The National Times - Verbraucherschützer: Steigende Lebensmittelpreise haben "politische Sprengkraft"

Verbraucherschützer: Steigende Lebensmittelpreise haben "politische Sprengkraft"


Verbraucherschützer: Steigende Lebensmittelpreise haben "politische Sprengkraft"
Verbraucherschützer: Steigende Lebensmittelpreise haben "politische Sprengkraft" / Foto: © AFP

Der Anstieg der Lebensmittelpreise belastet die Haushalte - Verbrauchschützer warnen deshalb bereits vor "politischer Sprengkraft". Mit 68 Prozent gab die große Mehrheit in einer Befragung der Verbraucherzentralen an, vor allem die Preissteigerungen bei Lebensmittel zu spüren. Mit deutlichem Abstand (16 Prozent) folgten die Preissteigerungen bei Energie. Außerdem macht sich eine Mehrheit angesichts gestiegener Lebenshaltungskosten Sorgen. Die Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), Ramona Popp, warnte am Dienstag in Berlin die Politik, das Thema nicht unterschätzen.

Textgröße ändern:

Der Verbraucherbefragung zufolge gaben 37 Prozent an, sich bezüglich der Lebenshaltungskosten "eher große Sorgen" zu machen, 21 Prozent machten sich "sehr große Sorgen". Der vzvb weise die Politik "sehr deutlich" darauf hin, dass das Thema "politische Sprengkraft" habe, "weil es eben eine inzwischen wirklich sehr wichtige Frage von vielen Menschen ist", unterstrich Popp.

Sie verwies auf Großbritannien und USA: Dort sei das Thema "affordability, also die Leistbarkeit des Lebens", inzwischen wahlentscheidend. Die Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland hätten das Gefühl, mit ihren Sorgen "nicht gesehen zu werden von der Politik", fuhr Popp fort. "Daraus entwickelt sich natürlich Frust, daraus entwickelt sich Vertrauensverlust."

Zugleich sähen die Menschen, dass bestimmte Interessensgruppen sich durchaus mit ihren Forderungen durchsetzten, sagte sie weiter. Ein Beispiel dafür sei die Gastronomie mit der zum 1. Januar erfolgten Mehrwertsteuersenkung, "wo schon relativ offen kommuniziert wird, dass bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern nichts davon ankommen wird", fuhr die vzbv-Vorständin fort.

In der vzbv-Umfrage zeigte sich mit Blick auf das Jahr 2026 dann auch eine knappe Mehrheit der Befragten eher pessimistisch. Immerhin 47 Prozent blicken positiv in die Zukunft. Einen klaren Unterschied gibt es hier jedoch je nach Haushaltseinkommen: Gutverdiener sind mit 58 Prozent mehrheitlich optimistisch, bei Menschen mit kleineren Einkommen sind es nur 40 Prozent.

Hohe Lebenshaltungskosten, Lebensmittel- und Energiepreise träfen natürlich "insbesondere diejenigen, die ohnehin schon wenig haben, weil sie für diese Grundbedürfnisse mehr von ihrem Einkommen ausgeben als diejenigen mit einem hohen Einkommen", sagte Popp dazu. Generell ärgerten sich Verbraucherinnen und Verbraucher über offene wie versteckte Preissteigerungen, wo etwa die Füllmenge reduziert werde oder die Qualität - etwa in Fruchtsäften, wo "immer weniger Frucht und immer mehr Zucker und Aromastoffe enthalten sind".

Popp sprach von "Verbrauchertäuschung" und forderte eine "klare Kennzeichnung von Mogelpackungen". Sie sprach sich zudem für eine Art unabhängiger "Preisbeobachtungsstelle" aus, um sich "die Preise- und Kostenentwicklung mal tatsächlich in der gesamten Wirtschaftssystematik anzuschauen, die Kosten und Gewinne nachvollziehen zu können und auch zu gucken, wer zum Beispiel eben die Taschen auch voll macht".

Für die repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbandes wurden Anfang Dezember 1002 Menschen ab 18 Jahren per Telefon befragt.

W.Phillips--TNT

Empfohlen

Regierungskreise: Einigung auf neuen Tankrabatt und Spritpreisdeckel

Die schwarz-rote Koalition hat sich wegen der hohen Preise an den Zapfsäulen auf einen neuen Tankrabatt und einen Spritpreisdeckel geeinigt. Wie die Nachrichtenagentur AFP am Freitagabend aus Regierungskreisen erfuhr, soll der Tankrabatt bis Jahresende gelten. Für die Zeit danach ist ein Spritpreisdeckel geplant.

Kalifornien prüft "Notschalter" für Künstliche Intelligenz

In der Sicherheitsdebatte über Künstliche Intelligenz (KI) will der US-Bundesstaat Kalifornien eine Art Notschalter prüfen. Der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom unterzeichnete am Freitag ein Dekret, das als eine Möglichkeit zur Kontrolle von KI einen solchen "kill switch" vorsieht - also einen Mechanismus, der ein KI-System bei Gefahr stoppt oder isoliert. Eine Reihe von KI-Unternehmen sind im Silicon Valley in Kalifornien angesiedelt.

Volkswagen kappt Gewinnerwartung für 2026

Der Volkswagen-Konzern hat seine Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr deutlich nach unten korrigiert. "Sondereffekte" würden das Konzernergebnis voraussichtlich um insgesamt rund zehn Milliarden Euro reduzieren, erklärte der Wolfsburger Konzern am Freitagnachmittag in einer Börsenmitteilung. Die Umsatzprognose behält VW demnach mit nun 315 Milliarden Euro im Wesentlichen bei, die Umsatzrendite reduziert sich jedoch auf nur ein Prozent statt der zuvor erwarteten 4,0 bis 5,5 Prozent.

Ex-OpenAI-Forscher: "Wir müssen die KI-Entwicklung im Wesentlichen abschalten"

Die führenden US-KI-Entwickler täuschen nach Auffassung des früheren OpenAI-Forschers Daniel Kokotajlo mit ihrer Forderung nach Regulierung für künstliche Intelligenz den Wunsch nach mehr Kontrolle nur vor. Anthropic, OpenAI, X und Google betrieben lediglich "Safety Washing", sagte Kokotajlo dem "Spiegel". Zugleich forderte der heutige Leiter des "AI Futures Project" im kalifornischen Berkeley die KI-Entwicklung von OpenAI oder Anthropic staatlich massiv einzuschränken. "Wir müssen die KI-Entwicklung im Wesentlichen abschalten."

Textgröße ändern: