The National Times - EuGH: Ausweisung von verurteilten Schleusern nicht abschreckend genug

EuGH: Ausweisung von verurteilten Schleusern nicht abschreckend genug


EuGH: Ausweisung von verurteilten Schleusern nicht abschreckend genug
EuGH: Ausweisung von verurteilten Schleusern nicht abschreckend genug / Foto: © AFP/Archiv

Zu Haftstrafen verurteilte Schleuser dürfen nicht einfach ausgewiesen werden. Das ist keine wirksame, abschreckende Strafe, wie der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg am Donnerstag entschied. Ungarn verstieß demnach gegen seine Pflichten. (Az. C-521/25)

Textgröße ändern:

Eine Verordnung von 2023 sah in Ungarn vor, dass rechtskräftig zu Haftstrafen verurteilte ausländische Schleuser nicht ins Gefängnis kamen, sondern das Land verlassen mussten. Die Freiheitsstrafe wurde automatisch in diese sogenannte Reintegrationshaft umgewandelt, wenn ein Gericht die Ausweisung anordnete. Der Verurteilte musste Ungarn dann innerhalb von drei Tagen verlassen.

Im August 2025 wurde die Verordnung aufgehoben. 2525 Straftäter seien in den Genuss der Spezialregelung gekommen, erklärte der EuGH.

Die EU-Kommission verklagte Ungarn im Juli 2025. Sie befürchtete Risiken für die Sicherheit in der Europäischen Union und die Wirksamkeit von Grenzkontrollen und Einwanderungspolitik. Die Straftat der Beihilfe zu illegalen Einwanderung könne so unbestraft bleiben, argumentierte die Kommission.

Sie findet, dass Ungarn gegen seine Pflicht verstoßen habe, wirksame, abschreckende und angemessene Sanktionen zu verhängen. Das bestätigte der EuGH nun. Denn die eigentlich verhängte Sanktion, die Haftstrafe, werde nicht vollstreckt.

Das sei nicht abschreckend für Schleuser - sie wüssten, dass ihnen im schlimmsten Fall nur die Ausweisung drohe. Es handle sich nicht um eine angemessene Sanktion, erklärte der EuGH.

Wenn der Gerichtshof - wie hier - eine Vertragsverletzung feststellt, müssen EU-Mitgliedsstaaten sich daran halten und ihre Maßnahmen ändern. In diesem Fall ist die entsprechende ungarische Verordnung allerdings bereits aufgehoben.

N.Johns--TNT

Empfohlen

"Grüne Gase" zum Heizen: Grüne werfen Reiche Übernahme von Lobbyvorschlägen vor

Die Grünen werfen Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) vor, bei den Plänen für eine sogenannte Grüngasquote für Heizungen Forderungen der Gaslobby weitgehend übernommen zu haben. "Die Eckpunkte zur Grüngas- und Grünheizölquote lesen sich über weite Strecken wie das Forderungspapier der Gas- und Wasserstoffwirtschaft", sagte der Abgeordnete Alaa Alhamwi am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP. "Nahezu alle Forderungen wurden aufgenommen, leicht umformuliert und auf das erforderliche Maß gekürzt."

Streit ums Geld: EU-Staats- und Regierungschefs verhandeln über nächsten EU-Haushalt

Wie viel Geld wird es für europäische Landwirte geben? Wie viel investiert die EU in Verteidigung und in KI? Die EU-Staats- und Regierungschefs sind am Donnerstag in Brüssel zu zähen Verhandlungen über den nächsten, auf sieben Jahre angelegten Haushalt der Union zusammengekommen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zeigte sich bei seiner Ankunft in Brüssel höchst skeptisch: "Wir brauchen Einstimmigkeit im Rat, und von dieser Einstimmigkeit sind wir weit entfernt", sagte er.

DIW-Auswertung: Nur zwei Drittel des Tankrabatts werden weitergegeben

Zwei Wochen nach Einführung des neuen Tankrabatts zeigt sich nach Angaben des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), dass lediglich 67 Prozent der Steuersenkung an Verbraucherinnen und Verbraucher weitergeben werden. Verglichen mit den Spritpreisen in Frankreich, wo es keinen Tankrabatt gibt, sanken die Preise an den Zapfsäulen in Deutschland demnach im Schnitt um zehn bis elf Cent je Liter - die Steuersenkung durch den Tankrabatt beträgt allerdings rund 17 Cent.

Bundestags-Gutachten: Neues Energiegesetz womöglich nicht mit EU-Recht vereinbar

Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages hat Zweifel an der Vereinbarkeit des sogenannten Netzpakets der Bundesregierung mit EU-Recht geäußert. Geplante Einschränkungen für den Anschluss neuer Energieanlagen ans Stromnetz seien eventuell nicht EU-rechtskonform, heißt es in einem von der Grünen-Fraktion beantragten Gutachten, dass der Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag vorlag.

Textgröße ändern: