Niemand darf 26 andere Länder erpressen." Es sei "nicht akzeptabel, dass ein einziges Land eine so wichtige Entscheidung blockiert."

Der irische Regierungschef Leo Varadkar zeigte sich "sehr frustriert" über Orban. Drastische Schritte wie den vom Europaparlament geforderten Stimmrechtsentzug für Ungarn müssten aber verhindert werden. "Hoffentlich kommt es dazu nicht", sagte Varadkar.

Luxemburgs Regierungschef Luc Frieden nannte Orbans Vorgehen "sehr nervig". Er erinnerte daran, dass die anderen Europäer "auf der Seite von Ungarn standen nach dem Fall der Berliner Mauer". Der niederländische Regierungschef Mark Rutte betonte, er müsse sich ungewohnt "diplomatisch" ausdrücken, weil sonst keine Einigung mit Orban gelinge.

Diplomaten und EU-Parlamentarier werfen Orban "Erpressung" vor, weil er die Freigabe von 20 Milliarden Euro verlangt, die die EU wegen Rechtsstaats-Verstößen in Ungarn eingefroren hat. Zudem hält er Kontakt zu dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, vergangenes Jahr ließ er sich sogar beim Handschlag mit dem Kreml-Chef ablichten.

Scholz will die Partner auf dem Gipfel auch zu mehr Waffenhilfe für die Ukraine drängen. "Ich glaube, dass es jetzt notwendig ist, dass alle mehr tun", sagte Scholz. Deutschland hat Kiew in diesem Jahr gut sieben Milliarden Euro zugesagt und steht damit nach Darstellung des Kanzlers europaweit an der Spitze. Große EU-Länder wie Frankreich, Italien oder Spanien fallen nach Berliner Angaben dahinter zurück.

Die derzeit verfügbaren Zahlen zu den nationalen Ukraine-Hilfe seien "wenig aussagekräftig", kritisierte Scholz. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell hatte die Zusagen am Mittwoch auf 21 Milliarden Euro beziffert, ohne die Geber zu nennen. Scholz betonte, alle 27 EU-Staaten müssten einen Beitrag leisten.

Am Rande des EU-Gipfels kam es zu Bauernprotesten. Landwirte aus mehreren Ländern blockierten mit etwa 1300 Traktoren Brüsseler Straßen. Sie fordern weniger Bürokratie und höhere Subventionen.

T.Ward--TNT

Empfohlen

Prien: CDU-Stimmen für AfD-Politiker Rausch wären "vollkommen inakzeptabel"

Führende CDU-Politikerinnen haben sich besorgt gezeigt über die Wahl des AfD-Politikers Tobias Rausch zum Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt. Es sei noch nicht geklärt, wer in der geheimen Wahl für Rausch gestimmt habe, sagte CDU-Vize und Bundesfamilienministerin Karin Prien am Mittwoch dem Sender RBB. "Aber ich will deutlich sagen: Sollten es Kolleginnen und Kollegen der CDU-Landtagsfraktion gewesen sein, dann ist das natürlich vollkommen inakzeptabel."

Hundesteuer-Einnahmen weiterhin auf hohem Niveau

Die Hundesteuer spült weiter hohe Summen in die öffentlichen Kassen: Die Gemeinden in Deutschland haben 2025 rund 429,7 Millionen Euro eingenommen und damit in etwa so viel wie der Rekordbetrag aus 2024 (minus 0,1 Prozent), wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Mittwoch mitteilte. Allerdings endete damit im vergangenen Jahr der anhaltende Zuwachs aus den Vorjahren. Im Zehnjahresvergleich stiegen die Einnahmen um 33,4 Prozent.

Niedersächsischer Landtag hebt Immunität von SPD-Fraktionschef Politze auf

Der niedersächsische Landtag hat am Mittwoch die Immunität von SPD-Fraktionschef Stefan Politze aufgehoben. Damit ist der Weg für Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Hannover gegen den 61-Jährigen frei. Dieser sagte dem Norddeutschen Rundfunk: "Ich habe mir aktuell nichts vorzuwerfen." Er werde "vollumfänglich" mit der Staatsanwaltschaft kooperieren.

Nach schweren Verletzungen: Frankreichs Regierung setzt Einsatz von Schockgranaten aus

Nach zahlreichen schweren Verletzungen von Jugendlichen bei Polizeieinsätzen während der Schülerproteste hat die Regierung den Einsatz von Schockgranaten ausgesetzt. Dies gelte zunächst nur für die Schülerproteste, "um zu klären, was genau passiert ist", sagte Innenminister Laurent Nuñez am Mittwoch dem Sender RTL. Einem 15-jährigen Jungen aus dem nordfranzösischen Lens war am Montag durch eine solche Granate die Hand abgerissen worden.

Textgröße ändern: