The National Times - Bundesregierung erstmals in Kontakt mit Telegram-Betreibern

Bundesregierung erstmals in Kontakt mit Telegram-Betreibern


Bundesregierung erstmals in Kontakt mit Telegram-Betreibern
Bundesregierung erstmals in Kontakt mit Telegram-Betreibern

Im Kampf gegen strafbare Hass- und Gewaltaufrufe hat die Bundesregierung erstmals einen direkten Kontakt zur Konzernspitze des umstrittenen Messengerdienstes Telegram hergestellt. "In einem ersten konstruktiven Gespräch" sei vereinbart worden, "den Austausch fortzusetzen und zu intensivieren", erklärte Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) am Freitag. Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) drohte den Plattformbetreibern mit Millionenstrafen, die auch im Ausland vollstreckt werden könnten.

Textgröße ändern:

Telegram gilt als Hauptmedium für die Koordination der Proteste gegen Corona-Maßnahmen und steht wegen der Verbreitung von Morddrohungen gegen Politiker sowie Falschmeldungen in der Kritik. Die deutschen Behörden hatten sich lange um einen Kontakt zu den Betreibern der Plattform bemüht, die sich aus ihrer Sicht nicht an Aufforderungen zum Löschen von Hassbotschaften und illegalen Inhalten halten.

"Dieser Schritt ist ein guter Erfolg, auf dem wir aufbauen werden", schrieb Faeser zu dem ersten Gespräch mit Telegram-Vertretern auf Twitter. Ein Ministeriumssprecher sagte, an ihm habe Faesers Staatssekretär Markus Richter und weitere Vertreter des Bundesinnen- und des Bundesjustizministeriums teilgenommen.

Bei dem Gespräch am Mittwoch per Videokonferenz habe die Spitze von Telegram ihre größtmögliche Kooperationsbereitschaft mit den deutschen Behörden erklärt, berichteten die Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) unter Berufung auf Ministeriumsangaben. Für den künftigen direkten Austausch sei von Telegram ein hochrangiger Ansprechpartner benannt worden. Der Kontakt kam demnach über eine durch den US-Konzern Google vermittelte E-Mail-Adresse zustande.

Bundesjustizminister Buschmann will den Druck auf Telegram aber aufrecht erhalten. "Wir werden beispielsweise prüfen, ob und wo Telegram Vermögen hat, in das wir im Falle eines rechtskräftigen Bußgeldbescheides vollstrecken können", sagte er der "Rheinischen Post" und dem "General-Anzeiger". Bei der Vollstreckung von Vermögen und strafrechtlicher Verfolgung auch außerhalb der EU sei die Rechtslage "eindeutig".

Buschmann warnte Telegram vor einem "Bußgeld in Millionenhöhe". Dieses könne am Ende der Bußgeldverfahren stehen, die das Bundesamt für Justiz gegen den Plattform-Betreiber eingeleitet habe, sagte Buschmann am Rande eines Treffens der EU-Justizminister im nordfranzösischen Lille.

Eine Sprecherin des Justizministeriums erläuterte, dass sich die Bußgeldsumme auf bis zu 55 Millionen Euro belaufen könne. Demnach ist ein Strafgeld von fünf Millionen Euro möglich, wenn kein Zustellungsbevollmächtigter genannt wird. Und bei Verstößen gegen Verfahren zu Beschwerden über rechtswidrige Inhalte und beim Fehlen eines erkennbaren Meldewegs könnten maximal 50 Millionen Euro verhängt werden.

"Ich hoffe sehr, dass wir eine Lösung finden", sagte Buschmann in Lille zu den nun begonnenen Gesprächen mit dem Unternehmen. "Die Lösung muss natürlich lauten, dass Telegram die deutschen Regulierungen nicht nur akzeptiert, sondern umsetzt."

Der FDP-Politiker verwies daneben auch auf Bemühungen der EU, große Plattform-Betreiber deutlich stärker in die Pflicht zu nehmen. "Ich glaube, dass Telegram stärker beeindruckt ist, wenn wir als Europäer gemeinsam vorgehen", sagte Buschmann.

R.Campbell--TNT

Empfohlen

Treppeneinsturz in Geschäftshaus in Witten: 36 Menschen mit Drehleitern gerettet

In einem Geschäftshaus im nordrhein-westfälischen Witten ist am Mittwoch eine Treppe über mehrere Etagen eingestürzt. Einsatzkräfte retteten mit Drehleitern mehr als 30 Menschen aus dem Gebäude, wie Feuerwehr und Stadtverwaltung mitteilten. Es wurde demnach niemand verletzt. Angaben zur möglichen Ursache wurden zunächst nicht gemacht.

Tödlicher Fußtritt in München: Mehr als fünf Jahre Haft für 31-Jährigen

Nach dem Tod eines 57-jährigen Manns infolge eines Fußtritts in einem Park nahe dem Münchner Hauptbahnhof ist ein 31-Jähriger zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und drei Monaten verurteilt worden. Das Landgericht München sprach den Mann am Mittwoch der Körperverletzung mit Todesfolge schuldig, wie ein Gerichtssprecher mitteilte.

Spenden für Dschihadistenmiliz IS gesammelt: Haftstrafen für vier Männer in Hamburg

Wegen Spendensammlungen für die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) sind vier Männer in Hamburg zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Das Oberlandesgericht in der Hansestadt verhängte nach Angaben einer Sprecherin am Dienst zwischen vier Jahren und neun Monaten sowie achteinhalb Jahren Gefängnis, wobei in einem Fall vorherige Strafen aus einem anderen Prozess einbezogen wurden. Laut Anklage hatten sie unter anderem durch Aufrufe in sozialen Medien rund 240.000 Euro gesammelt.

Mann in Berlin tot aus der Havel geborgen - Polizei geht von Tötungsdelikt aus

In Berlin-Spandau ist ein Mann tot aus der Havel geborgen worden. Der 45-Jährige wurde am Montagvormittag nahe einer Brücke entdeckt, wie die Berliner Polizei am Mittwoch mitteilte. Die Ermittler gehen nach eigener Aussage davon aus, dass er Opfer eines Tötungsdeliktes wurde.

Textgröße ändern: