The National Times - "Schmerzhafte Einschnitte": Haushaltsentwurf 2024 passiert Bundeskabinett

"Schmerzhafte Einschnitte": Haushaltsentwurf 2024 passiert Bundeskabinett


"Schmerzhafte Einschnitte": Haushaltsentwurf 2024 passiert Bundeskabinett
"Schmerzhafte Einschnitte": Haushaltsentwurf 2024 passiert Bundeskabinett / Foto: © AFP

Das Bundeskabinett hat am Mittwoch strenge Sparmaßnahmen für den Haushalt 2024 auf den Weg gebracht. Die Runde der Ministerinnen und Minister nahm in ihrer wöchentlichen Sitzung die von den Koalitionsspitzen vorgelegte Streichliste "zur Kenntnis", wie die Bundesregierung mitteilte - einen formellen Beschluss gab es nicht. Mit der Kabinettsbefassung seien nun "alle Häuser aufgerufen, die Einsparungen, die jeweils auf sie zukommen, zu erfüllen", sagte Regierungssprecher Steffen Hebestreit in Berlin.

Textgröße ändern:

Hebestreit sprach von "schmerzhafte Einschnitten", welche die Bundesregierung nun vornehmen müsse. "Aber anders geht es nicht", fügte er hinzu. Die Koalitionsspitzen hätten versucht, "so minimalinvasiv wie es irgend geht und so sozialverträglich wie es irgend geht miteinander zu verhandeln". Wie genau die Sparvorgaben umgesetzt würden, bleibe den einzelnen Ministerien überlassen. "Alles weitere ergibt sich in den nächsten Wochen."

Am Dienstag hatte die Bundesregierung Details zu den geplanten Streichungen bekannt gegeben. Sie sollen helfen, das Milliardenloch im Etat für das kommende Jahr zu schließen. Ein Beschluss des Bundestags zum Haushalt ist laut Bundesregierung für Ende Januar 2024 geplant. Am 2. Februar könnte der Bundesrat nachziehen. Bis dahin gilt die vorläufige Haushaltsführung.

Die Union übte scharfe Kritik an der Haushaltspolitik der Koalition. Bei dem Budgetentwurf für 2024 handle es sich um einen "Mix aus Einsparungen und erhöhten Steuern sowie Abgaben", der "nicht mehr als eine Schönrechnerei zu Lasten der Steuerzahler" sei, sagte der haushaltspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Christian Haase, der Nachrichtenagentur AFP.

"Der heutige Kabinettstermin ist ein reiner vorweihnachtlicher PR-Gag der Ampel", fügte Haase hinzu. "So soll den Bürgerinnen und Bürgern suggeriert werden, dass die Haushaltskrise gelöst ist und ein Entlastungspaket unter dem Weihnachtsbaum liegt - das Gegenteil ist der Fall." Der Unionshaushälter warf Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) "systematische Haushaltstricksereien" vor. Haase sprach von "faulen Deals auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung und des ländlichen Raums".

Einer der Streichposten betrifft die internationalen Hilfszahlungen, die nach Angaben um insgesamt 800 Millionen Euro gekürzt werden sollen. Rund 380 Millionen Euro an Einsparungen sollen durch Streichungen im Haushalt des Bundesverkehrsministeriums erzielt werden. Die Gesetzliche Rentenversicherung soll im kommenden Jahr 600 Millionen Euro weniger an Bundeszuschüssen bekommen.

Auch im Verteidigungsbereich soll es Einsparungen geben. Die Bundeswehr soll einen Teil ihrer Waffenkäufe nicht über den regulären Haushalt finanzieren, sondern über das Sondervermögen Bundeswehr; dies betrifft jene Waffen, welche die Bundeswehr nachkaufen muss, weil sie Waffen aus eigenen Beständen an die Ukraine abgegeben hat.

Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums bezeichnete dies als "schmerzlichen Einschnitt für das Sondervermögen". Die "einmalig für 2024 vorgesehene Regelung" sei "gerade noch tragbar".

Der größte Einsparposten betrifft die Ausgaben aus dem Klima- und Transformationsfonds, dessen Ausgaben um 12,7 Milliarden Euro reduziert werden. Die CO2-Abgabe auf Heizöl, Gas und Sprit steigt zum Jahreswechsel statt auf 40 Cent pro Tonne CO2 auf 45 Cent. Die Luftverkehrsabgabe auf Flugtickets soll erhöht werden.

Der umstrittene Wegfall von Subventionen für Landwirte soll kommen - so etwa die Kfz-Steuer für Fahrzeuge der Landwirtschaft und die Abschaffung der Steuerbegünstigung beim Agrardiesel. Zusammen soll dies rund 920 Millionen Euro einbringen.

Ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts hatte Mitte November für ein zweistelliges Milliardenloch im Etat für 2024 gesorgt. Anschließend versuchten Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), Vizekanzler Robert Habeck (Grüne) und Finanzminister Christian Lindner (FDP) bei intensiven Beratungen eine Lösung zu finden. Vergangenen Mittwoch gaben sie schließlich eine Einigung bekannt. Diese enthält zahlreiche Maßnahmen, die nun das Bundeskabinett passierten.

A.M.Owen--TNT

Empfohlen

Industrie warnt vor AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt

Vor der konstituierenden Sitzung des Landtags in Sachsen-Anhalt kommen aus der Industrie Warnungen vor einer AfD-Regierung in Magdeburg. "Ein Aufschwung wäre mit einer AfD-Regierung nicht zu erwarten, weil das Vertrauen in gute Rahmenbedingungen leidet", sagte die Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Tanja Gönner, der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Dienstag. "Die AfD ist keine Wirtschaftspartei."

US-Zwischenwahlen: Trump will Wahlspots für sich aus eigener Tasche bezahlen

Nach Kritik an steuerfinanzierter Wahlwerbung hat US-Präsident Donald Trump angekündigt, Werbespots für sich vor den anstehenden Kongress-Zwischenwahlen aus eigener Tasche zu bezahlen. Er habe beschlossen, "patriotische Anzeigen" zu schalten und diese selbst zu bezahlen - "mit Geld, das ich für Maga gesammelt habe", schrieb Trump am Montag (Ortszeit) auf seiner Onlineplattform Truth Social. Die Abkürzung Maga steht für Trumps Wahlslogan "Make America Great Again" (Macht Amerika wieder großartig).

Angriffe der Huthi-Miliz: Türkei und Pakistan entsenden Truppen nach Saudi-Arabien

Aufgrund der anhaltenden Angriffe der pro-iranischen Huthis auf Saudi-Arabien haben die Türkei und Pakistan die Entsendung von Truppen zur Unterstützung des Königreichs bekannt gegeben. Sie hätten sich darauf geeinigt, unverzüglich mit der Umsetzung eines gegenseitigen Verteidigungsabkommens zu beginnen, erklärten die drei Länder nach einem Treffen in Riad am Montag. Derweil nahmen die Huthis erneut Ziele in Saudi-Arabien ins Visier, darunter den internationalen Flughafen der Hauptstadt.

Schülerproteste in Frankreich: Weiterer Aktionstag erwartet

In Frankreich steht am Dienstag ein neuer Protesttag der Schülerinnen und Schüler an, der von zahlreichen Gewerkschaften unterstützt wird. Auch die linkspopulistische Partei La France Insoumise und die sozialistische Partei haben zur Solidarität mit den Protestierenden aufgerufen. Angesichts zahlreicher Gewalttaten ist die Sorge groß, dass es erneut zu Ausschreitungen kommt.

Textgröße ändern: