The National Times - Weitere Bauernproteste drohen - Özdemir pocht auf Tierwohlabgabe

Weitere Bauernproteste drohen - Özdemir pocht auf Tierwohlabgabe


Weitere Bauernproteste drohen - Özdemir pocht auf Tierwohlabgabe
Weitere Bauernproteste drohen - Özdemir pocht auf Tierwohlabgabe / Foto: © AFP/Archiv

Die Protesttage der Bäuerinnen und Bauern sind vorerst beendet - die Zukunft der Landwirtschaft bleibt aber im Fokus. Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) pochte am Dienstag auf die Einführung eines Preisaufschlags auf tierische Produkte zur Unterstützung der Bauern und erhielt dafür auch Unterstützung von der Union. Zusammen mit Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) lud er zum Agrarkongress in Berlin, um über Lösungen für die Landwirtschaft zu beraten. Der Bauernverband (DBV) distanzierte sich von weiteren Protestaktionen in dieser Woche - nun werde erst einmal verhandelt.

Textgröße ändern:

"Wir haben nichts geplant - also, der Deutsche Bauernverband und seine Landesverbände und die Organisation Land schafft Verbindung", sagte DBV-Geschäftsführer Bernhard Krüsken dem Sender rbb. Es gebe "kleinere Gruppen, radikale Gruppen, die jetzt offensichtlich noch irgendwie weitermachen". Er bitte aber darum zu unterscheiden, "wer der Veranstalter dieser Dinge ist".

Der Bauernverband hatte eine Woche lang deutschlandweit Proteste gegen die Politik der Bundesregierung organisiert. Den Höhepunkt bildete eine Großdemonstration mit tausenden Traktoren in Berlin am Montag. Ein anschließendes Gespräch von Landwirtschaftsvertretern mit den Spitzen der Ampel-Fraktionen im Bundestag endete allerdings ergebnislos.

Die Bundesregierung will an der schrittweisen Abschaffung der Subventionierung von Agrardiesel bis 2026 festhalten - der Bauernverband fordert die Rücknahme dieser Maßnahme. Die Subventionierung müsse zumindest so lange weiterbestehen, "bis dieser Fehlbetrag über den Markt kompensiert werden kann", erklärte der Vorstandsvorsitzende des Bundes Deutscher Milchviehhalter, Karsten Hansen. "Das ist aus unserer Sicht ein fairer Deal."

Özdemir schlägt als Ausgleich eine Tierwohlabgabe vor. Wer dies ablehne, "muss ehrlich sein" und solle den Bauern sagen: "Wir wollen keine Tierhaltung in Deutschland", sagte er dem Sender Welt TV. Wer "auch in Zukunft Fleisch aus Deutschland" möchte, müsse auch sagen, "wo das Geld dafür herkommen soll".

Umweltministerin Lemke sprach von einem "sinnvollen Vorhaben", damit die Bauern "Planungssicherheit und eine wirtschaftliche Perspektive bekommen". Bei der Ausgestaltung der Tierwohlabgabe müsse allerdings darauf geachtet werden, "dass die Verbraucher nicht überfordert werden", sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Verbraucher:innen wünschen sich, dass ihre Lebensmittel zu höheren Tierschutz-, Umwelt- und Sozialstandards erzeugt werden", erklärte dazu die Chefin des Verbraucherzentrale Bundesverbandes, Ramona Pop.

Auch Özdemirs Vorgängerin im Bundeslandwirtschaftsministerium, Julia Klöckner (CDU), unterstützt die Idee einer Zusatzabgabe. "Mehr Tierschutz und höhere Standards kosten mehr Geld", sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Özdemir müsse nun Details zur Ausgestaltung eines Verbraucheraufschlags liefern.

Empfehlungen für eine solche Abgabe hatte eine Kommission unter dem Vorsitz des einstigen Landwirtschaftsministers Jochen Borchert schon Anfang 2020 vorgelegt. Demnach könnten etwa je Kilo Fleisch 40 Cent Aufschlag fällig werden. Die Einnahmen kämen dann Landwirten zugute, die ihre Ställe zum Wohl der Tiere umbauen.

Der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), Christoph Minhoff, sagte der "Bild"-Zeitung, eine solche Abgabe "würde zum Lackmustest, wie viel Tierwohl sich die Verbraucher leisten können". Fleisch und Wurst würden dadurch "erheblich" teurer. Özdemir sagte, seiner Vorstellung nach müsste der Aufschlag nicht so hoch ausfallen wie von der sogenannten Borchert-Kommission vorgeschlagen.

Das Höfesterben ging in den vergangenen Jahren weiter, wie aus aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervorgeht. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland ging von 2020 bis 2023 um rund 7800 zurück. Im Jahr 2023 gab es noch 255.000 Betriebe und damit drei Prozent weniger als drei Jahre zuvor. Die bewirtschaftete Fläche hingegen ist seit Jahren weitgehend konstant - denn es vergrößert sich die durchschnittliche Fläche pro Landwirtschaftsbetrieb.

W.Baxter--TNT

Empfohlen

Tausende demonstrieren nach Zwangsräumung von 87-Jähriger in Madrid

Wenige Tage nach der Zwangsräumung einer 87-Jährigen in Madrid haben tausende Menschen in der spanischen Hauptstadt für bezahlbaren Wohnraum und mehr Mieterschutz demonstriert. Bilder davon, wie Maricarmen Abascal am Mittwoch auf einer Trage aus ihrer Wohnung geholt wurde, haben die Debatte um bezahlbaren Wohnraum in Spanien neu entfacht. "Du könntest die nächste Maricarmen sein" und "Keine einzige Maricarmen mehr", hieß es auf Bannern bei der Demonstration am Samstag.

Französischer Atomreaktor Flamanville für Arbeiten ein Jahr vom Netz

Zum Austausch eines defekten Reaktordeckels hat der Stromkonzern EDF den Druckwasser-Atomreaktor im französischen Flamanville am Samstag für knapp ein Jahr vom Netz genommen. Es ist zugleich der Beginn einer größeren Routinekontrolle des Ende 2024 in Betrieb genommenen Reaktors, wie EDF mitteilte.

KI: China "respektiert" Trumps Wortwahl "Superintelligenz"

Die chinesische Regierung "respektiert" nach eigenen Angaben die Wortwahl von US-Präsident Donald Trump, der statt "Künstlicher Intelligenz" künftig den Ausdruck "Superintelligenz" verwenden will. Peking messe der Übernahme des Begriffs durch Trump "Bedeutung bei", erklärte das chinesische Außenministerium am Samstag. Alle Parteien sollten im KI-Bereich den "Austausch verstärken" und "nach einem Konsens suchen".

Verkehrsminister Bilger unzufrieden mit Sanierungstempo der Bahn

Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) ist unzufrieden mit dem Sanierungstempo der Bahn. "Mit der bisherigen Umsetzung der Korridorsanierungen – dem Modernisieren von Gleisen, Weichen, Bahn- und Sicherheitstechnik – bin ich überhaupt nicht zufrieden", sagte Bilger dem "Spiegel". "Man kann niemandem erklären, warum Pendlerstrecken so lange gesperrt werden und die Situation danach noch immer nicht besser ist."

Textgröße ändern: