The National Times - DGB-Chefin Fahimi droht mit Protesten gegen Sozialreformen

DGB-Chefin Fahimi droht mit Protesten gegen Sozialreformen


DGB-Chefin Fahimi droht mit Protesten gegen Sozialreformen
DGB-Chefin Fahimi droht mit Protesten gegen Sozialreformen / Foto: © POOL/AFP/Archiv

Die DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi hat sich gegen die Pläne der Bundesregierung für eine Erneuerung des Sozialstaats gestellt. Auf die Frage, wo Beschäftigte für die anstehenden Reformen vielleicht Zugeständnisse machen müssten, sagte Fahimi im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" (Donnerstagsausgabe): "Warum müssen sie das überhaupt?" Ein Reformpaket, in dem die Lasten verteilt seien, etwa zwischen Arbeitgebern und Beschäftigten, "das sehe ich nicht", sagte Fahimi.

Textgröße ändern:

Das System könne und müsse zuerst mit Strukturreformen effizienter gemacht werden, forderte die DGB-Vorsitzende. Ebenso müsse die Selbstbedienung im Gesundheitssystem abgeschafft und für eine "gerechte Finanzierung" gesorgt werden.

Die Reformdebatte laufe in die falsche Richtung, sagte die DGB-Vorsitzende. "Ich finde es unsäglich, dass wir angesichts der geopolitischen Herausforderungen, der Wachstumsschwäche, der fehlenden Modernisierung an unseren Industriestandorten ständig über beliebige Vorschläge zur Einschränkung der Rechte von Arbeitnehmern oder ihrer sozialen Absicherung diskutieren müssen." Das sei "vollständig aberwitzig". Es gehe an den Notwendigkeiten völlig vorbei. "Darüber bin ich wirklich zunehmend wütend", sagte Fahimi. "Das wird auch am 1. Mai Ausdruck finden, und zwar nicht nur von mir, sondern von Hunderttausenden, die wir mobilisieren."

Fahimi drohte mit entschiedenem Widerstand, sollten die Reformen auf Kosten der Beschäftigten gehen. Sie hoffe auf eine Verständigung. "Aber falls erforderlich, sind wir bereit, Proteste auf der Straße zu organisieren", auch gegen die Gesundheitsreform. Die roten Linien des DGB seien klar: "Wer die gesetzliche Rente kürzen will, wird unseren vollen Widerstand erfahren." Das gelte ebenso bei der Arbeitszeit.

Kritisch äußerte sich Fahimi zudem zum Vorschlag von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) für eine Ausweitung befristeter Arbeitsverträge auf Unternehmen, die in Innovationen investieren. "Es sollte doch eine Selbstverständlichkeit sein, dass Unternehmen in Innovationen investieren", sagte sie. "Beschäftigte bekommen auch keine Prämie neben dem Lohn, nur weil sie arbeiten gehen."

Klingbeil hatte in seiner Reformrede Ende März bei der Bertelsmann-Stiftung gesagt, er könne sich vorstellen, bei Unternehmen, die in Innovationen investierten, für eine längere Zeit befristete Arbeitsverträge zu ermöglichen, so wie dies bereits bei Start-ups der Fall sei. Er hoffe, dass sich so mehr Unternehmen trauten, trotz der Unsicherheit Leute einzustellen. "Man investiert, weil man dahinter ein Geschäftsmodell erwartet", sagte die DGB-Vorsitzende. "Wenn es das nicht gibt, ist es völlig egal, wie sich der Kündigungsschutz gestaltet", fügte sie hinzu.

T.Cunningham--TNT

Empfohlen

Einweihung von Deutschlands größtem Offshore-Windpark

64 Windräder, die rechnerisch rund 1,1 Millionen Haushalte mit Strom versorgen können: In der Nordsee ist Deutschlands bislang größter Offshore-Windpark entstanden. Zur Einweihungsfeier hat das Energieunternehmen EnBW am Donnerstag (14.30 Uhr) nach Hamburg geladen. Angemeldet hat sich unter anderen Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD).

Glücksspiele im Internet: BGH verhandelt über verlorene Wetteinsätze

Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe befasst sich am Donnerstag (10.00 und 12.00 Uhr) erneut mit dem Thema Glücksspiele im Internet. In zwei Verhandlungen geht es um Spieler, die von Anbietern aus Malta verlorene Einsätze zurückfordern. Zahlreiche solcher Fälle liegen bei deutschen Gerichten - der BGH will die wichtigen Fragen nun grundsätzlich klären. (Az. I ZR 216/25 und I ZR 78/25)

Von der Leyen stellt Gesetzesvorschlag für Social-Media-Verbot vor

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen stellt am Donnerstag (ab 10.00 Uhr) in Straßburg einen Gesetzesvorschlag für ein EU-weites Social-Media-Verbot für Kinder unter 13 Jahren vor. Das Gesetz soll darüber hinaus vorsehen, dass 13- und 14-Jährige nur Profile mit eingeschränkten Funktionen erstellen können. Von der Leyen hatte ihre Pläne am Mittwoch bereits angekündigt, die Details sollen nun im Gesetzesvorschlag folgen.

Weißes Haus kritisiert Leitzinserhöhung der Fed

Das Weiße Haus hat die Leitzinserhöhung der US-Zentralbank Federal Reserve (Fed) kritisiert. Weiße-Haus-Sprecher Kush Desai sprach am Mittwoch im Sender Fox News von einer "eher unglücklichen Entscheidung". Die Fed habe aus Sicht der US-Regierung keine besonders überzeugende wirtschaftliche Begründung dafür geliefert.

Textgröße ändern: