The National Times - Entlastungen für Firmen: Regierung will Vorgaben für Energieverbrauch abschwächen

Entlastungen für Firmen: Regierung will Vorgaben für Energieverbrauch abschwächen


Entlastungen für Firmen: Regierung will Vorgaben für Energieverbrauch abschwächen
Entlastungen für Firmen: Regierung will Vorgaben für Energieverbrauch abschwächen / Foto: © AFP

Die Bundesregierung will Unternehmen bei den Vorschriften fürs Energiesparen entlasten. Das Kabinett beschloss am Mittwoch einen Entwurf für ein Gesetz zur Energieeffizienz, der unter anderem Rechenzentren mehr Zeit geben soll, auf Strom aus erneuerbaren Energien umzustellen. Insgesamt werde die Wirtschaft um "mehr als drei Milliarden Euro" entlastet, erklärte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). Wirtschaftsverbänden geht das Vorhaben nicht weit genug.

Textgröße ändern:

Mit dem Entwurf werden die Anforderungen für Unternehmen und den Staat laut Wirtschaftsministerium auf das Maß zurückführt, das EU-Vorgaben vorsehen. Die Bundesregierung konzentriere "verbindliche Anforderungen auf besonders energieintensive Betriebe", erklärte Reiche weiter. Die Pflicht zur Einführung von Energie- oder Umweltmanagementsystemen etwa solle künftig erst für Unternehmen ab einem Energieverbrauch von 23,6 Gigawattstunden pro Jahr gelten.

Für neue Rechenzentren werde die Übergangsfrist zur Einhaltung der Effizienzvorgaben von zwei auf vier Jahre verlängert, fuhr die CDU-Politikerin fort. Zudem bekommen Betreiber von Rechenzentren drei Jahre länger und damit bis zum 1. Januar 2030 Zeit, bis sie "den Stromverbrauch in ihren Rechenzentren bilanziell zu 100 Prozent durch Strom aus erneuerbaren Energien decken müssen".

Die Effizienzvorgaben gefährden nach Angaben des Bundesverbands Breitbandkommunikation dennoch "den weiteren Ausbau der dringend notwendigen Rechenzentrumskapazitäten in Deutschland". Dies bremse "insbesondere den deutschen IT-Mittelstand als wichtigen Treiber der regionalen Digitalisierung und digitalen Souveränität aus", erklärte Sven Knapp, Mitglied der Geschäftsleitung.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hingegen hatte im Vorfeld des Kabinettsbeschlusses angeprangert, dass die Regierung "neue Schlupflöcher für Tech-Konzerne" schaffe, "anstatt starke Leitplanken für den Bau sauberer Rechenzentren zu setzen". "Es ist nun Sache des Bundestages, sich klar an den Klimazielen zu orientieren und verlässliche Rahmenbedingungen für den Bau und Betrieb energieeffizienter Rechenzentren zu setzen", erklärte Greenpeace-Tech-Expertin Linda Klapdor.

Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums entfällt unter anderem auch "die bisher bestehende Verpflichtung zur Nutzung von Abwärme für Unternehmen". Der Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft kritisierte den Gesetzentwurf als "Rückschritt" und verwies darauf, dass "ungenutzte Abwärme und Energieeffizienzmaßnahmen ein enormes wirtschaftliches Potenzial" hätten. "Abwärme zu vermeiden und zu nutzen, wie es bisher die Pflicht war, ist eine heimische, günstige Variante, um Dekarbonisierung und Wettbewerbsfähigkeit zu verzahnen", erklärte der Verband.

Der Deutsche Mittelstands-Bund bezeichnete das Gesetz als "Schritt in die richtige Richtung". Der geschäftsführende Vorstand des Verbands, Marc Tenbieg, bemängelte aber, dass eine "Deckelung des Energieverbrauchs, und damit eine zentrale Belastung, bestehen bleibt". In dieser Hinsicht lasse die EU-Energieeffizienzrichtlinie allerdings nur wenig Spielraum, räumte Tenbieg ein. Er forderte die Bundesregierung auf, sich auf EU-Ebene für Veränderungen einzusetzen.

Auch dem Präsidenten der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), Peter Adrian, geht der Gesetzentwurf nicht weit genug. "Der Bundestag sollte den eingeschlagenen Weg der Harmonisierung und Entbürokratisierung nun konsequent weiter gehen und den Gesetzentwurf im parlamentarischen Verfahren weiter entschlacken", erklärte er und appellierte ebenfalls an die Bundesregierung, sich "auf europäischer Ebene für einen vereinfachten, wachstumsförderlichen und praxisgerechten Rechtsrahmen" einzusetzen.

B.Cooper--TNT

Empfohlen

Forderungen nach langsamerer KI-Entwicklung werden lauter

Die Forderungen nach einer langsameren Entwicklung von Künstlicher Intelligenz sind in den USA und in Europa lauter geworden. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte am Mittwoch an, sie werde die führenden KI-Firmen zu Beratungen darüber einladen, "einen Gang zurückzuschalten". KI-Größen wie OpenAI und Anthropic hatten sich für ein Drosseln der Entwicklung ausgesprochen, US-Präsident Donald Trump und Meta-Chef Mark Zuckerberg lehnen dies hingegen ab.

Gericht: Gefühlte deutsche Identität begründet keinen Anspruch auf Grundsicherung

Eine gefühlte deutsche Identität begründet laut einer Gerichtsentscheidung keinen Anspruch auf Grundsicherungsleistungen. Ausländer ohne Aufenthaltsrecht hätten auch dann keinen Anspruch auf Grundsicherung, wenn sie sich selbst als Deutsche verstünden, entschied das baden-württembergische Landessozialgericht in Stuttgart laut Mitteilung vom Mittwoch im Eilverfahren.

Social Media Verbot: Von der Leyen schlägt Altersgrenze von 13 Jahren vor

Onlineplattformen wie Instagram, Snapchat und Tiktok könnten in der EU für Kinder unter 13 Jahren verboten werden. "Keine sozialen Netzwerke unter 13 Jahren, kein eigenes Nutzerkonto unter 15 Jahren", forderte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Mittwoch in Straßburg. Am Donnerstag will sie einen konkreten Gesetzesvorschlag vorlegen, der dann in die Verhandlungen im Europaparlament und im Rat der EU-Länder geht.

Ex-Kanzler Scholz dabei: 37 frühere Spitzenpolitiker kritisieren weltweite Ungleichheit

Dutzende frühere Staats- und Regierungschefs aus aller Welt haben ihre Nachfolger in einem offenen Brief zur Eindämmung extremer Ungleichheit aufgerufen. "Die Kluft zwischen den Reichsten und den Ärmsten ist schlicht zu groß geworden", heißt es in dem am Mittwoch veröffentlichten Schreiben, das der Nachrichtenagentur AFP vorlag, und zu dessen Unterzeichnern auch der ehemalige Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) gehört.

Textgröße ändern: