The National Times - Keine Einigung auf sichere Fluchtwege aus belagerten Städten in der Ukraine

Keine Einigung auf sichere Fluchtwege aus belagerten Städten in der Ukraine


Keine Einigung auf sichere Fluchtwege aus belagerten Städten in der Ukraine
Keine Einigung auf sichere Fluchtwege aus belagerten Städten in der Ukraine

Die Hoffnungen auf sichere Fluchtwege für Bewohner der von russischen Truppen belagerten Städte in der Ukraine haben sich weiter nicht erfüllt. Während Kiews Unterhändler am Montag nach einer dritten Verhandlungsrunde mit Russland über die Einrichtung "humanitärer Korridore" von "kleinen positiven Ergebnissen" sprach, erklärte die russische Seite, ihre Erwartungen hätten sich "nicht erfüllt". Die anhaltenden russischen Angriffe sorgen für enorme Zerstörung. Bei einer Attacke auf eine Großbäckerei westlich von Kiew wurden 13 Menschen getötet.

Textgröße ändern:

Die Unterhändler aus Kiew und Moskau kamen am Montagnachmittag im polnisch-belarussischen Grenzgebiet erneut zu Gesprächen zusammen. Die Erwartungen waren allerdings von Anfang an gering. Moskau hatte am Morgen die Öffnung mehrerer "humanitärer Korridore" angekündigt, über die Menschen aus den Städten Kiew, Charkiw, Mariupol und Sumy in Sicherheit gebracht werden sollten. Allerdings sollte die Hälfte dieser Korridore nach Russland oder Belarus führen, von wo aus die russische Armee am 24. Februar in der Ukraine einmarschiert war.

"Das ist keine akzeptable Option", erklärte die stellvertretende ukrainische Regierungschefin Iryna Wereschtschuk. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron warf Moskau "moralischen und politischen Zynismus" vor. Er "kenne keine Ukrainer, die nach Russland fliehen wollten", sagte er.

AFP-Journalisten berichteten am Montag von tausenden Zivilisten, die über eine inoffizielle Fluchtroute aus dem Kiewer Vorort Irpin flohen. Kinder und ältere Menschen wurden auf Teppichen, die als Tragen dienten, über eine behelfsmäßige Brücke transportiert. Die strategisch wichtige Ortschaft westlich der Hauptstadt ist seit Tagen heftig umkämpft. Am Vortag waren dort nach ukrainischen Angaben acht Menschen bei Beschuss ums Leben gekommen.

Am Montag wurden 13 Menschen bei einem russischen Angriff auf eine Großbäckerei in der 50 Kilometer westlich von Kiew gelegenen Stadt Makariw getötet. Nach Angaben der Rettungskräfte wurden fünf weitere Menschen lebend aus den Trümmern geborgen. In Hostomel, einem nordwestlichen Vorort von Kiew, kam Bürgermeister Juri Illitsch Prylipko ums Leben, während er nach Angaben der Stadtverwaltung "Brot und Medikamente an Kranke" verteilte.

Der ukrainische Verteidigungsminister Oleksij Resnikow erklärte auf Facebook, die russischen Truppen würden versuchen, ihre Soldaten "für eine neue Angriffsserie zusammenzuführen", vor allem gegen Kiew, Charkiw, Tschernihiw im Norden und Mykolajiw im Süden, erklärte Resnikow. Befürchtet wurden auch Angriffe auf die bislang verschonte Schwarzmeer-Metropole Odessa.

Ein Berater des ukrainischen Innenministeriums warnte, die russischen Soldaten würden "wahrscheinlich in den nächsten Tagen" versuchen, Kiew einzunehmen. Die Armee hielt sich bereit, die letzte Brücke zu zerstören, welche die Hauptstadt mit dem westlichen Umland verbindet. "Jedes Haus, jede Straße, jeder Kontrollposten wird standhalten", sagte Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko in einem Instagram-Video. Die Menschen seien bereit, dafür in den Tod zu gehen.

Die bereits stark zerstörte Stadt Tschernihiw 150 Kilometer nördlich der Hauptstadt wurde in der Nacht erneut von russischer Artillerie angegriffen. Mykolajiw wurde von russischen "Grad"-Raketenwerfern attackiert. Auch die Stadt Sumy wurde weiter belagert und heftig beschossen. Die regionale Militärverwaltung berichtete von "mehreren Toten". Russische Schiffe im Schwarzen Meer feuerten zudem Raketen auf das Dorf Tusly in der Region Odessa, wie ein Militärsprecher der Region mitteilte.

Die Lage der Menschen in den belagerten Städten verschlechtert sich von Tag zu Tag. Lebensmittel, Wasser und Strom werden knapp, sie können kaum noch die Schutzräume verlassen. Nach UN-Angaben sind bis Montag mehr als 1,7 Millionen Menschen aus der Ukraine geflohen, 60 Prozent von ihnen nach Polen. Hinzu kommen unzählige Binnenvertriebene.

M.A.Walters--TNT

Empfohlen

Von Familienministerin geplante Beschränkungen bei "Demokratie leben!" stoßen auf Kritik

Von Linken und Grünen, aber auch aus den Reihen der SPD gibt es deutliche Kritik an den von Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) angekündigten Einschränkungen von Projekten des Bundesprogramms "Demokratie leben!". Prien "lässt die, die sich an vorderster Front für Demokratie, Menschenrechte und unser Grundgesetz einsetzen, im Regen stehen", sagte Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek am Samstag der Nachrichtenagentur AFP.

Frühere Cum-Ex-Ermittlerin Brorhilker: Defizite im Kampf gegen Steuerstraftaten

Die frühere Cum-Ex-Ermittlerin Anne Brorhilker sieht erhebliche Mängel bei der Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität in Deutschland. Im "Interview der Woche" des Deutschlandfunks kritisierte Brorhilker am Samstag, es gebe hierzulande dafür keine zentralen Behörden, sondern verschiedene Stellen auf Länderebene, die kaum miteinander in Kontakt stünden. Wenn in einem Teil des Landes Wissen vorhanden sei, erreiche dieses daher nicht andere Landesteile.

Iranische Medien berichten von US-israelischen Angrifen auf Atomanlage Natans

Die USA und Israel haben iranischen Staatsmedien zufolge die wichtige Atomanlage Natans im Zentrum des Landes angegriffen. Die Anlage sei am Samstagmorgen Ziel US-israelischer Luftangriffe gewesen, erklärte die iranische Atomenergiebehörde laut der Nachrichtenagentur Tasnim. Die USA und Israel machten unterdessen widersprüchliche Angaben zum weiteren Vorgehen im Iran-Krieg: Während US-Präsident Donald Trump erklärte, er erwäge eine Reduzierung der Angriffe, kündigte Israels Verteidigungsminister Israel Katz deren "erhebliche" Verstärkung an.

Parteiübergreifend Forderungen nach schärferem Vorgehen gegen digitale Gewalt

Abgeordnete aus unterschiedlichen Parteien unterstützen das von Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) angekündigte schärfere Vorgehen gegen digitale Gewalt. Es müsse darum gehen, ein entsprechendes Gesetz "zügig, wirksam und lückenlos" zu verabschieden, heißt es laut einem Bericht des Portals t-online in einem Aufruf der fraktionsübergreifenden Initiative "Brand New Bundestag". Beteiligt sind Abgeordnete von CDU, SPD, Grünen und Linken.

Textgröße ändern: