The National Times - Steigende Preise: Europäische Zentralbank hebt Leitzins auf 2,5 Prozent an

Steigende Preise: Europäische Zentralbank hebt Leitzins auf 2,5 Prozent an


Steigende Preise: Europäische Zentralbank hebt Leitzins auf 2,5 Prozent an
Steigende Preise: Europäische Zentralbank hebt Leitzins auf 2,5 Prozent an / Foto: © AFP

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat zum zweiten Mal seit Beginn des Iran-Kriegs und dem daraus resultierenden Energiepreisschock die Zinsen erhöht. Der auch für Sparerinnen und Sparer wichtige Einlagenzinssatz steigt auf 2,5 Prozent, wie die EZB am Donnerstag mitteilte. Dies soll dabei helfen, die zuletzt deutlich gestiegene Inflation im Euroraum einzudämmen, könnte sich aber auch dämpfend auf das Wirtschaftswachstum auswirken.

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Der Konflikt im Nahen Osten erzeuge "weiterhin Inflationsdruck", erläuterte Zentralbankspräsidentin Christine Lagarde auf einer Pressekonferenz in Berlin, wo die auswärtige Sitzung des EZB-Rats stattfand. Der Beschluss zur erneuten Anhebung der Leitzinses um 25 Basispunkte unterstreiche "unsere Entschlossenheit", die Geldpolitik für die Eurozone so auszurichten, dass sich die Inflation auf mittlere Sicht beim Zielwert von zwei Prozent stabilisiere, fügte sie hinzu.

Im August hatte die Inflation im Euroraum 3,3 Prozent erreicht - den höchsten Stand seit fast drei Jahren. Zugleich hatte sich die Wirtschaft in der Eurozone zuletzt robuster als befürchtet gezeigt. Dies ist vor dem Hintergrund bedeutsam, dass höhere Leitzinsen einerseits den Auftrieb der Verbraucherpreise dämpfen können, sich gleichzeitig aber womöglich auch auf die Konjunktur auswirken - etwa dadurch, dass für Unternehmen Kreditkosten für Investitionen teurer werden.

Mit Blick auf das Wachstum der Wirtschaft korrigierte die EZB am Donnerstag ihre bisherige Annahme nach oben und geht für 2026 nun von 0,9 Prozent statt 0,8 Prozent aus. Dies spiegele eine "größer als erwartete Widerstandsfähigkeit" der Wirtschaft im Euroraum wider, sagte Lagarde - "trotz des Energiepreisschocks".

Bei der Inflation geht die Zentralbank indes davon aus, dass sich die Teuerung hartnäckiger als bislang angenommen oberhalb des Zwei-Prozent-Ziels hält und hob ihre Erwartung für 2027 auf 2,5 Prozent an. 2028 werden bei der Teuerungsrate demnach 2,1 Prozent erreicht.

Neben dem Einlagenzinssatz steigen auch die beiden anderen Zinssätze der EZB: Der Hauptrefinanzierungssatz, zu dem sich Geschäftsbanken Geld von der Zentralbank leihen können, und der Spitzenrefinanzierungssatz zur kurzfristigen Beschaffung von Geld bei der EZB werden ebenfalls um 0,25 Punkte angehoben. Sie liegen damit bei 2,65 und 2,90 Prozent.

Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), Ulrich Reuter, begrüßte den Zinsschritt der EZB als richtig: Zwar könne die Zentralbank höhere Energiepreise infolge der Sperrung der Straße von Hormus nicht verhindern, "sie kann aber beeinflussen, dass die Preise nicht dauerhaft und auf breiter Front steigen", erklärte er. Die Präsidentin des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), Marija Kolak, ergänzte, dass die EZB mit ihrer Entscheidung "ein klares Signal zur Sicherung der Preisstabilität" sende.

Der Chefanalyst der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), Volker Treier, bezeichnete die Zinserhöhung als "nachvollziehbar". Für viele Unternehmen sei sie aber "nur unter Schmerzen zu verdauen". Höhere Zinsen könnten "insbesondere mittelständischen Unternehmen treffen, die in neue Maschinen, Digitalisierung, KI-Nutzung, Energieeffizienz und grundlegend in die Transformation ihrer Geschäftsmodelle investieren wollen", erklärte er. "Gleichwohl ist die Zinsanhebung der EZB ein notwendiges Übel, um Preis- und Kostensteigerungen rechtzeitig im Zaum zu halten."

Auch der Präsident des Münchener Ifo-Instituts, Clemens Fuest, wertete die Zinserhöhung als unvermeidlich. Zwar komme sie angesichts einer noch recht schwachen Konjunktur "für Deutschland ungelegen", erklärte er. "Die EZB hat aber den Auftrag, Geldpolitik für den ganzen Euroraum zu machen."

Stefan Körzell, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), kritisierte die Zinserhöhung hingegen als Fehler. "In Deutschland zeichnet sich derzeit eine wirtschaftliche Erholung ab, die dadurch unnötig ausgebremst wird", erklärte er.

Bei ihrer vorangegangenen Sitzung im Juli hatte die EZB die Zinssätze unverändert gelassen. Im Juni hatte die Zentralbank sie zum ersten Mal seit September 2023 angehoben, ebenfalls um 0,25 Punkte.

T.Bailey--TNT

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