The National Times - Scholz und Macron setzen im Ukraine-Konflikt auf das Normandie-Format

Scholz und Macron setzen im Ukraine-Konflikt auf das Normandie-Format


Scholz und Macron setzen im Ukraine-Konflikt auf  das Normandie-Format

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron setzen im Ukraine-Konflikt auf Diplomatie im Rahmen des Normandie-Formats. Nach einem Treffen in Berlin am Dienstag begrüßten Kanzler und Präsident die für Mittwoch geplante Wiederaufnahme der Gespräche von Deutschland, Frankreich, Russland und der Ukraine auf Beraterebene. Laut Macron soll es bald auch wieder ein Gipfeltreffen der vier Länder geben, ausgerichtet von Deutschland.

Textgröße ändern:

Von Russland forderten Scholz und Macron Bemühungen für eine Entspannung der Lage an der russisch-ukrainischen Grenze. "Wir erwarten auch von Russland deshalb eindeutige Schritte, die zu einer Deeskalation der Situation beitragen", sagte Scholz. Einmal mehr warnte er Moskau, dass eine "militärische Aggression schwerwiegende Konsequenzen nach sich zöge".

Macron betonte die Einigkeit Frankreichs und Deutschlands besonders in diesem Punkt: Sollte es zu einer Aggression kommen, dann würden die Kosten für Russland "sehr hoch sein". Da seien Scholz und er sich "völlig einig". Zugleich bekräftigte der französische Präsident: "Wir geben niemals den Dialog mit Russland auf." Das Normandie-Format habe hier eine herausragende Bedeutung.

Die Kontaktgruppe, innerhalb derer Paris und Berlin als Vermittler zwischen Kiew und Moskau auftreten, war 2014 zur Befriedung des Konflikts in der Ostukraine aus der Taufe gehoben worden und führte zum Minsker Abkommen von 2015. Zuletzt spitzte sich die Lage in dem Konflikt jedoch erneut erheblich zu. Das letzte Gipfeltreffen von Deutschland, Frankreich, Russland und der Ukraine hatte 2019 im Pariser Elysée-Palast stattgefunden.

Am Mittwoch findet nach langer Zeit wieder ein Treffen im Normandie-Format, zunächst auf Beraterebene statt. "Gut ist, dass gesprochen wird", sagte Scholz mit Blick auf die Gespräche der vier Länder in Paris.

Macron kündigte derweil ein Telefonat mit Russlands Präsident Wladimir Putin am Freitag an. "Ich werde mich am Freitagmorgen mit Präsident Putin austauschen", sagte er. Für ein künftiges persönliches Treffen mit dem Kreml-Chef könne er sich aber ein gemeinsames Format zusammen mit Scholz vorstellen.

Angesichts des massiven russischen Truppenaufmarschs an der Grenze zur Ukraine fürchtet der Westen einen Angriff Russlands. Die Führung in Moskau bestreitet solche Absichten und verlangt von der Nato unter anderem einen Verzicht auf eine weitere Osterweiterung.

Trotz seines Plädoyers für Gespräche und diplomatische Lösungen machte Macron den Kreml in der Angelegenheit als Verantwortlichen aus. "Russland wird immer mehr zu einer destabilisierenden Macht", sagte er und verwies neben der Ukraine-Krise auch auf Cyber-Angriffe und darauf, dass mit Migration als Waffe gedroht werde.

Scholz verteidigte derweil Deutschlands Weigerung, Kriegsmaterial an die Ukraine zu liefern. "Dafür gibt es Gründe, die sich auch natürlich aus der ganzen Entwicklung der letzten Jahre und Jahrzehnte speisen", sagte der Kanzler und hob stattdessen die wirtschaftliche Unterstützung für die Ukraine hervor. "Die Ukraine weiß, dass sie sich auf Deutschland verlassen kann", fügte er hinzu.

T.Cunningham--TNT

Empfohlen

Venezuelas Übergangspräsidentin wirft Maduro-Gefolgsmann Saab aus dem Kabinett

Venezuelas Interimspräsidentin Delcy Rodríguez hat Industrieminister Álex Saab entlassen, der als Strohmann des von den USA gefangengenommenen und entmachteten Staatschefs Nicolás Maduro kritisiert wurde. Rodríguez teilte am Freitag (Ortszeit) im Onlinedienst Telegram mit, dass Saabs Ressort von Handelsminister Luis Antonio Villegas mit übernommen werde.

Zweibrücken: Wehrbeauftragter dringt auf Dunkelfeldstudie zu sexueller Gewalt

Nach rechtsextremistischen und sexistischen Vorfällen bei den Fallschirmjägern im rheinland-pfälzischen Zweibrücken wächst der Druck auf das Bundesverteidigungsministerium, umfassende Konsequenzen zu ziehen. Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Henning Otte (CDU), forderte, eine bereits seit mehr als einem Jahr diskutierte Dunkelfeldstudie zu Sexismus in der Bundeswehr endlich anzufertigen und zu veröffentlichen. "Eine belastbare Analyse ist unerlässlich, um gezielte und wirksame Präventions- und Aufklärungsmaßnahmen entwickeln zu können", sagte Otte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

10.000 Soldaten für Kampf gegen Drogenschmuggel in drei Küstenprovinzen Ecuadors

Zur Bekämpfung des Drogenhandels hat die Regierung von Ecuador 10.000 Soldaten in drei Küstenprovinzen entsandt. In die Provinzen Guayas, Manabí und Los Ríos seien auch hunderte Spezialkräfte geschickt worden, sagte Luftwaffen-General Mario Bedoya am Freitag vor Journalisten. Flugzeuge mit Soldaten an Bord wurden außerdem nach Manta, den größten Fischereihafen des südamerikanischen Landes, geschickt.

Iranische Regierungsvertreter von Münchner Sicherheitskonferenz ausgeladen

An der diesjährigen Münchner Sicherheitskonferenz (MSK) werden wegen der jüngsten massiven Gewalt gegen Protestierende keine Vertreter der iranischen Regierung teilnehmen. Eine "Einladung an einzelne Regierungsvertreter aus dem Iran", die vor mehreren Wochen ausgesprochen worden sei, werde angesichts "der aktuellen Vorgänge" nicht aufrechterhalten, teilte das MSK-Presseteam der Nachrichtenagentur AFP am Freitagabend mit.

Textgröße ändern: