The National Times - Zähe EU-Debatte über Gaspreise in Brüssel

Zähe EU-Debatte über Gaspreise in Brüssel


Zähe EU-Debatte über Gaspreise in Brüssel
Zähe EU-Debatte über Gaspreise in Brüssel / Foto: © AFP

Auf dem Brüsseler EU-Gipfel halten die Debatten um einen Gaspreisdeckel an. Frankreich, Italien und andere Länder riefen Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) am Donnerstag auf, seinen Widerstand gegen einen europaweiten Höchstpreis aufzugeben. Rückendeckung erhielt Scholz unter anderem von Dänemark und den Niederlanden.

Textgröße ändern:

Der scheidende italienische Regierungschef Mario Draghi sagte bei seinem vorerst letzten EU-Gipfel, die Mitgliedsländer müssten "dringend" einen gemeinsamen Gaspreisdeckel beschließen und den Energiemarkt reformieren. Eine Mehrheit der Mitgliedsländer fordert eine solche Preisobergrenze.

Scholz erteilte dem erneut eine Absage, zeigte sich für gemeinsame Gaskäufe aber offen. Die EU müsse sich auf Konzepte einigen, die auch funktionierten, sagte er in Brüssel. In einer Regierungserklärung im Bundestag hatte der Kanzler zuvor auf die Gefahr verwiesen, dass Produzenten wie die USA und Norwegen bei einem Preisdeckel "ihr Gas dann anderswo verkaufen und wir Europäer am Ende nicht mehr Gas bekommen, sondern weniger".

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron warnte davor, dass sich Deutschland in Europa "isoliert". Neben Macron riefen auch andere Staats- und Regierungschefs Scholz zum Einlenken auf. Europa funktioniere nicht ohne Kompromisse, sagte die estnische Regierungschefin Kaja Kallas. "Ich hoffe, dass auch Deutschland diesen Sinn für Kompromisse findet."

EU-Ratspräsident Charles Michel sprach von einem "Moment der Wahrheit" für die EU. Er zeigte sich zugleich überzeugt, dass nach monatelangem Streit eine Einigung möglich sei. Scholz brachte einen Sondergipfel im November ins Gespräch, dies wurde aber nach übereinstimmenden Diplomatenangaben von der Runde abgelehnt.

Nach Angaben mehrerer Diplomaten feilschten die Mitgliedsländer um die Formulierungen für die geplante Abschlusserklärung. Diskutiert wurde etwa ein "dynamischer Preisdeckel" für den Gasmarkt oder ein Gaspreisdeckel nach dem sogenannten iberischen Modell - Spanien und Portugal haben Gas für die Stromproduktion durch staatliche Subventionen verbilligt. Deutschland, aber auch die Niederlande und Dänemark sehen solche Markteingriffe skeptisch.

Vor Gipfelbeginn waren Scholz und Macron zunächst bilateral zusammengetroffen. Sie vereinbarten, dass der Kanzler kommende Woche Mittwoch zum Präsidenten nach Paris reist. Dabei dürfte es um Energiefragen gehen wie auch um die gemeinsamen Pläne für ein Kampfflugzeug, die sich verzögern.

Zuvor hatten Paris und Berlin kurzfristig ein eigentlich für Mittwoch geplantes Treffen mit den Ministern der beiden Länder abgesagt. Beide Seiten räumten mangelnde Einigkeit in zentralen Punkten ein. Als möglich gilt ein neuer Termin um den 60. Jahrestag des Elysée-Vertrags herum, also um den 22. Januar.

Bei dem EU-Gipfel ging es auch um weitere Unterstützung für die Ukraine. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj betonte in einer Videoschalte mit den EU-Spitzen, noch mehr Menschen könnten aus seinem Land Richtung Westen fliehen, weil Russland die Ukraine mit den Attacken auf das Energiesystem "in ein Schlachtfeld" verwandele.

Die Staats- und Regierungschefs wollten laut einem Entwurf ihrer Abschlusserklärung die jüngsten russischen Angriffe auf die Ukraine scharf verurteilen. Polen und die Baltenstaaten drängen laut polnischen Medienberichten zudem auf ein neuntes EU-Sanktionspaket gegen Russland.

Am zweiten Gipfeltag am Freitag soll es um die Beziehungen der EU zu Asien gehen sowie um die Vorbereitung des Weltklimagipfels in Ägypten im November.

A.M.Murray--TNT

Empfohlen

Bericht: Geheime Technik von US-Tarnkappenjet F-35 nach Hongkong umgeleitet

Geheime Technik des hochmodernen US-Tarnkappenjets F-35 ist einem Medienbericht zufolge womöglich China in die Hände gefallen. Die Plattform Politico berichtete am Freitag, dass eine Ladung mit Teilen des Flugzeugs, darunter die Cockpithaube mit der Tarnkappentechnologie, auf dem Weg von Australien in die USA nach Hongkong umgeleitet wurde und seither als vermisst gilt. Der Tarnkappen-Jet F-35 gilt als das modernste Kampfflugzeug der Welt, erst am Freitag nahm Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) den ersten Jet für die Bundeswehr in Empfang.

Neuer Chef der Meyer Werft sieht Kreuzfahrtschiffbauer auf gutem Kurs

Der neue Chef der Meyer Werft, André Walter, sieht das finanziell angeschlagene Traditionsunternehmen auf einem guten Kurs. "Die Werft hatte finanzielle und wirtschaftliche Probleme, das ist bekannt. Aber es gibt einen klaren Plan, um da herauszukommen, und den arbeiten wir jetzt konsequent ab", sagte der 60-Jährige ehemalige Airbus-Manager der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ, Samstagsausgabe). Der Kreuzfahrtschiffbauer habe eine "sehr gute Zukunftsperspektive".

Google-KI Gemini hat während eines Tests Cyberattacken ausgeführt

Inmitten der Debatte über die Gefahren durch die rasante Entwicklung der Künstlichen Intelligenz (KI) hat auch Google einen Sicherheitsvorfall beim Test seines KI-Modells Gemini gemeldet. Gemini habe Cyberangriffe auf mehrere Websites ausgeführt, teilte die Google-Managerin Heather Adkins am Freitag der Nachrichtenagentur AFP mit. Die Hackerangriffe, die sich im Mai ereignet hatten, waren im Juli von Google entdeckt worden. Zunächst hatte das "Wall Street Journal" über die Vorfälle berichtet.

Grüne kritisieren Tankrabatt als "Wahnsinn"

Die Grünen im Bundestag haben die Einigung zwischen Bund und Länder auf einen Tankrabatt von 17 Cent bis Jahresende als "Wahnsinn" kritisiert. "Der Tankrabatt ist zurück. Was für ein Wahnsinn", sagte Fraktionsvize Andreas Audretsch den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND, Samstagsausgaben). "Das Geld muss im Geldbeutel der Menschen ankommen, nicht in den Taschen der Ölkonzerne", fügte er hinzu.

Textgröße ändern: