The National Times - Paderborner Erzbischof Bentz bittet nach Missbrauchsstudie um Verzeihung

Paderborner Erzbischof Bentz bittet nach Missbrauchsstudie um Verzeihung


Paderborner Erzbischof Bentz bittet nach Missbrauchsstudie um Verzeihung
Paderborner Erzbischof Bentz bittet nach Missbrauchsstudie um Verzeihung / Foto: © AFP/Archiv

Nach Bekanntwerden eines deutlich größeren Ausmaßes des Missbrauchskandals im Erzbistum Paderborn hat der Paderborner Bischof Udo Markus Bentz die Betroffenen um Verzeihung gebeten. "Für das Leid, das Menschen im Raum unserer Kirche erfahren haben, für das Versagen von Verantwortlichen und für das zusätzliche Leid durch Schweigen, Wegsehen und Nichtglauben bitte ich um Verzeihung", sagte Bentz am Freitag in Paderborn.

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Bentz persönlich werden keine Vorwürfe gemacht, der untersuchte Zeitraum lag vor Beginn seiner Tätigkeit in Paderborn. Die am Donnerstag vorgestellte Studie geht von 489 betroffenen sexuellen Missbrauchs in den Jahren 1941 bis 2002 in Paderborn aus, für die Missbrauchstaten verantwortlich sollen 210 Beschuldigte sein. Dies sind deutlich mehr Fälle als bisher bekannt waren. Bentz sprach von einem institutionellen Versagen der Kirche.

Zu Vorwürfen gegen den verstorbenen Paderborner Kardinal Johannes Joachim Degenhardt sagte der Paderborner Interventionsbeauftragte Thomas Wendland, hier habe es am Donnerstag vor der Vorstellung der Studie eine nicht damit in Zusammenhang stehende Wortmeldung zu Degenhardt gegeben. Es handle sich nach ersten Erkenntnissen um Vorwürfe, die bereits in einem früher veröffentlichten Gutachten benannt wurden.

Es werde dazu ein vertiefendes Gespräch zu der Meldung vom Donnerstag geben, sagte Wendland. In dem vergangenes Jahr veröffentlichten Gutachten der Kanzlei Feigen und Graf waren die entsprechenden Vorwürfe gegen Degenhardt als nicht plausibel beschrieben worden.

Der Sprecher der Betroffenenvertretung, Reinhold Harnisch, würdigte Erzbischof Bentz für seine Bitte um Verzeihung. Harnisch sagte zur Präsentation der Studie, "wir haben ein Stück Würde zurück." Die Studie hole die Opfer aus dem Dunkeln.

Harnisch schloss sich Forderungen an, in Paderborn nach den gegen Degenhardt und den früheren Kardinal Lorenz Jaeger erhobenen Vorwürfen der Vertuschung die Kardinal-Jaeger-Straße und den Kardinal-Degenhardt-Platz umzubennen. Solche Benennungen seien als Ehre gedacht. "Da habe ich so meine Zweifel, ob diese Ehre noch angebracht ist." Zurückhaltend äußerte sich Harnisch zu Forderungen, die beiden Gräber der verstorbenen Kardinäle aus dem Paderborner Dom zu entfernen. "Wir schätzen und ehren die Totenruhe", sagte der Vertreter der Missbrauchsopfer.

Im Erzbistum Paderborn soll die Aufklärung von Missbrauchsfällen durch unabhängige Wissenschaftler fortgeführt werden, dabei soll es vertiefend auch um Degenhardt gehen. Der Missbrauchskandal in der katholischen Kirche in Deutschland wurde 2010 öffentlich und wird seitdem von den deutschen Bistümern aufgearbeitet. An Betroffene sexuellen Missbrauchs wurden mittlerweile 93 Millionen Euro ausbezahlt, wie Donnerstag bekannt wurde.

M.Wilson--TNT

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