The National Times - "Nicht praktikabel": Bayern will Verzicht auf Anbindeverbot bei Kühen

"Nicht praktikabel": Bayern will Verzicht auf Anbindeverbot bei Kühen


"Nicht praktikabel": Bayern will Verzicht auf Anbindeverbot bei Kühen
"Nicht praktikabel": Bayern will Verzicht auf Anbindeverbot bei Kühen / Foto: © AFP/Archiv

Bayern hat sich im Bundesrat dafür stark gemacht, die Anbindehaltung von Kühen auch weiterhin nicht gesetzlich zu verbieten. Die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) sagte in der Sitzung am Freitag, die Tierhalter hätten die Zeichen der Zeit erkannt, "wir sind auf gutem Wege heraus aus der Anbindehaltung". Doch das von der Bundesregierung geplante Verbot sei "zu restriktiv und nicht praktikabel".

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Landwirte in Süddeutschland und in Bayern wären von dem Verbot besonders stark betroffen, sagte Kaniber. Das liege an den "Gegebenheiten vor Ort" mit vielen berg- und grünlandgeprägten Gebieten. Viele dieser Flächen seien "nur über Wiederkäuer nutzbar".

Die Betriebe leisteten dort einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Kulturlandschaft und der Biodiversität. "Aufgrund der historischen Siedlungsentwicklung verfügen diese Betriebe, oftmals in der Dorfmitte liegend, nicht über die entsprechenden Entwicklungsmöglichkeiten am jeweiligen Standort", heißt es im Antrag Bayerns für den Bundesrat.

Das geplante Anbindeverbot würde nach Ansicht der bayerischen Regierung den Strukturwandel "massiv befeuern", da die Betriebe zu wenig Zeit hätten, auf mögliche andere Haltungsformen umzusteigen. "Wenn Stalltüren einmal zugehen, dann gehen sie auch nie wieder auf", sagte Kaniber im Bundesrat. Die Regierung in München plädierte dafür, die Anbindehaltung durch finanzielle Anreize und Beratung "langfristig" zu beenden.

Der Antrag ging zu weiteren Beratungen an den Agrarausschuss. Laut einer Studie des Thünen-Instituts gab es 2020 noch rund 17.300 Milchviehbetriebe, die ihre Kühe zumindest zeitweise im Stall anbanden. Das entsprach 35 Prozent aller Milchviehbetriebe und elf Prozent aller Milchkühe. In Bayern ist es nach Angaben des Bauernverbands jeder zweite Milchviehbetrieb.

SPD, Grüne und FDP hatten in ihrem Koalitionsvertrag 2021 vereinbart, sie wollten die Anbindehaltung "spätestens in zehn Jahren beenden". Ein Referentenentwurf dazu aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium steckt nach Angaben der Verbraucherorganisation Foodwatch aber offenbar in der Kabinettsabstimmung fest.

Foodwatch forderte erst kürzlich, das Verbot müsse endlich kommen. "Für unseren Käse, Joghurt oder das Glas Milch fristen Kühe oft ein qualvolles Dasein fixiert im engen Stall." Die Anbindehaltung sei mit dem Tierschutz nicht vereinbar. Foodwatch wandte sich auch gegen die sogenannte Kombihaltung. Dabei können sich die Tiere an 120 Tagen bewegen, bleiben die meiste Zeit des Jahres aber angebunden. Aus Sicht von Foodwatch ist auch das ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz.

T.Allen--TNT

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