The National Times - Nach Anschlag vor Synagoge: Britischer Premier sagt Antisemitismus den Kampf an

Nach Anschlag vor Synagoge: Britischer Premier sagt Antisemitismus den Kampf an


Nach Anschlag vor Synagoge: Britischer Premier sagt Antisemitismus den Kampf an
Nach Anschlag vor Synagoge: Britischer Premier sagt Antisemitismus den Kampf an / Foto: © AFP

Nach dem tödlichen Anschlag an einer Synagoge in Manchester hat der britische Premierminister Keir Starmer eine entschlossene Bekämpfung des Antisemitismus angekündigt. Starmer sagte am Donnerstagabend in einer Fernsehansprache, der "Hass" auf Juden sei zwar nicht neu, doch nehme er wieder zu: "Und Großbritannien muss ihn einmal mehr besiegen."

Textgröße ändern:

Bei dem Anschlag am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur waren am Donnerstagmorgen nach Polizeiangaben vor der Synagoge in der nordwestenglischen Stadt zwei Menschen getötet und vier weitere Menschen schwer verletzt worden. Der mutmaßliche Täter wurde wenige Minuten nach dem Anschlag von Polizisten erschossen.

Starmer wandte sich in seiner Ansprache direkt an die jüdischen Gemeinden in Großbritannien und sicherte ihnen zu, dass er "alles in seiner Macht Stehende" tun werde, um ihnen "die Sicherheit zu gewährleisten, die sie verdienen".

Der Premierminister hatte sich bereits zuvor in einer Botschaft im Onlinedienst X "entsetzt" über den Anschlag gezeigt. Seine Teilnahme an einem Gipfel der Europäischen Politischen Gemeinschaft in Kopenhagen brach er ab. Schon vor seinem Rückflug kündigte er eine erhöhte Polizeipräsenz vor allen Synagogen in Großbritannien an.

Der israelische Außenminister Gideon Saar erklärte indes, sein Land erwarte von Starmers Regierung "mehr als nur Worte" zum wachsenden Antisemitismus in Großbritannien. Saar warf den britischen Behörden auf X vor, sie hätten in der Vergangenheit "nicht die notwendigen Maßnahmen ergriffen, um die "giftige Welle des Antisemitismus einzudämmen". Vielmehr hätten sie zugelassen, dass sie fortbestehe.

Saar schrieb: "Die Wahrheit muss gesagt werden: Offene und unkontrollierte antisemitische und anti-israelische Hetze, genauso wie Aufrufe zur Unterstützung von Terrorismus, sind in jüngster Zeit ein weit verbreitetes Phänomen auf den Straßen von London geworden, in den Städten überall in Großbritannien."

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte: "Israel trauert mit der jüdischen Gemeinde in Großbritannien nach dem barbarischen Terrorangriff in Manchester." Netanjahu verwies auf seine Rede in der vergangenen Woche bei der UNO, in der er gewarnt habe, dass "Schwäche im Angesicht des Terrorismus nur mehr Terrorismus bringt. Nur Stärke und Geschlossenheit können ihn besiegen."

Die britische Polizei hatte den Anschlag als "terroristischen Vorfall" eingestuft. Der Täter war nach Angaben der Polizei vor der Synagoge Heaton Park mit einem Wagen direkt in Menschen hineingefahren. Außerdem stach er laut Augenzeugenberichten mit einem Messer um sich.

Vor dem Gotteshaus stationierte Polizisten erschossen den mutmaßlichen Täter, über den die Polizei zunächst keine Informationen veröffentlichte. Die Polizei nahm zudem zwei Menschen im Zusammenhang mit dem Anschlag fest, über die sie ebenfalls zunächst keine Angaben machte.

Der Anschlag ereignete sich wenige Tage vor dem zweiten Jahrestag des Angriffs der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas auf Israel, der den Gaza-Krieg ausgelöst hatte. Bei dem Hamas-Überfall waren nach israelischen Angaben 1219 Menschen getötet und 251 andere als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt worden. Seither geht die israelische Armee massiv militärisch im Gazastreifen vor. Nach Angaben des Hamas-Gesundheitsministeriums wurden dabei bereits mehr als 66.000 Palästinenser getötet.

A.M.Murray--TNT

Empfohlen

Zwei Menschen bei Messerangriff in Solingen lebensgefährlich verletzt

Bei einem Messerangriff im nordrhein-westfälischen Solingen sind zwei Menschen lebensgefährlich verletzt worden. Ein 46-Jähriger habe bei einem Streit auf offener Straße auf einen 48-Jährigen eingestochen, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft Wuppertal am Mittwochabend mit. Ein 52-Jähriger, der bei dem Streit habe schlichten wollen, sei ebenfalls von dem 46-Jährigen mit dem Messer attackiert worden. Die beiden lebensgefährlich verletzten Männer seien ins Krankenhaus gebracht und operiert worden.

Streik im Westjordanland: Palästinenser protestieren gegen Israels Todesstrafe-Gesetz

Im Westjordanland haben am Mittwoch zahlreiche Menschen gegen die vom israelischen Parlament beschlossene Einführung der Todesstrafe für wegen Terrorismusvorwürfen verurteilte Palästinenser protestiert. Viele Geschäfte und öffentliche Einrichtungen in dem Palästinensergebiet blieben am Mittwoch geschlossen, wie AFP-Reporter berichteten. Die Fatah-Partei von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hatte am Dienstag zu einem Generalstreik im Westjordanland aufgerufen.

Tödliche Schüsse auf Polizisten in Saarland: Junger Täter soll in Psychiatrie

Im Prozess um die tödlichen Schüsse auf einen Polizisten im saarländischen Völklingen hat das Landgericht Saarbrücken den Mordvorwurf gegen den Angeklagten fallengelassen. Der zur Tatzeit 18-Jährige sei wegen einer paranoiden Schizophrenie bei den Schüssen schuldunfähig gewesen, urteilte das Gericht am Mittwoch. Der Mann soll nun unbefristet in der Psychiatrie untergebracht werden. Die Deutsche Polizeigewerkschaft sprach angesichts des Urteils von einem "Schlag ins Gesicht" für alle Polizisten.

Wegen Aufrufen zu Anschlägen auf Politiker: Anklage gegen Reichsbürger erhoben

Wegen der Veröffentlichung von Todeslisten mit Namen von Politikern hat die Bundesanwaltschaft Anklage gegen einen mutmaßlichen Reichsbürger erhoben. Der Beschuldigte habe mindestens seit Mai vergangenen Jahres im Darknet zu Anschlägen auf Menschen des öffentlichen Lebens, Politiker und Amtsträger aufgerufen, erklärte der Generalbundesanwalt am Mittwoch in Karlsruhe.

Textgröße ändern: