The National Times - Hans-Böckler-Stiftung hält 2024 "kräftige Reallohnsteigerungen" für nötig

Hans-Böckler-Stiftung hält 2024 "kräftige Reallohnsteigerungen" für nötig


Hans-Böckler-Stiftung hält 2024 "kräftige Reallohnsteigerungen" für nötig
Hans-Böckler-Stiftung hält 2024 "kräftige Reallohnsteigerungen" für nötig / Foto: © AFP

In den Tarifverhandlungen in diesem Jahr in Deutschland sind nach Ansicht des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung "kräftige Reallohnsteigerungen notwendig". Die Beschäftigten müssten die "massiven" Reallohnverluste der Jahre 2021 und 2022 ausgleichen können, erklärte das WSI am Dienstag. Tarifexperte Thorsten Schulten erwartet eine "offensive Tarifrunde", die auch von Arbeitskämpfen geprägt sein dürfte.

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"Der Druck ist groß, nachdem für viele Beschäftigte preisbereinigt die Einkommensverbesserungen eines halben Jahrzehnts verloren gegangen sind", erklärte Schulten. "Die Härte der Verhandlungen wird vor allem davon abhängen, inwieweit die Arbeitgeber bereit sind, das Interesse ihrer Beschäftigten an Reallohnzuwächsen anzuerkennen."

Durch die starke Inflation in den vergangenen Jahren seien die realen Tariflöhne in Deutschland im Durchschnitt auf das Niveau von 2016 zurückgefallen, heißt es im neuen tarifpolitischen Jahresbericht des WSI. Die Kaufkraft der Tarifbeschäftigten lag demnach Ende 2023 im Mittel sechs Prozentpunkte niedriger als 2020. Dies sei eine Folge der drastischen Reallohnverluste 2021 und insbesondere 2022. Daher seien "kräftige Reallohnsteigerungen notwendig".

Von Dezember 2023 bis Dezember 2024 laufen von DGB-Gewerkschaften vereinbarte Vergütungstarifverträge für knapp zwölf Millionen Beschäftigte aus, wie das WSI ausführte. Unter anderem stehen Verhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie, der Chemischen Industrie und im Bauhauptgewerbe an. Zum Jahresende laufen die Tarifverträge im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen aus.

"Damit ist das Tarifjahr 2024 bereits rein quantitativ ein Schwergewicht", erklärte Schulten. Besonders hoch ist demnach der Nachholbedarf bei den Reallöhnen im Bauhauptgewerbe oder bei der Deutschen Telekom, deren letzte reguläre Lohnabschlüsse noch in die Zeit vor den hohen Inflationsraten fallen.

Im vergangenen Jahr schlossen DGB-Gewerkschaften für rund 6,3 Millionen Beschäftigte neue Tarifverträge ab - etwa im öffentlichen Dienst von Bund und Gemeinden, bei der Deutschen Bahn und bei der Deutschen Post. Für weitere 9,2 Millionen Beschäftigte traten 2023 Lohnerhöhungen aus Tarifabschlüssen in Kraft, die bereits 2022 oder früher vereinbart worden waren. Darunter waren auch große Branchen wie die chemische Industrie oder die Metall- und Elektroindustrie.

Die Tarifabschlüsse 2023 zeichneten sich durch drei Merkmale aus, wie Schulten erläuterte: Erstens erhielten die Beschäftigten in fast allen großen Branchen Inflationsausgleichsprämien, steuer- und abgabenfreie Einmalzahlungen, die den Beschäftigten im Vergleich zu einer regulären Tariferhöhung einen höheren Nettolohn und den Arbeitgebern niedrigere Arbeitskosten bescheren.

Zweitens traten die tabellenwirksamen Lohnerhöhungen in Kombination mit den Inflationsausgleichsprämien häufig relativ spät in Kraft - bei der Deutschen Post und im öffentlichen Dienst etwa erst im Laufe dieses Jahres. Drittens verzeichneten die unteren Lohngruppen in den meisten Branchen überproportionale Lohnzuwächse - zum einen wegen der Inflationsausgleichsprämien, zum anderen wegen fester Mindestbeträge, von denen Beschäftigte mit geringem Einkommen besonders profitieren.

Insgesamt stiegen die Tariflöhne in Deutschland nominal gegenüber dem Vorjahr um durchschnittlich 5,5 Prozent. Bereinigt um die Inflation von 5,9 Prozent ergibt sich ein durchschnittlicher Rückgang der tarifvertraglich vereinbarten Reallöhne von 0,4 Prozent. Bei einem Teil der Beschäftigten dürfte die finanzielle Bilanz aber wegen der Inflationsprämien positiver ausfallen.

"Die steuer- und abgabenfreien Inflationsausgleichsprämien haben dazu beigetragen, dass Reallöhne für einen Teil der Beschäftigten nicht nur gesichert, sondern auch angehoben werden konnten. Eine wichtige kurzfristige Entlastung angesichts der Preisschocks, die durch den russischen Angriff auf die Ukraine verursacht wurden", sagte Schulten. Da es sich um Einmalzahlungen handelte, wirkten sie sich aber mit ihrem Auslaufen in den Folgejahren stark dämpfend auf die Lohnentwicklung aus.

T.Bailey--TNT

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