The National Times - Deutliche Kritik aus Europa an Lockerung von Öl-Sanktionen gegen Russland durch die USA

Deutliche Kritik aus Europa an Lockerung von Öl-Sanktionen gegen Russland durch die USA


Deutliche Kritik aus Europa an Lockerung von Öl-Sanktionen gegen Russland durch die USA
Deutliche Kritik aus Europa an Lockerung von Öl-Sanktionen gegen Russland durch die USA / Foto: © AFP/Archiv

Die Lockerung der Öl-Sanktionen gegen Russland durch die USA ist in Europa auf deutliche Kritik gestoßen. "Jetzt Sanktionen zu lockern, aus welchen Gründen auch immer, das halten wir für falsch", sagte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Freitag bei einem Besuch in Norwegen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte, der Schritt werde "auf jeden Fall zu einer Stärkung der Position Russlands führen". Die britische Regierung forderte, "alle Partner" sollten "den Druck auf Russland und seine Kriegskasse aufrechterhalten". Russland drängte hingegen auf eine Aufhebung weiterer Sanktionen gegen Moskau im Energiebereich.

Textgröße ändern:

Trotz internationaler Sanktionen gegen Moskau wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hatte das US-Finanzministerium wegen der steigenden Ölpreise infolge des Iran-Krieges eine Lizenz für den Verkauf von russischem Rohöl und russischen Erdölprodukten, die vor dem 12. März auf Schiffe verladen wurden, bis zum 11. April erteilt. US-Finanzminister Scott Bessent erklärte, die Lockerung der Sanktionen solle "die globale Reichweite des bestehenden Vorrats erhöhen".

Die Maßnahme sei "eng gefasst" und "kurzfristig". Sie werde der russischen Regierung keinen "signifikanten finanziellen Vorteil verschaffen, da der Großteil ihrer Energieeinnahmen aus Steuern stammt, die am Förderort erhoben werden", betonte Bessent.

Merz sagte dazu, es gebe beim Öl im Augenblick "ein Preisproblem, aber kein Mengenproblem, und insofern will ich gerne wissen, welche Motive die amerikanische Regierung noch dazu bewogen hat, diese Entscheidung zu treffen". Russland zeige im Ukraine-Krieg weiterhin keine Verhandlungsbereitschaft, der Druck auf Moskau müsse daher weiter erhöht werden. "Unsere Unterstützung für die Ukraine werden wir fortführen. Wir werden uns davon nicht durch den Iran-Krieg abbringen oder ablenken lassen", betonte der Kanzler.

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sagte in Berlin, die US-Lockerungen für russisches Öl seien zwar "auf wenige Mengen beschränkt und auch zeitlich beschränkt". Dennoch mache sie sich Sorgen, "dass wir Putins Kriegskassen nicht noch weiter füllen".

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sagte, die Lockerung der Sanktionen könne Russland bis zu zehn Milliarden Dollar einbringen, wofür Moskau weitere Waffen kaufen könne. Der Schritt "trägt nicht zum Frieden bei". Er verwies auch auf die gemeinsame Position der G7-Staaten vom Mittwoch, nach der "der Anstieg der Ölpreise auf keinen Fall zu einer Änderung der Sanktionspolitik führen" dürfe.

Von der britischen Regierung hieß es, "unsere Unterstützung für die Ukraine schwächt Russlands Fähigkeit, in der ganzen Welt Krieg zu führen, sowohl militärisch als auch finanziell". Der beste Weg, "Russland an der Unterstützung feindlicher Akteure in der Welt zu hindern", sei, "unseren gemeinschaftlichen Druck beizubehalten", sagte ein Sprecher von Premierminister Keir Starmer.

EU-Ratspräsident António Costa sprach von einer "sehr besorgniserregenden" und "einseitigen Entscheidung der USA", die die "europäische Sicherheit" beeinträchtige. Eine Lockerung der Sanktionen erhöhe "die russischen Mittel, um den Angriffskrieg gegen die Ukraine fortzuführen". Der wirtschaftliche Druck sei aber "entscheidend" dafür, dass Moskau "ernsthafte Verhandlungen für einen gerechten und dauerhaften Frieden akzeptiert", fügte er hinzu.

Russland forderte hingegen eine weitere Lockerung von Sanktionen. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte am Freitag mit Blick auf die Lockerung der US-Sanktionen, "solche Maßnahmen der Vereinigten Staaten werden in gewissem Maße bei der Stabilisierung des Marktes helfen". Weiter sagte er, "ohne nennenswerte Mengen an russischem Öl ist eine Stabilisierung des Marktes unmöglich".

Kreml-Berater Kirill Dmitriew erklärte, Washington sei zur Einsicht gelangt, "dass ohne russisches Öl der globale Energiemarkt nicht stabil bleiben kann". Eine weitere Lockerung der Sanktionen gegen den russischen Energiesektor sei "zunehmend unvermeidlich".

US-Präsident Donald Trump hatte am Dienstag angesichts der gestiegenen Ölpreise im Iran-Krieg angekündigt, einige Öl-Sanktionen aussetzen zu wollen. Trump äußerte sich nicht dazu, welches Land oder welche Länder von dem Schritt profitieren könnten - der US-Präsident machte seine Aussagen aber nach einem Telefonat mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Seit Beginn des Iran-Kriegs am 28. Februar wurde die Straße von Hormus, durch die rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports verläuft, vom iranischen Militär de facto gesperrt. Die Meerenge zwischen der arabischen Halbinsel und dem Iran wird von den iranischen Revolutionsgarden kontrolliert. Zudem beschoss der Iran auch Ölanlagen in mehreren Ländern der Golfregion sowie Öltanker. Diese Entwicklungen ließen die Öl- und Gaspreise in die Höhe schnellen. Am Freitag stabilisierte sich der Preis der Referenz-Ölsorte Brent bei rund 100 Dollar.

L.Johnson--TNT

Empfohlen

Rekordpreis: Pink-Floyd-Gitarre für mehr als 14 Millionen Dollar versteigert

Eine von David Gilmour auf sechs Pink-Floyd-Alben gespielte Gitarre ist in New York zum Rekordpreis von 14,55 Millionen Dollar (knapp 13 Millionen Euro) versteigert worden. Wie das Auktionshaus Christie’s am Freitag mitteilte, wurde die legendäre Fender Stratocaster, die auch als "The Black Strat" bekannt ist, damit zur teuersten jemals verkauften Gitarre. Der bisherige Rekord lag bei sechs Millionen Dollar, die 2020 für eine Gitarre von Nirvana-Sänger Kurt Cobain gezahlt worden war.

US-Freigabe von russischem Öl stößt in Deutschland auf scharfe Kritik

Die Entscheidung der US-Regierung zur vorübergehenden Freigabe von russischem Öl ist in Deutschland parteiübergreifend verurteilt worden. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nannte das Lockern von Sanktionen gegen Russland am Freitag "falsch". Politiker von SPD, Grünen und Linken kritisierten die Öl-Freigabe als verheerendes Signal in Richtung Ukraine. Hingegen forderten AfD und BSW die Wiederaufnahme des Bezugs von russischem Öl.

DGB-Studie: Viele Beschäftigte im öffentlichen Dienst machen Überstunden

Rund 40 Prozent der Beschäftigten im öffentlichen Dienst machen regelmäßig Überstunden. Das geht laut einem Bericht der Funke Mediengruppe aus einer Auswertung des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) hervor. 22 Prozent leisten demnach durchschnittlich ein bis fünf Überstunden pro Woche. Weitere 17 Prozent arbeiten mehr als fünf Stunden pro Woche länger als vertraglich vereinbart.

EU-Länder wollen KI-Anwendungen für sexuelle Deepfakes verbieten

Die 27 EU-Länder haben sich für ein Verbot von KI-Anwendungen ausgesprochen, mit deren Hilfe sexualisierte Bilder von echten Menschen ohne deren Einwilligung hergestellt werden können. Bei einem Treffen am Freitag einigten sich die Botschafter auf eine gemeinsame Position für eine entsprechende Änderung des Gesetzes zu Künstlicher Intelligenz (KI). Damit reagiert Brüssel auf die Erstellung und Verbreitung von Millionen sexualisierter KI-Bilder von Frauen und Kindern mithilfe des Chatbots Grok von US-Milliardär Elon Musk Anfang des Jahres.

Textgröße ändern: