The National Times - Kartellamt: Amazon soll wegen Preiskontrollen knapp 59 Millionen Euro zahlen

Kartellamt: Amazon soll wegen Preiskontrollen knapp 59 Millionen Euro zahlen


Kartellamt: Amazon soll wegen Preiskontrollen knapp 59 Millionen Euro zahlen
Kartellamt: Amazon soll wegen Preiskontrollen knapp 59 Millionen Euro zahlen / Foto: © AFP

Der US-Konzern Amazon soll in Deutschland fast 59 Millionen Euro wegen kartellrechtlicher Verstöße zahlen. Das Bundeskartellamt untersagte Amazon am Donnerstag die Preiskontrolle von Drittanbietern auf seiner Händlerplattform. Da der Konzern auch selber als Händler auftrete, dürfe er nicht zugleich Einfluss auf die Preise nehmen, erklärte Kartellamtschef Andreas Mundt. Als Ausgleich für den auf diese Weise unrechtmäßig erlangten Vorteil soll Amazon zahlen. Der Konzern kündigte umgehend an, das "entschieden" anzufechten.

Textgröße ändern:

Amazon setze zur Überprüfung der Preise von Dritthändlern, die auf dem sogenannten Amazon Marketplace ihre Waren verkauften, verschiedene Preiskontrollmechanismen ein, teilte das Kartellamt weiter mit. Bewerteten diese Mechanismen die Preise als zu hoch, würden die Angebote entweder ganz entfernt oder sie würden nicht in einem hervorgehobenen Einkaufsfeld angezeigt.

"Wir gehen nicht gegen Amazons Ziel vor, den Endverbraucherinnen und -verbrauchern möglichst niedrige Preise anzubieten", betonte Mundt. Doch Amazon dürfe zulässige Angebote nicht "in ihrer Sichtbarkeit beschränken oder sogar beseitigen, weil deren Preise den Vorstellungen von Amazon nicht entsprechen". Problematisch ist demnach auch, dass es für die Drittanbieter häufig nicht ersichtlich ist, wo Amazons Preisgrenzen liegen und wie diese zustande kommen.

Die Behörde betonte zudem Amazons herausragende Stellung: Der Amazon Marketplace mache 60 Prozent des Umsatzes im Online-Handel in Deutschland aus. Wieder 60 Prozent dieser Umsätze entfallen auf Drittanbieter, der Rest auf Amazon selbst in seiner Funktion als Online-Händler.

"Für die betroffenen Händler können die Eingriffe in die Preisgestaltung dazu führen, dass sie ihre eigenen Kosten nicht mehr decken können; mit der Konsequenz, vom Marktplatz verdrängt zu werden", führte der Kartellamtschef aus. Die Wettbewerbshüter sehen diese "systematischen Eingriffe" in die Preisgestaltung als "Missbrauch nach den besonderen Vorschriften für große Digitalunternehmen".

"Amazon darf Mechanismen zur Kontrolle der Händlerpreise künftig nur noch ausnahmsweise, insbesondere für Fälle des Preiswuchers, nach Vorgaben des Bundeskartellamtes einsetzen", erklärte die Bonner Behörde. Mit der Strafzahlung von 59 Millionen Euro wird den Angaben nach der "wirtschaftliche Vorteil" abgeschöpft, "den Amazon durch das kartellrechtswidrige Verhalten erlangt hat".

Amazon kritisierte den Beschluss als "beispiellose behördliche Entscheidung". Das Kartellamt habe "die Funkionsweise des wettbwerbsorientierten Einzelhandels" nicht verstanden, erklärte Amazon-Deutschland-Chef Rocco Bräuniger. Amazon arbeite "kundenorientiert": Diese könnten darauf vertrauen, "auf der Grundlage von Preis und Liefergeschwindigkeit zuverlässig das beste Angebot zu finden".

Bräuniger wirft dem Kartellamt zudem vor, eine deutsche Einzelregelung in Europa zu schaffen. Die für die Entscheidung herangezogene Vorschrift "steht im direkten Widerspruch zu den verbraucherbezogenen Maßstäben des EU-Wettbewerbsrechts", erklärte er. Das Bundeskartellamt erklärte hingegen, das Verfahren "eng mit der Europäischen Kommission koordiniert" zu haben.

Amazon kündigte an, Beschwerde gegen den Kartellamtsbeschluss einzulegen. "In der Zwischenzeit werden wir unseren Store wie gewohnt weiter betreiben, damit Kunden und Verkaufspartner keinerlei Beeinträchtigungen erfahren, während wir unsere rechtlichen Schritte vorbereiten", ergänzte Bräuniger. Damit riskiert Amazon weitere finanzielle Auflagen: Das Kartellamt betonte, dass die 59 Millionen Euro Abschöpfung vorläufig seien, "weil der festgestellte Kartellrechtsverstoß nach wie vor andauert".

P.Sinclair--TNT

Empfohlen

Ex-OpenAI-Forscher: "Wir müssen die KI-Entwicklung im Wesentlichen abschalten"

Die führenden US-KI-Entwickler täuschen nach Auffassung des früheren OpenAI-Forschers Daniel Kokotajlo mit ihrer Forderung nach Regulierung für künstliche Intelligenz den Wunsch nach mehr Kontrolle nur vor. Anthropic, OpenAI, X und Google betrieben lediglich "Safety Washing", sagte Kokotajlo dem "Spiegel". Zugleich forderte der heutige Leiter des "AI Futures Project" im kalifornischen Berkeley die KI-Entwicklung von OpenAI oder Anthropic staatlich massiv einzuschränken. "Wir müssen die KI-Entwicklung im Wesentlichen abschalten."

Warren Buffett legt Verwaltungsratsvorsitz seiner Investmentfirma nieder

Es ist ein Rückzug auf Raten: US-Investor Warren Buffett, bekannt als "Orakel von Omaha", legt auch den Verwaltungsratsvorsitz seiner Holding Berkshire Hathaway nieder. Der 96-Jährige bleibe aber Mitglied des Verwaltungsrats und sei zudem zum "Ehrenpräsidenten" ernannt worden, teilte Berkshire Hathaway am Freitag mit. Buffett war zum 1. Januar bereits als Geschäftsführer ausgeschieden.

Anthropic: KI wird zunehmend für Entwicklung neuer KI-Systeme eingesetzt

KI-Systeme könnten sich in der Zukunft selbst bauen: Dem KI-Unternehmen Anthropic zufolge wird bei der Entwicklung neuer KI-Modelle zunehmend KI selbst eingesetzt. Der Chatbot Claude des US-Unternehmens habe im August rund 26 Prozent der Forschungs- und Entwicklungsarbeit bei Anthropic übernommen, erklärte das Unternehmen am Donnerstag. Claude könne noch nicht "vollständig autonom" arbeiten. Doch einen Großteil seiner Aufgaben erledige es weitgehend selbstständig unter menschlicher Aufsicht.

CDU-Generalsekretärin: Bis zu 25 Cent Entlastung beim Spritpreis

Die Beratungen in der Regierungskoalition über eine Entlastung vom hohen Spritpreis dauern an - CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann nannte erstmals konkrete Zahlen: "Eine Entlastung um irgendwie 21, 23, 25 Cent der Liter, finde ich, ist schon eine spürbare Entlastung", sagte sie. Die CDU ist für eine Mehrwertsteuersenkung, SPD-Chef Lars Klingbeil nicht dagegen. Der ADAC, das Handwerk und der DGB plädierten dagegen für eine Stromsteuersenkung.

Textgröße ändern: