The National Times - Nach Großbrand in Hongkong gehen Behörden gegen kritische Stimmen vor

Nach Großbrand in Hongkong gehen Behörden gegen kritische Stimmen vor


Nach Großbrand in Hongkong gehen Behörden gegen kritische Stimmen vor
Nach Großbrand in Hongkong gehen Behörden gegen kritische Stimmen vor / Foto: © AFP

Nach der Brandkatastrophe in Hongkong mit inzwischen mehr als 150 Todesopfern gehen die Behörden der chinesischen Sonderverwaltungszone nicht nur gegen die mutmaßlichen Verantwortlichen vor, sondern auch gegen Kritik am Umgang mit dem Unglück. Hongkongs Sicherheitschef Chris Tang sagte am Montag, es würden "angemessene Maßnahmen" gegen "unzutreffende Online-Kommentare" über die Brandkatastrophe ergriffen. Örtlichen Medien zufolge wurden drei Menschen unter dem Vorwurf der Aufwiegelung festgenommen, darunter der Unterstützer einer Petition für eine genauere Untersuchung des Unglücks.

Textgröße ändern:

Im Internet seien "unzutreffende Kommentare" verbreitet worden mit dem einzigen Ziel, "die nationale Sicherheit zu bedrohen", sagte Tang vor Journalisten. "Als Konsequenz müssen wir angemessene Maßnahmen ergreifen, darunter polizeiliche Maßnahmen." Details könne er nicht nennen, da die Verfahren die "nationale Sicherheit" beträfen.

Örtlichen Medien zufolge gehörte zu den drei Verdächtigen, die wegen Aufwiegelung festgenommen wurden, auch der 24-jährige Student Miles Kwan. Er hatte auf Flugblättern für eine Petition für eine unabhängige Untersuchung der Brandkatastrophe geworben.

Kwan und weitere Aktivisten zielten mit der Petition auf eine unabhängige Untersuchung zu möglicher Korruption im Zusammenhang mit der Brandkatastrophe. Zudem forderten sie eine angemessene Umsiedlung der Bewohner und eine Überprüfung der Bauaufsicht. Am Freitag hatte Kwan der Nachrichtenagentur AFP gesagt, dass er nur "ganz grundlegende Forderungen" stelle. Die Petition, die binnen eines Tages mehr als 10.000 Unterschriften erhalten hatte, wurde gesperrt.

Der Großbrand war am Mittwoch im Wohnkomplex Wang Fuk Court im nördlichen Stadtteil Tai Po ausgebrochen. Das Feuer wütete über 40 Stunden lang in sieben der acht Hochhausblöcke der Wohnanlage, die insgesamt fast 2000 Wohneinheiten umfasst. Am Freitag wurde der Löscheinsatz abgeschlossen.

Bis Montag stieg die Opferzahl des Großbrands auf 151, wie eine Polizeivertreterin sagte. Sie schloss nicht aus, dass noch weitere Todesopfer gefunden werden. Bislang wurden fünf der acht 31-stöckigen Hochhäuser vollständig durchsucht. Die Ermittler fanden demnach Todesopfer in Wohnungen, Fluren und Treppenhäusern, von einigen Opfern sei nur noch Asche übrig geblieben.

Chan Tung von der Hongkonger Polizei sprach von "umfassenden Ermittlungen" zu dem Feuer. Diese hätten bislang zur Festnahme von zwölf Männern und einer Frau im Alter zwischen 40 und 77 Jahren geführt.

Die Ermittlungen ergaben, dass ein Teil der Schutznetze, die bei der Renovierung der Hochhäuser genutzt wurden, nicht den Feuerschutzstandards entsprochen hätten. "Proben, die an sieben Stellen der oberen, mittleren und niedriggelegenen Stockwerken von vier Gebäuden genommen wurden", hätten "nicht den Teststandards für Feuerfestigkeit" entsprochen, sagte der Hongkonger Regierungschef Eric Chan.

Als das Feuer ausgebrochen war, hatten in dem Komplex gerade Renovierungsarbeiten stattgefunden, weshalb er mit Bambusgerüsten eingerüstet war. Laut am Freitag vorgelegten Ermittlungsergebnissen wurde der Brand durch die Bambusgerüste und andere brennbare Materialien, die zum Schutz vor Staub und herabfallenden Gegenständen verwendet wurden, angeheizt. Die Feuerwehr bestätigte zudem Angaben der Bewohner, wonach der Brandalarm nicht funktionierte.

Das Unglück löste Bestürzung und Trauer aus, tausende Menschen legten Blumen am Unglücksort nieder. Einige schriftliche Botschaften an der improvisierten Gedenkstätte beschäftigten sich auch mit der Frage, wer für die Katastrophe verantwortlich ist.

T.F.Russell--TNT

Empfohlen

Papst Leo XIV. reist im September zum Staatsbesuch nach Frankreich

Papst Leo XIV. reist vom 25. bis zum 28. September zu einem Staatsbesuch nach Frankreich. In Paris will das Oberhaupt der Katholiken den Sitz der UN-Organisation Unesco besichtigen, wie der Vatikan am Samstag mitteilte. Zudem plant Papst Leo demnach einen Besuch im Pilgerort Lourdes im Südwesten Frankreichs.

"WamS": Zentralrat der Juden fordert Strafrechtsverschärfung bei antisemitischen Delikten

Angesichts der hohen Zahl antisemitischer Straftaten hat der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, eine Verschärfung des Strafrechts gefordert. Im Falle von antisemitischen Delikten wie der Leugnung des Existenzrechts Israels halte er "eine entsprechende Verschärfung für sinnvoll", sagte Schuster der Zeitung "Welt am Sonntag".

Erneut Vergewaltigungsprozess gegen Harvey Weinstein geplatzt

Erneut ist ein Vergewaltigungsprozess gegen den früheren Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein geplatzt. Weil sich die Geschworenen nicht auf ein Urteil einigen konnten, erklärte ein New Yorker Richter das Verfahren zu Vorwürfen der Schauspielerin Jessica Mann für gescheitert. Staatsanwalt Alvin Bragg zeigte sich am Freitag enttäuscht über den Ausgang, dankte den Geschworenen aber für ihre Arbeit. "Seit fast einem Jahr kämpft Jessica Mann um Gerechtigkeit."

61-Jährige mit falschen Gewinnversprechen um mehr als eine Million Euro betrogen

Mehr als eine Million Euro haben Anlagebetrüger bei einer 61-Jährigen in Stuttgart erbeutet. Die Täter gaben sich als Börsenmakler aus und überredeten die Frau über Monate hinweg zu Einzahlungen auf einer angeblichen Handelsplattform, wie die Polizei in baden-württembergischen Landeshauptstadt am Freitag mitteilte.

Textgröße ändern: